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Ministerpräsident Rajoy in Barcelona

Rajoy besucht Katalonien / 750 000 bei Protesten

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Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy hat erstmals seit der Kontrollübernahme in Katalonien die Regionalhauptstadt Barcelona besucht. Dort hatten am Samstagabend Hunderttausende Anhänger der Unabhängigkeitsbewegung bei einer Großdemonstration Solidarität mit der abgesetzten Regionalregierung bekundet. Dabei forderten sie den Abzug der »Besatzungsmacht« aus Madrid und die Freilassung von acht abgesetzten Ministern, die nach dem Unabhängigkeitsbeschluss des Regionalparlaments von der Justiz vorgeladen und Anfang November in Untersuchungshaft genommen worden waren. Die Teilnehmer trugen Schilder mit der Aufschrift »Freiheit für die politischen Gefangenen« oder »SOS Demokratie«. Nach Polizeiangaben gingen etwa 750 000 Menschen auf die Straße. Auch in Brüssel demonstrierten rund 500 Menschen für die Unabhängigkeit Kataloniens. Frühere Minister der von Madrid abgesetzten katalonischen Regionalregierung warfen dabei der spanischen Regierung undemokratisches Verhalten vor und riefen die Europäische Union auf, die Demokratie in Spanien zu verteidigen.

Nach einem Referendum über die Abspaltung der Region von Spanien am 1. Oktober war die Lage in Katalonien immer weiter eskaliert. Die Madrider Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte schließlich den Artikel 155 der spanischen Verfassung angewandt und die Regionalregierung entmachtet. Seither hat sie die Kontrolle in Katalonien.

Auf Anordnung Madrids finden in Katalonien am 21. Dezember Neuwahlen statt. Rajoy nahm in Barcelona an einer Veranstaltung seiner konservativen Volkspartei (PP) teil, bei der die Kandidaten für die Abstimmung vorgestellt wurden. »Katalonien ist Spanien und Spanien ist Katalonien«, erklärte Rajoy unter dem Applaus seiner Parteikollegen. In seiner Rede forderte er die so genannte »schweigende Mehrheit« auf, bei der Wahl ihre Stimme abzugeben - und dabei ihrer Ablehnung einer Abspaltung der Region von Spanien Ausdruck zu verleihen, damit dort wieder Normalität einkehren könne. Laut einer von der Zeitung »El País« in Auftrag gegebenen Umfrage des Instituts Metroscopia begrüßt ein Großteil der Bevölkerung die Neuwahlen: 76 Prozent der Spanier und 69 Prozent der Katalanen befürworten demnach die vorgezogene Abstimmung. 54 Prozent der Spanier erklärten zudem, sie seien zufrieden mit Rajoys Krisenmanagement.

Der ehemalige Chef der katalanischen Regierung, Carles Puigdemont, schickte eine Videobotschaft an die Demonstranten. Er hatte sich noch vor der Anklageerhebung zusammen mit vier weiteren Politikern nach Brüssel abgesetzt. Jedoch droht ihnen die Auslieferung. Puigdemont erklärte: »Sicherlich werden wir auch in Brüssel oder im Gefängnis Ihren Schrei hören. Vielen Dank.« Auch Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau, die gegen eine Abspaltung der Region ist, nahm an dem Protest teil. »Wir fordern die Freilassung der Inhaftierten, aber auch, dass die verantwortungslose Regionalregierung, die das Land ins Desaster geführt hat, dazu steht«, sagte sie. dpa/nd

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