Unvergessliche Momente und traurige Bilder

Marokkos Fußballer schaffen es nach 20 Jahren wieder zur Weltmeisterschaft. In Brüssel schlägt die Freude über diesen Sieg in Gewalt um

Jubel in Marokko, tiefe Enttäuschung bei Marc Wilmots mit der Elfenbeinküste und Krawalle in Belgien: Marokkos Rückkehr auf die Weltmeisterschaftsbühne nach 20 Jahren hat zum Teil heftige Reaktionen ausgelöst. Während Trainer Hervé Renard und seine Spieler das WM-Comeback durch den 2:0-Auswärtssieg in Abidjan beim Afrikameister von 2015 Elfenbeinküste ausgelassen feierten, kam es im über 7500 Kilometer entfernten Brüssel zu heftigen Ausschreitungen, bei denen in der Nacht zu Sonntag 22 Polizisten verletzt wurden.

Randalierer setzten kurz nach dem Abpfiff im Zentrum der belgischen Hauptstadt Autos in Brand und schlugen Schaufenster ein. Geschäfte wurden geplündert. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, um die Menge zu zerstreuen. »Inakzeptable Aggressionen im Zentrum von Brüssel«, twitterte der belgische Innenminister Jan Jambon am Sonntag. »Das Zusammenleben setzt Respekt voraus, auch für die Polizisten, die sich Tag und Nacht für unsere Sicherheit einsetzen.« Festgenommen wurde laut Polizeiangaben zunächst niemand. An den Krawallen waren rund 300 Menschen beteiligt. Ein Passant wurde mit Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Die Polizei leitete Ermittlungen ein und wollte Bilder von Überwachungskameras auswerten. Die Höhe der Schäden war unklar. In Brüssel leben viele Einwanderer aus Marokko.

Sportlich hatte Marokko durch die Tore von Nabil Dirar (25. Minute) und des ehemaligen Bayern-Verteidigers Mehdi Benatia (30.) am Sonnabend im Gruppenfinale bei der Elfenbeinküste zum fünften Mal nach 1970, 1986, 1994 und 1998 das WM-Ticket gelöst. »Es war an der Zeit, diese Geschichte fortzuschreiben. Die Spieler haben das hervorragend gemacht. Das WM-Comeback wird außergewöhnlich, das ist ein unvergesslicher Moment«, sagte der französische Trainer Renard.

Ganz anders war die Stimmungslage beim Ex-Bundesligaprofi und ehemaligen belgischen Nationaltrainer Marc Wilmots: Den Belgier könnte das Scheitern mit der Elfenbeinküste, die damit die vierte WM-Teilnahme in Serie verpasste, den Job kosten. »Das ganze Land ist enttäuscht. Es war der Traum, die vierte WM nacheinander zu spielen«, sagte Wilmots. Ob er den eingeleiteten Generationswechsel als Coach weiter begleiten darf, ist offen. »Ich habe in den letzten sechs Monaten viel Zeit damit verbracht, ein Team auszubauen«, sagte Wilmots. »Ich werde sehen, was die Zukunft bringt.«

Gejubelt wurde in Tunesien. Der Mannschaft von Trainer Nabil Maaloul reichte ein 0:0 gegen Libyen, um sich nach 1978, 1998, 2002 und 2006 zum fünften Mal für eine Weltmeisterschaftsendrunde zu qualifizieren. Bereits am Freitag hatte Senegal das WM-Ticket gelöst. Das erfreute auch Staatspräsident Macky Sall. »Sie haben mit Mut und Entschlossenheit die Nationalflagge gehisst«, würdigte er die Spieler von Nationaltrainer Aliou Cissé, der 2002 bei der ersten WM-Teilnahme des Landes als Spieler dabei war. »Das ist ein großer Moment«, sagte Cissé.

Spannend bleibt das Playoff-Rennen um die WM-Tickets zwischen Honduras und Australien, Neuseeland und Peru sowie Dänemark und Irland. Alle drei Hinspiele endeten torlos. dpa/nd

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