Der klassische Wortbruch

Roland Etzel zum 100. Jahrestag der Balfour-Deklaration

Die britische Premierministerin Theresa May (l) begrüßt Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am 02.11.2017 an Mays offiziellem Amtssitz. Anlässlich des 100. Jahrestages der Balfour-Deklaration Großbritanniens ist Israels Premierminister zu Gesprächen nach London gereist.
Die britische Premierministerin Theresa May (l) begrüßt Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am 02.11.2017 an Mays offiziellem Amtssitz. Anlässlich des 100. Jahrestages der Balfour-Deklaration Großbritanniens ist Israels Premierminister zu Gesprächen nach London gereist.

Balfour - wohl kaum jemand außerhalb Englands erinnert sich dieses Außenministers, zuvor auch Premierministers, seiner Majestät vor 100 Jahren. Dabei ist sein (Un-)Geist im Nahen Osten allgegenwärtig. Die nach Arthur James Balfour, 1. Earl of Balfour, benannte Deklaration spaltet das einst Heilige Land, und sie tut das bis heute. Aktuell vielleicht sogar mehr denn je.

Gerade weil die einen wie Israels Premier Netanjahu und seine Londoner Gastgeberin May von der aktuellen britischen Regierung demonstrativ nur das eine Versprechen der Vorgänger Mays feiern - die Gründung einer »nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes«. Und die schmutzige Seite der Deklaration, nämlich die Vertreibung Hunderttausender Palästinenser, bewusst ausblenden, denen auch Staatlichkeit versprochen war. Das heutige Elend von Millionen Palästinensern als Flüchtlinge im eigenen Land oder rechtlose Geduldete und politische Manövriermasse in den Nachbarstaaten ist nicht allein auf Balfour zurückzuführen. Verraten wurden die legitimen Interessen der Palästinenser in der Folge noch Hunderte Male - von den Großmächten und vor allem den vermeintlichen Brüdern in arabischen Regierungssesseln.

Dennoch steht Balfour als Synonym für den klassischen politischen Wortbruch. Und schon deshalb ist die heute erhobene palästinensische Forderung an London nach Entschuldigung moralisch gerechtfertigt.

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