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Die Schweden fressen zu viel

Norwegen will Obergrenze für Rentiere, die aus dem Nachbarland zum Grasen kommen

  • Von Bengt Arvidsson, Stockholm
  • Lesedauer: 3 Min.

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Schwedische Rentiere zieht es dorthin, wo das Gras grüner und saftiger ist. Das war bislang kein Problem. Schon lange bevor die germanischen Vorfahren der heutigen schwedischen und norwegischen Bevölkerungsmehrheit sich in Nordeuropa niederließen, lebte dort das Volk der Samen. Die Urbevölkerung betreibt bis heute Rentierzucht in den norwegischen und schwedischen Teilen Lapplands. Im Frühjahr treiben schwedische Samen ihre Rentiere gen Norden an Norwegens Küsten, weil es dort besseres Futter gibt. Im Winter treiben die Hirten ihre satten Tiere dann zurück nach Schweden.

Bei der Grenzziehung zwischen beiden Ländern 1751 wurde dafür der sogenannte Lappland-Kodex verabschiedet. Er sollte den Samen auch weiter die grenzüberschreitende Rentierzucht ermöglichen. Doch mit der Großzügigkeit könnte es nun vorbei sein. Alle 30 Jahre wird das Abkommen neu verhandelt. 2009 wurde wieder ein neuer Vertrag unterzeichnet.

Stockholm informierte Oslo jedoch in diesem Sommer, dass man ihn nicht ratifizieren werde. »Die schwedische Regierung müsste dann Ausgleichszahlungen leisten, das ist Stockholm aber zu teuer, deshalb weigern sie sich«, sagt Per-Olof Nutti dieser Zeitung. Er ist Vorsitzender des schwedischen Minderheitenparlamentes der Samen und selbst Rentierzüchter.

Norwegens rechtsnationalistischer Landwirtschaftsminister Jon Georg Dale von der einwanderungskritischen Fortschrittspartei (FRP) will das nicht akzeptieren. Nun droht er seinem Stockholmer Amtskollegen Sven-Erik Bucht mit einer Obergrenze für schwedische Rentiere, sollte der den Vertrag nicht verabschieden. Wie genau Dale das durchsetzen möchte, ob mit Grenzkontrollen oder der Rückführung oder Zwangsschlachtungen bereits eingereister Tiere, hat er nicht verraten. Doch die schwedischen Samen geben sich zuversichtlich. »Wir machen weiter wie schon seit Hunderten von Jahren. Das ist unser Recht. Die offene Grenze zu schließen, das ist auch rein praktisch völlig unmöglich für die Norweger«, sagt Nutti.

Tatsächlich tummeln sich in der warmen Jahreszeit einfach zu viele Rentiere in Nordnorwegen, weil die Herden der Samen beider Länder zu groß geworden sind.

Es geht vor allem um die Weidegebiete in den norwegischen Regionen Troms und Finnmark. Allein die norwegischen Rentiere futtern dort so viel, dass das Gras langsam knapp werde, heißt es aus Oslo und von den norwegischen Rentierzüchtern. Das ökologische Gleichgewicht sei aus der Balance, warnen auch unabhängige Experten. Schon mehrere norwegische Landwirtschaftsminister vor Dale haben versucht, die eigenen Rentierzüchter zur Verkleinerung ihrer Herden zu bringen.

Ein junger norwegischer Rentierzüchter und Same erhielt jüngst einen amtlichen Bescheid, in dem die Schlachtung von 41 seiner 116 Rentiere angeordnet wurde. Er klagte erfolgreich vor Gericht. Bislang kann Norwegen nur die Größe der eigenen Rentierpopulation beeinflussen, nicht aber die Anzahl jener Tiere, die über das alte Abkommen aus Schweden kommen und im Lande grasen. Die dürfen derzeit sogar dort grasen, wo es norwegischen Rentieren verboten ist, beklagen die heimischen Züchter.

Schwedens rot-grüne Regierung stellt sich aber stur. »Wir wollen den Vertrag nachverhandeln. So wie er jetzt ist, wäre er zu unvorteilhaft für Schweden«, sagt Annika Andersson Ribbing, Mitarbeiterin des sozialdemokratischen schwedischen Landwirtschaftsministers Sven-Erik Bucht, dieser Zeitung. Auch der schwedische Sameting, das Minderheitenparlament der Samen, sei mehrheitlich dagegen, betont sie. »So lange gilt weiterhin das alte Recht von 1751.«

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