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Beim Botanischen Garten gibt es neuen Zoff

Beschäftigte kritisieren in einem Brandbrief die Art und Weise, wie der Betriebsübergang laufen soll

Die Stimmung unter den Beschäftigten des Botanischen Gartens in Lichterfelde kippt. Weil sich die Übernahme zum 1. Januar 2018 an die Freie Universität (FU) schwieriger gestaltet als gedacht, hat der Betriebsrat einen fünfseitigen Brandbrief verfasst. Das Schreiben ging in diesen Tagen an die insgesamt 160 Mitglieder des Abgeordnetenhauses. In dem Brief, der dem »nd« vorliegt, bemängelt die Arbeitnehmervertretung, dass es sich beim Botanischen Garten um keine einfache Übernahme handelt. Ursächlich für die Kritik ist, dass die Freie Universität versuche, »Betriebsänderungen« zu diktieren. Dies habe »zum Teil gravierende Auswirkungen für die Beschäftigten, die nun im Schweinsgalopp umgesetzt werden sollen«.

Der wichtigste Streitpunkt bleibt die Technikabteilung. Momentan sind sieben Techniker und zwei Elektriker dafür zuständig, die komplizierten Anlagen des Botanischen Gartens rund um die Uhr zu überwachen. Die FU will nur zwei davon als Hausmeister behalten - der Rest soll in die mehrere Kilometer entfernte zentrale Technikabteilung der Hochschule eingegliedert werden, und »nur noch bei Havarien in den Garten ausrücken«, wird im Brandbrief kritisiert. 80 Beschäftigte haben eine Petition für den Erhalt der Technikabteilung unterschrieben - bisher ließ sich die Hochschule davon allerdings nicht beeindrucken.

Einen umfangreichen Fragenkatalog des »nd« zum Botanischen Garten beantwortete die Pressestelle der Freien Universität am Donnerstag zunächst nicht. Die Freie Universität untersteht dem Land Berlin. Der Senat, der auch im Kuratorium der FU vertreten ist, wirkt eher verärgert über die vielen Reibungen. »Wir möchten, dass die Wiedereingliederung im Sinne der Beschäftigten erfolgt«, sagt Franziska Brychcy (LINKE) aus dem Abgeordnetenhaus. Am 13. November wird sich der Ausschuss für Wissenschaft und Forschung des Landesparlaments erneut mit dem Botanischen Garten beschäftigen.

Der Brandbrief der Beschäftigten ist unterdessen der Höhepunkt der Stimmungsverschlechterung unter den Beschäftigten. Vor einem Jahr war die Freude dagegen noch riesig: Ein Tarifvertrag für alle Beschäftigten am Botanischen Garten war erkämpft worden. Zehn Jahre lang hatte zuvor die Hälfte der Belegschaft für eine Tochterfirma gearbeitet. Sie bekamen Niedriglöhne und mussten teilweise beim Jobcenter aufstocken. Doch nach einem langen Arbeitskampf sollte das Prinzip »gleicher Lohn für gleiche Arbeit« gelten. Für weitere Freude sorgte danach die Ankündigung, dass die Tochterfirma »Betriebsgesellschaft Botanischer Garten und Botanisches Museum« zum Ende des Jahres aufgelöst wird - und damit die beschlossene Lohnerhöhung früher kommt. Angesichts der nun stockenden Verhandlungen ist die Euphorie aber vergangen, wie der verschickte Brandbrief eindrücklich zeigt.

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