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Ärger um die Bibelstunde des Stadtchefs

NRW: Wurde Düsseldorfs OB von der CDU bespitzelt?

  • Von Antonia Hofmann und Frank Christiansen, Düsseldorf
  • Lesedauer: 2 Min.

In der NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf schlagen die Wellen hoch: Wird Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) von der CDU-Opposition bespitzelt? Es geht um eine Bibelstunde in der Friedenskirche, bei der das Stadtoberhaupt aus der Heiligen Schrift lesen wollte. Nach dem Termin bekam die evangelische Kirche eine Mail eines CDU-Fraktionsmitarbeiters.

Der wollte wissen, ob das Stadtoberhaupt wie angekündigt in der Kirche gewesen sei und die Bibelstellen vorgelesen habe. Bei der Kirche war man ob der Nachforschungen anscheinend irritiert und informierte das Rathaus über den Wissensdurst der Christdemokraten. So bekam der Oberbürgermeister Wind von der Sache und zitierte den Mitarbeiter zum Gespräch in sein Büro.

Geisel habe das Vorgehen als »befremdlich« empfunden, sagt sein Bürochef Jochen Wirtz im Nachgang. Die CDU-Fraktion räumt die schriftliche Nachfrage ein, will aber die Aufregung darum nicht verstehen.

Der Mitarbeiter habe doch nur wissen wollen, ob Geisel wie angekündigt aus der Bibel gelesen habe, erklärte CDU-Fraktionschef Rüdiger Gutt auf dpa-Anfrage. Er habe sich gewundert, weil er zwar eine Zeitungsankündigung, aber im Nachgang keinen Bericht darüber gefunden habe.

Gutt spielt den Ball zurück und sieht eher die Reaktion Geisels als »ärgerlich«: Er finde es seinerseits befremdlich, dass Geisel versuche, Einfluss »auf unsere Fraktionsarbeit durch die Befragung eines unserer Angestellten« zu nehmen. Den habe er dann auch zum Gespräch begleitet, das im Übrigen kurz gewesen sei. Er sehe nichts Verwerfliches am Vorgehen des Mitarbeiters. Geisel versuche nun offensichtlich, dies zu skandalisieren und die Fraktionsarbeit der CDU zu behindern. Warum die Bibelstunde für die Fraktionsarbeit der CDU wichtig ist, ließ er aber offen.

Geisel hatte 2014 mit fast 60 Prozent der Stimmen seinen Vorgänger Dirk Elbers von der CDU in einer Stichwahl aus dem Chefsessel verdrängt. Der Vorgang zeigt, wie angespannt die Nerven im Rathaus auf beiden Seiten derzeit sind. Die Opposition hatte Geisel mehrfach wegen der Mehrkosten für die Tour de France vorgeführt und ihn im Stadtrat vier Mal mit deren Genehmigung durchfallen lassen. Geisel hat im Stadtrat keine stabile Mehrheit hinter sich. dpa/nd

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