Sozial gerecht und überparteilich

Die LINKE will Potsdams Gleichstellungsbeauftragte in die Oberbürgermeisterwahl schicken

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 4 Min.
Martina Trauth-Koschnick
Martina Trauth-Koschnick

»Eine Leidenschaft von mir ist, dass mehr Frauen in die Politik kommen«, sagt Martina Trauth-Koschnick. Nun kümmert sich die parteilose Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Potsdam höchstpersönlich um dieses Anliegen. Sie hat sich bereit erklärt, bei der Oberbürgermeisterwahl im kommenden Jahr für die LINKE anzutreten. »Darüber freuen wir uns«, sagt der Kreisvorsitzende Stefan Wollenberg, der die Bewerberin am Montagmorgen im Restaurant »El Puerto« vorstellt. Linksfraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg lobt, die Gleichstellungsbeauftragte sei eine »zielorientierte Frau mit Courage und Durchsetzungsvermögen«. Er schüttelt ihre Hand, so blicken sie beide in die Kamera eines Pressefotografen.

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hat angekündigt, aus Altersgründen nicht wieder anzutreten. Er sei zwar jünger als Jakobs, aber nur vier Monate, bemerkt Scharfenberg schmunzelnd. Darum habe er sich schließlich entschieden, ebenfalls zu verzichten. Nach zwei Versuchen sei es nun genug. Er wäre sonst im Fall der Fälle mit 64 Jahren in eine achtjährige Amtszeit gestartet, rechnet der Linksfraktionschef vor.

Bei der Oberbürgermeisterwahl 2002 hatte Scharfenberg in der Stichwahl 21 301 Stimmen erhalten - nur 122 weniger als der Sieger Jakobs. 2010 trafen die beiden Kontrahenten wieder aufeinander. Dabei fiel der Vorsprung von Jakobs in der Stichwahl deutlicher aus. Ein respektables Ergebnis hätte Scharfenberg wahrscheinlich auch 2018 einfahren können. Die LINKE möchte nun aber etwas neues probieren. Von einem eventuell einkalkulierten Risiko, mit Trauth-Koschnick weniger Stimmen zu erzielen als mit Scharfenberg, mag der Kreisvorsitzende Wollenberg nichts hören. Im Gegenteil. »Wir spielen auf Sieg«, versichert er.

Martina Trauth-Koschnick kam 1964 in Landau in der Pfalz zur Welt. Sie studierte Sozialpädagogik und Gesundheitswissenschaften und fing 1998 in der Potsdamer Stadtverwaltung an. Ihr Bewerbungsgespräch hatte sie mit Jann Jakobs, der damals noch Sozialdezernent war. Seit 2010 ist Trauth-Koschnick Gleichstellungsbeauftragte. In diese Position gewählt ist sie aktuell noch für drei Jahre. Falls sie 2018 nicht Oberbürgermeisterin wird, so will sie Gleichstellungsbeauftragte bleiben. In Potsdam wohnt Trauth-Koschnick seit zwei Jahren. Vorher ist sie von Berlin zur Arbeit gependelt, nicht zuletzt der Tochter wegen, die dort zur Schule ging, aber inzwischen erwachsen ist.

»Ich bin froh, dass mich die LINKE gefunden hat und ich die LINKE gefunden habe«, bekennt die Bewerberin. Nicht nur bei den Inhalten sieht sie viele Gemeinsamkeiten. Soziale Gerechtigkeit ist eins der Stichworte. Aber auch der Politikstil dieser Partei ist ihr sympathisch. »Ich möchte mit den Menschen Politik machen. Ich möchte einen anderen Politikstil«, erzählt Trauth-Koschnick, die als überparteiliche Kandidatin Menschen und Ideen zusammenbringen will. Ihr Wahlprogramm soll gemeinsam mit den Bürgern entwickelt werden. »Potsdam hat großes Potenzial, und wir nutzen es noch zu wenig«, findet sie.

Den heftigen Streit um die historische Stadtmitte bedauert Trauth-Koschnick. Darum will sie im Moment noch nicht Position beziehen, wie sie zum Abriss der alten Fachhochschule oder zum Erhalt des Rechenzentrums als Kunst- und Kreativhaus steht. Sie wolle ihren Wahlkampf »nicht mit Polarisierungen beginnen«. Doch die gewünschten Antworten werden noch gegeben, verspricht sie und verrät einstweilen schon, dass die Künstler unbedingt einen Platz haben sollen.

Offiziell nominiert werden soll Trauth-Koschnick bei einer Gesamtmitgliederversammlung des Kreisverbandes am 13. Januar. Natürlich könnten sich bis dahin noch andere Bewerber melden, erläutert der Kreisvorsitzende Wollenberg. Bislang habe dies aber noch niemand getan.

Die LINKE versuchte ursprünglich, sich mit der SPD auf einen überparteilichen Personalvorschlag zu verständigen. Doch wie LINKE-Kreischef Stefan Wollenberg bedauert, schlug die SPD das Angebot aus. »Wir haben genug eigenes Personal und wollen mit eigenem Personal antreten«, sei die Ablehnung begründet worden, sagt Wollenberg. Drei Sozialdemokraten würden gern bei der Oberbürgermeisterwahl antreten, darunter der Finanzbeigeordnete Burkhard Exner und der Sozialbeigeordnete Mike Schubert.

So wurde also nichts aus dem ins Auge gefassten rot-roten Bündnis. Auch mit den Grünen versuchte die LINKE Tuchfühlung aufzunehmen, jedoch ebenfalls erfolglos. Der Plan einer überparteilichen Kandidatur ist damit aber noch nicht endgültig vom Tisch. Inhaltliche Überschneidungen gebe es mit der linksalternativen Stadtfraktion »Die Andere«, bestätigte Scharfenberg. Eventuell sei von dieser Seite noch Unterstützung für Trauth-Koschnick zu bekommen.

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