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»Ende Gelände« entert Tagebau Hambach

Proteste gegen Braunkohleabbau im rheinischen Revier / Polizei verhindert Besetzung von Schaufelradbagger

  • Von Sebastian Weiermann, Köln
  • Lesedauer: 3 Min.

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Sonntag früh, 7:15 Uhr am S-Bahnhof in Köln Ehrenfeld. Es ist dunkel, kalt und nass. Hunderte Klimaaktivisten, die sich hier treffen, um gemeinsam ins Rheinische Braunkolerevier zu fahren. Da es bei »Ende Gelände« dieses Mal kein Camp gibt, haben die Klimaaktivisten verteilt im Rheinland geschlafen. Viele sind in Wohngemeinschaften in Köln untergekommen. Am Bahnhof heißt es für die Bezugsgruppen dann erstmal sich wiederfinden. Es wird telefoniert und es werden Namen gerufen. Nach einer halben Stunde geht es dann los. Mit der S-Bahn fahren die etwa 800 Menschen nach Kerpen-Buir, dort nah am Tagebau Hambach finden Demonstrationen und Kundgebungen statt. Der Zug aus Köln ist voll, der Zugführer warnt kurz vor dem losfahren: »Der Besetzungsgrad« des Zuges sei bald erreicht. Bis sich die Menschen auf die ganze Bahn verteilt haben, dauert es ein paar Minuten. Auf der halbstündigen Fahrt stimmen französische Aktivisten »Die Internationale« an. Andere Gruppen antworten in ihren Sprachen.

Angekommen in Kerpen-Buir dauert es wieder ein bisschen, die Klimaschützer machen sich für die Aktion bereit. Die weißen Maleranzüge, die zum Symbol der Bewegung geworden sind, werden angezogen. In einer nahegelegenen Kirche ist ein Info-Punkt untergebracht. Die Gemeinde steht hinter dem Protest. Die Abholzung des Hambacher Forstes, um den Tagebau zu vergrößern, geht vielen hier gegen den Strich.

Bis die Demonstrationszug dann wirklich losgehen konnte, verging noch einiges an Zeit. 70 Ordner mussten gefunden werden und diese sollten keine Strohsäcke und Plastikfolien bei sich tragen. Die Polizei und die Aachener Staatsanwaltschaft bewerten beides als passive Bewaffnung. Die Säcke sollen angeblich dazu dienen, Zäune zu überwinden, die Folien, um Gesichter vor Pfefferspray zu schützen. Lange blieb die Demonstration dann allerdings nicht auf ihrer angemeldeten Route. Tausende Aktivisten wichen von ihr ab und liefen über Feldwege und durch das leerstehende Dorf Manhein, das bald der Braunkohlegrube weichen muss.

Immer weiter näherten sie sich, nur von wenigen Polizisten begleitet der Abbruchkante des Tagebaus. Dort angekommen wies die Polizei auch nur darauf hin, dass es strafbar und gefährlich sei, den 30 Meter tiefen Abhang runter zu klettern. Die Aktivisten störte das wenig, »Systemchange not Climatechange« und »End Coal now« rufend kletterten sie in die Grube. Ein Zug von über 500 Menschen ging in den Tagebau. Dort sagte die Polizei immer wieder durch, dass es eine Straftat sei, das Gelände zu betreten, schaute aber lange zu, als die »Ende Gelände«-Aktivisten immer weiter in den Tagebau hinein liefen. Erst vor einem der riesigen Schaufelradbagger war Schluss. Dort hatte die Polizei eine massive Kette gebildet, die mit Fahrzeugen von RWE verstärkt wurde. Eine Besetzung des Baggers sollte verhindert werden. Am Nachmittag bereitete die Polizei eine Einkesselung der Demonstranten und die Aufnahme ihrer Personalien vor.

»Ende Gelände« hat es wieder geschafft: Die Förderbänder im Tagebau Hambach standen still und die Aktivisten setzten ein Zeichen für den Ausstieg aus der Kohle. Auffällig war, wie viele internationale Aktivisten aus Anlass der Montag beginnenden UN-Weltklimakonferenz in Bonn den Weg ins Rheinland gefunden hatten.

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