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Scheeres ermahnt Schulleiter

Bildungssenatorin: Pädagogen sollen nicht öffentlich über ihre maroden Schulen motzen

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 2 Min.

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) wünscht keine öffentlichen Alleingänge der Schulleitungen, wenn es um die Themen Sanierungsbedarf und Schulbauoffensive geht. In den aktuellen »Praxisinformationen für Berliner Schulleitungen«, einem regelmäßig von der Senatsbildungsverwaltung an die Schulen adressierten Newsletter, ruft die Bildungssenatorin die Schulleitungen in einem von ihr verfassten Beitrag zur Räson.

Unter der Überschrift »Eine Frage des Stils« tadelt Scheeres explizit die Schulleiter maroder Schulen dafür, gegenüber den Medien immer wieder als »Kronzeugen« aufzutreten und »ihre eigene Schule öffentlich zur Schrottimmobilie zu erklären«. Es sei ein Trugschluss, wenn man annehme, dass die »reine Benennung von Defiziten der Schule in der Öffentlichkeit Punkte« bringe, schreibt Scheeres weiter. Tatsächlich sei genau das Gegenteil der Fall. So sei es zum »Selbstschutz der Schule« angezeigt, Drehtermine und Presseanfragen an die Pressestelle der Senatsverwaltung zu melden und somit zu koordinieren. Ihr ginge es zudem um »die Haltung«.

Statt eigenmächtig mit Journalisten zu sprechen, sollten die Schulleiter »Eltern und Kollegium eine wie immer geartete motivierende Perspektive anbieten, die Ihre Schule interessant macht«. Das sei insbesondere in Zeiten der laufenden Schulbauoffensive »Teil der Führungsverantwortung«, findet Scheeres.

Das Schreiben der Bildungssenatorin kommt in einer Zeit, in der immer mehr Schulleiter und Lehrer die Öffentlichkeit suchen, um auf Missstände an ihren Arbeitsplätzen aufmerksam zu machen. Erst in der vergangen Woche hatte es die Schulleitung der Carlo-Schmid-Oberschule in Spandau öffentlich gemacht, dass eine Zwischendecke im Foyer der Schule eingebrochen und abgestürzt war.

Indirekt nimmt Scheeres in ihrem Beitrag zu dem Fall der Halensee-Grundschule in Wilmersdorf Stellung. Dort hatten Ende Oktober Lehrer öffentlichkeitswirksam erklärt, aus Protest keine Klassenfahrten und Elternsprechtage mehr zu veranstalten, solange für sie nicht auch die höhere Grundschullehrerbesoldung nach Tarifgruppe E13 gelte.

Tom Erdmann, Landesvorsitzender der Lehrergewerkschaft GEW, hält den Gang an die Öffentlichkeit für Schulen legitim. »Die Schulleiter wissen sich angesichts der teils dramatischen Situation an ihren Schulen nicht anders zu helfen. Der Senat hört ihnen ja nicht zu«, sagt Erdmann. Die rot-rot-grüne Schulbauoffensive mit einem Investitionsvolumen von 5,5 Milliarden Euro bis 2026 könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass jahrelang viel zu wenig in die Bildung investiert wurde.

Das Schreiben der Bildungssenatorin hält Erdmann für »unangemessen«. »Ich frage mich ehrlich, was das soll«, sagt der GEW-Landeschef.

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