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Roter Teppich, kein Ergebnis

Venezuela in Zahlungsverzug / Erste Umschuldungsverhandlungen bleiben erfolglos

Nicht zahlungsfähig oder nicht zahlungswillig. So klar es ist, dass Venezuela derzeit nicht in Petrodollars schwimmt, so unklar ist, warum Caracas die Gnadenfrist zur Rückzahlung mehrerer Gläubigerforderungen in Millionenhöhe am Montag hat verstreichen lassen. Denn die von der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) bezifferten nicht gezahlten Obligationen in Höhe von 420 Millionen Dollar (360 Millionen Euro) machen den Kohl nicht wirklich fett. 71,7 Milliarden Dollar betrugen die Zins- und Tilgungszahlungen allein in den vergangenen vier Jahren, und auch wenn die Devisenvorräte der Zentralbank inzwischen auf unter zehn Milliarden Dollar bedrohlich geschrumpft sind, wäre die Liquidität für diese Rückzahlung wohl noch vorhanden gewesen. Doch Venezuelas Regierung hat sich einer Umstrukturierung der Schulden verschrieben, um wieder Luft zum Atmen zu bekommen. Auf viel Gegenliebe stößt dieses Ansinnen bei den Gläubigern allerdings erwartungsgemäß nicht. Etwa 70 Prozent der Anteilseigner venezolanischer Anleihen stammen Caracas zufolge aus den USA oder Kanada. Auch China und Russland halten größere Anteile, auf Ansprüche freiwillig verzichten Gläubiger umstandslos nie.

Am Montag hatte Venezuelas Regierung Gläubiger zu einem Treffen geladen, um die Auslandsschulden Venezuelas und die Schulden der staatlichen Erdölfirma PDVSA, des Goldesels des Landes, neu zu verhandeln. PDVSA bat nicht um Schuldenerlass, sondern wollte sich gütlich mit den anwesenden Gläubigern über Modalitäten einigen, die einerseits die Ansprüche der Gläubiger in vollem Umfang abgelten sollten, aber eben gestreckt über einen länger gefassten Zeitraum als geplant. »Es gab kein Angebot, keine Konditionen, keine Strategie, nichts«, sagte einer der etwa 100 Geldgeber. Aber es gab bunte Geschenktüten mit Schokolade und Kaffee aus Venezuela. Die etwa 100 Investoren des Schuldengipfels, bei dem über die Umschuldung im Volumen von 60 Milliarden Dollar verhandelt werden sollte, wurden über einen roten Teppich zum Verhandlungsort geführt.

Zahlreiche Investoren hatten ihre Teilnahme bereits im Vorfeld abgesagt, weil ihnen nach eigenen Angaben nicht klar war, was Präsident Nicolás Maduro mit dem Treffen erreichen will. Maduro hatte angesichts der katastrophalen Wirtschaftslage angekündigt, Schulden seines Landes nicht wie vereinbart zurückzuzahlen. Stattdessen soll zunächst die zunehmend prekäre Lage großer Teile der Bevölkerung in dem erdölreichen Land verbessert werden. Venezuela ist mit geschätzten 155 Milliarden Dollar (133 Milliarden Euro) bei ausländischen Gläubigern verschuldet. Die Ratingagenturen Fitch, S&P und Moody’s stuften Venezuelas Kreditwürdigkeit bereits auf eine Stufe über der Zahlungsunfähigkeit herab.

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