Werbung

Jährlich 220 000 Notfallpatienten in den Kliniken

Mecklenburg-Vorpommern: Krankenhausgesellschaft fordert bessere Steuerung der Patientenströme

Schwerin. Die Krankenhäuser klagen auch in Mecklenburg-Vorpommern über vielfach überfüllte Notaufnahmen, sehen aber Möglichkeiten zur besseren Steuerung der Patientenströme. »Die eigentliche Aufgabe der Kliniken ist die stationäre medizinische Betreuung. Weil Krankenhäuser aber meist gut erreichbar und rund um die Uhr geöffnet sind, suchen Bürger immer häufiger den Weg direkt zu uns«, erklärte der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft, Wolfgang Gagzow, bei einer Verbandstagung in Schwerin in dieser Woche. Jährlich würden etwa 220 000 Notfallpatienten in den Kliniken des Landes aufgenommen. Bei etwa der Hälfte liege aber keine akute Erkrankung vor.

Gagzow erneuerte die Forderung an die Politik, die bisherigen Regelungen zu ändern und den Weg für neue Betreuungs- und Finanzierungsmodelle zu ebnen. Bislang erhielten die Kliniken für jeden Notfallpatienten pauschal 15 Euro. Diese Summe hätten Kassenärzte und Krankenkassen unter Ausschluss der Kliniken vereinbart. »Es gibt seriöse Erhebungen, dass die wirklichen Kosten bei mehr als 100 Euro je Fall liegen«, sagte Gagzow. Er sprach sich dagegen aus, von Patienten bei nicht vorliegenden Notfällen Zusatzbeiträge für den Klinikbesuch zu erheben. Damit lasse sich das Patientenverhalten kaum beeinflussen, und zudem könne die Schwere der eigenen Krankheit kaum jemand real einschätzen.

Gute Erfahrungen gebe es im Land schon mit Modellen, bei denen Kassenärzte Bereitschaftsdienste an den Krankenhäusern übernehmen. Dort sorgten sie nach einer Erstuntersuchung dafür, dass nur wirkliche Notfälle zu den Notfallmedizinern gelangen. Das komme auch den Patienten entgegen und entlaste die Kliniken. Doch zeige sich, dass niedergelassene Mediziner bislang nur schwer für solche Dienste zu motivieren sind.

Laut Krankenhausplan verfügen die Kliniken im Nordosten aktuell über knapp 10 000 Betten und rund 1300 tagesklinische Plätze. Rund 3000 Ärzte sind dort tätig. In der ambulanten Versorgung gibt es nach Angaben des Gesundheitsministeriums landesweit rund 1100 Hausärzte und knapp 2000 Fachärzte. dpa/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!