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Geduld gelernt, Gefühl verloren

Fritz Dopfer hatte lange mit Verletzungen zu kämpfen. In Levi ist der Skirennfahrer froh, überhaupt wieder starten zu können

  • Von Manuel Schwarz, Levi
  • Lesedauer: 3 Min.

Nach der Absage des alpinen Auftaktrennens musste sich Felix Neureuther zwei unerwartete Extrawochen gedulden - verglichen mit der Wartezeit von Teamkollege Fritz Dopfer aber war das ein Klacks. Wenn Neureuther im Slalom von Levi am Sonntag gleich im ersten Weltcup des Winters einen Podestplatz anvisiert, ist für den leidgeprüften Dopfer schon der Start ein Erfolg. Ein Jahr nach seinem Schien- und Wadenbeinbruch will der 30 Jahre alte alpine Skifahrer in Finnland einen symbolischen Schlussstrich unter die dunkelste Episode seiner Karriere ziehen. »So viele Schmerzen habe ich noch nie gehabt in meinem Leben«, erinnerte sich Dopfer an die Rehabilitation.

Doch damit ist es jetzt vorbei, der Athlet vom SC Garmisch fühlt sich »sowohl körperlich als auch mental bereit für den Einstieg«, wie er in dieser Woche bekanntgab. Ein schneller Angriff auf die Stars rund um Norwegens Henrik Kristoffersen, Teamkollege Neureuther sowie den österreichischen Gesamtweltcupsieger Marcel Hirscher bei dessen überraschendem Comeback ist nicht zu erwarten. Aber das steht für den Deutschen Skiverband zu Beginn der Olympiasaison auch noch nicht im Fokus. Bundestrainer Mathias Berthold erhofft sich von Dopfer, »dass er wieder Rennpraxis sammelt und in seinen Rhythmus findet«.

So sieht das auch Dopfer selbst. »Zwar fehlt es mir noch an Konstanz, gute Läufe in Serie zu liefern, aber aktuell ist es für mich einfach nur wichtig, wieder Rennen fahren zu können«, sagte er. Den Weltcuprhythmus, Gefühl für den Schnee, viel Selbstvertrauen: All das braucht der gebürtige Innsbrucker, der immer viel grübelt, jedes Detail doppelt und dreifach analysiert und oft Gefahr läuft, sich zu viele Gedanken zu machen. Das vergangene Jahr fernab der Pisten war daher gerade für jemanden wie Dopfer extrem hart. Die Folgen der Operation am linken Bein haben ihn einen WM-Winter, etliche Trainingstage und vor allem sehr viele Nerven gekostet.

Noch vor eineinhalb Monaten traute er sich keine Prognose für ein Comeback zu, weil der Fuß im Skischuh zu sehr schmerzte. Vorfreude auf die Olympiasaison war kaum zu spüren. Das soll nun anders sein. Mit einem Start in Levi habe er schon seit längerem geliebäugelt, berichtete er. »Dass es damit jetzt tatsächlich klappt, freut mich umso mehr.« Just in Finnland bestritt er im November 2016 sein bis dato letztes Weltcuprennen. Jetzt ging es zurück in den hohen Norden - noch über die Polarkreisgrenze hinweg.

Vielleicht kann so eine Zwangspause auch hilfreich sein. »Die letzten zehn Monate habe ich gelernt, geduldiger zu sein«, erzählte Dopfer, der nach wie vor auf seinen ersten Sieg im Weltcup wartet. Nach einer starken Saison 2014/15 und WM-Silber in Beaver Creek manövrierte sich der Technikspezialist in eine kleine Ergebniskrise und verpasste Podium um Podium. Etlichen bärenstarken ersten Läufen folgten verpatzte Finaldurchgänge und dann wieder viele Zweifel.

Zeit zum Grübeln haben die Skirennfahrer in Levi nicht, das wissen Dopfer, die anderen sieben deutschen Starter bei den Männern sowie die vier deutschen Frauen, die bereits an diesem Sonnabend starten. »Der Hang ist zwar relativ einfach, aber man muss extrem attackieren, um schnell zu sein. Dabei muss man sich am absoluten Limit bewegen«, berichtete Routinier Neureuther, dessen geplanter Start in den Olympiawinter beim Riesenslalom in Sölden im Oktober vom Sturm verweht worden war. dpa/nd

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