Den Grünen sitzt die Tierschutzpartei im Nacken

Bei Parteiveranstaltungen soll künftig ausschließlich vegetarisches Essen angeboten werden, fordert die Jugend

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 2 Min.

Die Tierschutzpartei erhielt bei der Bundestagswahl im September in Brandenburg 1,8 Prozent. Die Grünen sind deswegen nun hellwach. Sie sehen das Abschneiden der konkurrierenden Kleinstpartei als »Alarmsignal«, dass sie ihr eigentlich starkes Profil in diesem Bereich und in diesem Milieu stärker zur Geltung bringen müssen. So heißt es im Leitantrag für den Landesparteitag am kommenden Sonnabend in der Stadthalle Falkensee. Dort soll der nächste Landesvorstand gewählt werden. Die Landeschefs Petra Budke und Clemens Rostock bewerben sich erneut um die Doppelspitze. Andere Interessenten dafür haben sich noch nicht gemeldet.

Zwar konnten sich die brandenburgischen Grünen bei der Bundestagswahl gegen den ostdeutschen Trend leicht von 4,7 auf 5,0 Prozent verbessern. Doch sie verfehlten ihr Wahlziel sechs Prozent plus X und konnten wieder nicht das ersehnte zweite Bundestagsmandat erkämpfen. Annalena Baerbock bleibt die einzige Brandenburgerin in der Bundestagsfraktion der Grünen.

Deswegen schielen die Grünen zur Tierschutzpartei. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang ein Antrag der Grünen Jugend, wonach auf allen Parteiveranstaltungen künftig ausschließlich vegetarisches Essen angeboten werden sollte - weil in Deutschland der Fleischkonsum mit 60 Kilogramm pro Kopf und Jahr zu hoch sei und überall im Land riesige industrielle Tierhaltungsbetriebe mit schlichtweg katastrophalen Lebensbedingungen für das Vieh stehen, wie es zur Begründung des Antrags heißt. »Lasst uns ab sofort auf Parteiveranstaltungen vegetarisch essen, zum einen als Vorbild, doch noch viel mehr aus eigener Überzeugung«, fordert die Grüne Jugend. In der Vergangenheit sei bei Parteiveranstaltungen in nicht unerheblichen Mengen Fleisch und dies teilweise noch aus konventioneller Haltung angeboten worden.

Wenn der Antrag eine Mehrheit finden sollte, so würde dies die Auswahl an Veranstaltungsorten einschränken. Denn oft sei die Saalmiete an die Pausenversorgung gekoppelt, bestätigten die Grünen-Landeschefs Petra Budke und Clemens Rostock. Es gebe einen Änderungsantrag, der teils über den Wunsch der Jugendorganisation hinausgehe, teils aber auch als Kompromiss zu werten ist. So soll es eine Auswahl zwischen einem Essen mit Biofleisch und einem veganen Essen geben. Vegan bedeutet im Gegensatz zu vegetarisch, dass nicht nur auf Fleisch, sondern darüber hinaus auch auf Eier und Milchprodukte verzichtet wird. Am Sonnabend soll in der Stadthalle Falkensee tatsächlich bereits ein veganes Mittagsmahl angeboten werden.

Nach der Wahl ist auch bei den Grünen vor der Wahl. Sie nehmen jetzt die Landtagswahl 2019 in den Blick und wollen darüber abstimmen, ob sie eine Liste mit 20 Namen im Herbst 2018 aufstellen oder erst im Frühjahr 2019. Einstweilen verraten die Grünen, dass es nach ihrem Willen weiterhin Stasi-Überprüfungen geben sollte.

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