Werbung

Jetsetter fliegen auf die Isle of Man

Wie sich Lewis Hamilton die Mehrwertsteuer sparte

  • Von Kurt Stenger
  • Lesedauer: 2 Min.

Grüne Wiesen, idyllische Buchten, gemütliche Hafenstädtchen - Reisenden ist die Isle of Man als Erholungsgebiet fernab des Londoner Trubels bekannt. Ansonsten ist die in der Irischen See liegende 85.000-Einwohner-Insel, die zwar im Besitz der britischen Krone ist, aber nicht zu Großbritannien gehört, berühmt für das gefährlichste Motorradrennen der Welt.

Viele Besucher lockt aber weder die pittoreske Landschaft noch die Möglichkeit unbegrenzten Rasens. Als wichtigste Branche gilt Offshore Residency: Internationale Konzerne wie Privatanleger haben hier unzählige Firmen ohne realen Geschäftsbetrieb gegründet. Sie freuen sich über eine Körperschaftsteuer von null Prozent und eine Gesetzgebung, die gezielt dubiose Finanzkonstruktionen ermöglicht. Anwälten und Anlageexperten hat dies viele Jobs beschert. Der seit der Finanzkrise internationale Gegenwind macht indes auch dieser Steueroase das Leben schwerer: 2009 hat man etwa mit Deutschland ein Abkommen für offeneren Informationsaustausch in Steuerangelegenheiten gemäß der OECD-Regeln abgeschlossen, sodass deutsche Reiche auf der Insel kaum noch gesichtet werden.

Wie andere Offshore-Finanzplätze setzt man nunmehr auf Spezialisierung. So beherbergt die Isle of Man mittlerweile das zweitgrößte Flugzeugregister Europas; in diesem Jahr erwartet man die 1000. Jetanmeldung. Dabei wird die besondere Lage der Insel genutzt, die außerhalb der EU liegt, aber dank der Zollunion mit Großbritannien Waren zollfrei in die EU exportieren kann.

Zu den Nutznießern gehört, wie aus den Paradise Papers hervorgeht, neben russischen Oligarchen auch der britische Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton, einer der reichsten Sportler der Welt. Als er sich 2013 eine schicke metallic-rote Bombardier Challenger 605 für 23 Millionen Euro anschaffte, lief das wie folgt: Käufer war Hamiltons Firma Stealth Aviation Limited auf den Britischen Jungferninseln in der Karibik, die den Jet an dessen (Briefkasten-)Firma Stealth (IOM) Ltd. auf der Isle of Man vermietete, die den Flieger in die EU importierte. Der Clou: Die beim EU-Import fällige Mehrwertsteuer in Höhe von 4,5 Millionen Euro wurde erstattet, weil es sich dank der Hilfe der Behörden auf der Isle of Man offiziell nicht um einen Privat-, sondern einen Geschäftsflieger handelt. Eine Briefkastenfirma wäre in der EU nicht ausreichend dafür. Heute ist Hamiltons Flugzeug in Österreich angemeldet und wird von Laudamotion, einer Firma von Mercedes-Aufsichtsratsboss Niki Lauda, technisch betreut. Verwalter der Briefkastenfirma auf der Isle of Man ist übrigens die Kanzlei Appleby, aus deren Dokumenten sich die neuen Enthüllungen speisen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln