Werbung

Überfällig

Florian Haenes über das Urteil des Bundesverfassungsgerichts für eine dritte Geschlechtskategorie

  • Von Florian Haenes
  • Lesedauer: 2 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Das Bundesverfassungsgericht verpflichtet den Staat, eine dritte Geschlechtskategorie zu schaffen. Es ist eine überfällige Entscheidung. Nicht länger durfte der Staat so tun, als gäbe es intersexuelle Bürger gar nicht.

Das Urteil schafft endlich Augenhöhe. Es ist beschämend, dass eine nicht zu leugnende Tatsache bislang übergangen worden ist. Geschlechtsmerkmale lassen sich nicht immer eindeutig Mann oder Frau zuordnen. Es ist begrüßenswert, dass Intersexuelle seit kurzem in der Gesellschaft gehört und jetzt auch rechtlich gleichgestellt werden. Allerdings weckt es Unbehagen, dass das Urteil erst jetzt kommt. Wie lange hat man weggesehen, wie lang nicht wahrhaben wollen, was nicht ins Raster passt. Die Gesellschaft war über Jahrzehnte hinweg dermaßen verkrustet, dass Intersexuelle sich nicht das geringste Gehör verschaffen konnten.

Bei genauer Betrachtung müssten diesem Urteil selbst diejenigen zustimmen können, die sich über den angeblichen »Genderwahn« beklagen. Karlsruhe hat lediglich festgestellt, dass das Personenstandsrecht - bislang enthält es keine Kategorie für Intersexuelle - das Persönlichkeitsrecht der Betroffenen verletzt. Es geht hier wirklich nicht um Genderklos oder die Abschaffung der Geschlechter. Es geht schlicht darum, dass der Staat Menschen nicht in eine Identität hineinzwingen darf, die ihnen völlig fremd bleibt. Karlsruhe sagt: Der Staat ist darauf verpflichtet anzuerkennen, dass es sexuelle Identitäten jenseits von zwei Geschlechtern gibt.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen