Polizei panzert sich gegen Terror

Innenminister übergab neues geschütztes Einsatzfahrzeug an Brandenburgs Spezialkräfte

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.

Mit einem tiefen Grollen schiebt sich ein respekteinflößendes Fahrzeug aus dem Schutz der Laubbäume ins Blickfeld der Gäste auf dem Gelände des Polizeipräsidiums in Potsdam-Eiche. Groß und kantig, ein Räumschild vor dem Bug, die schmalen Fenster durch Gitter geschützt und an den Seiten mit Luken für die Schusswaffen der Besatzung versehen. Es ist ein »sondergeschütztes Gruppenfahrzeug« vom Typ HMV Survivor (Überlebender) und der ganze Stolz der Spezialeinheiten der Brandenburger Polizei.

Am Freitag hat Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) das 1,4 Millionen Euro teure Fahrzeug an das Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei des Landes in Potsdam übergeben. Er lobt das hohe Schutzniveau, das dieses Fahrzeug seiner Besatzung in Gefahrensituationen bietet. Seine Anschaffung sei Ausdruck der neuen Sicherheitslage und zugleich der Fürsorgepflicht des Landes gegenüber den Frauen und Männern der Spezialeinsatzkräfte. Schröter erklärte: »Die Terroranschläge der vergangenen Jahre in Deutschland und Europa haben es nötig gemacht, die Ausstattung und Ausbildung der Polizei des Landes Brandenburg grundlegend zu überprüfen und anzupassen.«

Der Survivor sei dabei ein Meilenstein, so Schröter. Um auch im Falle eines terroristischen Anschlages die Sicherheit der Brandenburger garantieren zu können, müsse man den Polizisten die bestmögliche Ausrüstung zur Verfügung stellen, die für die Bewältigung solcher Einsatzlagen notwendig sei. »Sie trägt auch dazu bei, die Voraussetzungen zu schaffen, dass Polizisten aus solch gefahrvollen Einsätzen gesund zurückkehren«, so der Minister. »Mir wäre es natürlich am liebsten, wenn der Survivor sein Leben gut geschützt in einer Garage fristen würde.« Aber man werde dafür sorgen, dass die Spezialeinsatzkräfte »nicht im Regen stehen« gelassen werden, »wenn es ums Ganze« geht.

Polizeivizepräsident Roger Höpp᠆ner erinnerte daran, dass 2017 in Europa rund 30 Anschläge auf das Konto islamistischer Terroristen gegangen seien. In der Islamistenszene auch in Berlin habe man zahlreiche Waffen gefunden. Man habe auf die Entwicklung reagiert, sagt er. »Angefangen bei der Überarbeitung und Erarbeitung von entsprechenden Handlungskonzepten über Ausstattungsfragen bis hin zur notwendigen Qualifizierung unserer Polizistinnen und Polizisten.«

Ralf Barthel, Leiter der Abteilung Spezialeinheiten im Polizeipräsidium, hält große Stücke auf den für das 60 Mann starke SEK gedachten Zwölftonner. »Er wurde speziell für seinen Einsatzzweck entwickelt«, sagte er. 2018 soll seine Ausrüstung noch komplettiert werden - unter anderem mit einer Waffenlafette, einer Nebelwurfanlage und einer speziellen Leiter, die etwa in Schönefeld beim Einsatz gegen Flugzeugentführer gebraucht würde. Nicht zuletzt bietet das Fahrzeug mehr Platz bei jeder Art von Rettungs- und Evakuierungseinsätzen.

Bisher setzt die Bundespolizei in Brandenburg noch zwei altgediente Panzerwagen vom Typ SW-4 ein, die nur drei Beamte aufnehmen können. In den Survivor passen neben dem Fahrer acht Personen. Eingesetzt etwa gegen bewaffnete Extremisten - Terroristen, Amokläufer oder auch Reichsbürger -, Geiselnehmer oder Bankräuber, bietet er Schutz gegen Schützenwaffen wie die Kalaschnikow, Sprengstoff, Wurfgeschosse oder Molotowcocktails und Gas.

Ein 300-PS-Dieselmotor, Automatikgetriebe und permanenter Allradantrieb sorgen dafür, dass das von der Franz Achleitner GmbH in Österreich hergestellte High Mobility Vehicle (HMV) auf Straßen selbst mit Tempo 110 sicher bewegt werden kann und auch im Gelände gut zurechtkommt.

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