Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Ostseehäfen in bewegter See

Der Güterumschlag insgesamt stagniert - aber es gibt auch Gewinner und Verlierer

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.

Auf der beliebten Ferieninsel Rügen laufen die Vorbereitungen für die umstrittene Ostsee-Pipeline »Nord Stream 2«. Durch die geplante Rohrleitung sollen einmal Milliarden Kubikmeter russischen Erdgases nach Deutschland fließen. Noch fehlen Baugenehmigungen der Ostseeanrainerstaaten. Doch die Vorbereitungen für die zweisträngige, 1200 Kilometer lange Gasleitung laufen bereits auf Hochtouren.

Die eine Hälfte der benötigten 200 000 Röhrenelemente aus Stahl werden in Mülheim an der Ruhr gefertigt und anschließend in einer Fabrik in Sassnitz mit Beton ummantelt, damit sie später durch ihr Eigengewicht auf den Boden der Ostsee absinken können. Hiervon profitiert der Hafen Sassnitz-Mukran. In dem früheren Eisenbahn-Fährhafen übernimmt ein Frachtschiff Tag für Tag die fertigen Röhren und transportiert sie ins südschwedische Karlshamn in ein Zwischenlager. Starker Rückenwind für Sassnitz: Der Güterumschlag legte 2016 um über 23 Prozent zu.

Auf Rügen ist man auch für die Zukunft optimistisch. So setzt das Hafenmanagement hier auf den Ausbau der Windenergie. Für das Offshore-Geschäft wurden extra neue Eisenbahngleise verlegt, um die schweren Seekabel zu verladen. »Mit der Verlängerung der Gleise um 350 Meter bis an die Kaikante sind wir in der Lage, den Umschlag vom Waggon auf das Schiff und vice versa (lat., umgekehrt) flexibler und schneller zu gestalten«, sagt Harm Sievers, Geschäftsführer der Fährhafen Sassnitz GmbH

Nicht überall an der Ostsee ist die Stimmung gut. Lübeck, Wismar und Stralsund beklagen einen teilweise erheblichen Rückgang des Güterumschlags. Die Gründe sind nicht allein lokaler Natur. So haben sich viele Reedereien zu neuen Allianzen zusammengeschlossen, um ihre Schiffe besser auszulasten.

Zu Lasten einiger Seehäfen gehen auch konjunkturelle Entwicklungen. Während das Energiegeschäft - vom Röhrentransport bis zur Versorgung der Windparks auf hoher See - boomt, dümpelt das klassische Stückgut, welches in Containern transportiert wird, vor sich hin. Einige Häfen in Mecklenburg-Vorpommern spüren zudem die schwache Konjunktur in Russland.

Insgesamt legten die Ostseehäfen im vergangenen Jahr minimal um 0,2 Prozent auf 53 Millionen Tonnen zu, sagte Frank Dreeke, Präsident des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe auf der Jahrespressekonferenz am Dienstag in Hamburg. An der Nordsee wurden 240 Millionen Tonnen umgeschlagen. Trotz insgesamt guter wirtschaftlicher Aussichten forderte die deutsche Hafenwirtschaft Bund und Länder auf, mehr für die Standorte zu tun. »Wir könnten mehr«, erklärte Dreeke vor Journalisten.

Flaute herrscht etwa in Wolgast. Der Güterumschlag fiel um mehr als 42 Prozent. Damit setzt sich ein langfristiger Trend fort. Ein Grund ist die traditionsreiche, aber längst schwächelnde Binnenschifffahrt nach Berlin. 2001 wurde mit einem Warenumschlag von über einer Million Tonnen eine Rekordmarke erreicht - in diesem Jahr dürfte es nur noch ein Zehntel werden. Grund ist der Einbruch bei Getreide. Ein Preiskampf der Spediteure hat dazu geführt, dass viel mehr Weizen von Rostock nach Skandinavien und Großbritannien verschifft wird. Für die Zukunft hofft die Wolgaster Hafengesellschaft auf ein Comeback, »wenn sich die Märkte wieder beruhigt haben«, so ein Sprecher.

Solche Hoffnungen könnten trügen. In Rostock wird gerade ein neuer Getreideterminal gebaut. Für die Hansestadt - mit 20 Millionen Tonnen Umschlag der weit größte Ostseehafen - ist der Getreidehandel allerdings nicht das lukrativste Geschäft. Die Zahl der beförderten Fährpassagiere von und nach Nordeuropa stieg im ersten Halbjahr um 70 000 auf eine Million. Dazu kommen mehr als 800 000 Kreuzfahrtgäste, das sind etwas mehr als im vergangenen Jahr.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln