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Das Projekt »Gut fürs Geld, gut fürs Klima«

Nachhaltige Altersvorsorge

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.

Die Krise erkennt man erst auf den zweiten Blick. Deutschlands Lebensversicherer von Allianz über ERGO bis Zurich haben im vergangenen Jahr einen Neuzugang von 5,088 Millionen Policen erzielt - auf den ersten Blick eine gute Bilanz. Doch sind dies 30 000 Verträge weniger als noch im Vorjahr. Dies ist dem Map-Report 895 »Bilanzanalyse deutscher Lebensversicherer« zu entnehmen.

Auf Elfjahressicht fiel die Branche 2016 auf den absoluten Tiefststand. Über der 6-Millionen-Marke lag der Neuzugang zuletzt im Jahr 2011. Vor zehn Jahren war das Neugeschäft mit knapp 8 Millionen noch um mehr als die Hälfte größer. In gut einem Jahrzehnt konnte die Branche überhaupt nur zwei Mal noch einen Zuwachs erzielen.

Während die Großen schwächeln, spüren die Kleinen Rückenwind. Ulrike Brendel, Leiterin des Projekts »Gut fürs Geld, gut fürs Klima« bei der Verbraucherzentrale Bremen: »Wir möchten Anlegerinnen und Anlegern aufzeigen, dass sie selbst mit ihrem Geld etwas bewegen können.« So bringe das Ersparte nicht nur Rendite, sondern unterstützt gleichzeitig den Klimaschutz oder die Einhaltung von Menschenrechten. »Es gibt nunmehr in vielen Bereichen ethisch-ökologische Alternativen.«

Auch in der Altersvorsorge: So hat die Verbraucherzentrale zusammen mit der Stiftung Warentest in Berlin vor Kurzem eine Untersuchung zur Nachhaltigkeit bei Riester-Produkten veröffentlicht. Solche Öko-Riester-Verträge werden sogar von einigen herkömmlichen Versicherern angeboten.

Zu empfehlende Möglichkeiten

Die Auswahl insgesamt bleibt allerdings übersichtlich. Und Kunden müssen bei den Kriterien genau hinschauen! Immerhin, die Mehrzahl der untersuchten »grünen« Anbieter schließt Investitionen in Hersteller von international geächteten Waffen aus. Oft sind zudem Kinderarbeit und Nahrungsmittelspekulation tabu. Aber nur wenige Anbieter begrenzen Investitionen in die klimaschädliche Kohle.

Ich empfehle unseren nachhaltig orientierten Lesern, sich zunächst für eine Altersvorsorgevariante zu entscheiden, die in punkto Risiko, Rendite und Flexibilität zu den persönlichen Bedürfnissen passt. Dann kann man im jeweiligen Produktsegment nach einer Alternative mit Nachhaltigkeitsstandard sehen.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann in eine klassische Lebens- oder Rentenversicherung sparen. Versprochen wird eine mäßige, aber garantierte Verzinsung. Wer mehr Rendite möchte, kann auf eine Fondspolice setzen. Auch hier gibt es eine Garantie. Aber das angesparte Geld wird riskanter angelegt - so besteht die Chance auf eine höhere Verzinsung.

Die dritte Möglichkeit bieten sogenannte »neue Rentenversicherungsprodukte«: Sie versprechen im Gegensatz zu klassischen Produkten keinen Garantiezins. Überschüsse fließen entweder in Fonds oder in Indexbeteiligungen, bei denen die Renditechancen der Versicherten abhängig von deren Entwicklung sind. Es bleibt daher gänzlich ungewiss, wie hoch die Rente später ausfallen wird. Die Chance auf eine höhere Rendite ist allerdings größer als bei den Klassikern.

Bei klassischen wie den neuen Rentenversicherungen fließen die Kundenbeiträge in die Kapitalanlage der Versicherer. Entscheidend sind also, welche ethisch-ökologischen Ausschlusskriterien für diese Kapitalanlage von dem Anbieter definiert wurden.

Wahl des Anbieters

Nun könnten Sie zu einem konventionellen Anbieter gehen. Die Verbraucherschützer nennen beispielsweise Condor, Stuttgarter und Volkswohlbund, Allianz, Axa, Deka und Concordia. Im vom Bundesumweltministerium geförderten Internetportal www.geld-bewegt.de finden sie einen Download mit weiteren Einzelheiten auf der Seite »Altersvorsorge mit Nachhaltigkeitsstandards«.

Sie halten das für »Greenwashing« der Konzerne? Dann können Sie stattdessen zu einem alternativen Finanzdienstleister gehen, um sich von Nachhaltigkeitsspezialisten beraten zu lassen. Als Pionier gilt Alfred Platow, dem gut siebzigjährigen Vorstandsvorsitzenden von Ökoworld. Der ehemalige Hausbesetzer, »taz«-Unterstützer und Ökobank-Gründer ist seit Jahrzehnten im Geschäft mit nachhaltigen Geldanlagen aktiv. Zusammen mit Klaus Odenthal hatte Platow 1975 das kleine Versicherungskollektiv »Alfred & Klaus« gegründet.

Mal auf die »Kleinen« schauen

Auch kleine, regional tätige Finanzdienstleister verkaufen nachhaltige Rentenversicherungen und Fonds-Policen. Allerdings sind diese Produkte dann nicht aus eigener »Herstellung«.

Vor allem Banken aus der Grün-Geld-Szene verkaufen Altersvorsorgeprodukte. So die ostdeutsche Ethikbank, eine bundesweit aktive Direktbank der Volksbank Eisenberg, oder die Umweltbank aus Nürnberg oder die GLS Gemeinschaftsbank. Die GLS ist wie Platow ein Pionier der alternativen Geldanlage.

Auch kirchennahe Banken bieten nachhaltige Altersvorsorgeprodukte feil. Ein genauer Blick auf die Kriterien, mit denen dann ihr Geld investiert werden soll, empfiehlt sich aber selbst bei diesen an sich soliden Anbietern.

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