Klimaretter und Klimakiller

Deutschland landet beim Länder-Ranking nur im Mittelfeld

  • Von Susanne Schwarz, Bonn
  • Lesedauer: 3 Min.
Klimaschutz in Deutschland: Klimaretter und Klimakiller

Energiewende, Klimakanzlerin, langfristige Klimaziele: Deutschland gibt sich auf internationaler Ebene gern als Vorreiter beim Klimaschutz. Einem Ranking der Klimaschutzorganisation Germanwatch zufolge ist die Bundesrepublik allerdings nur klimapolitisches Mittelmaß.

Seit 2006 ordnet Germanwatch in seinem Klimaschutz-Index die 56 größten Treibhausgas-Emittenten unter den Staaten nach Klimafreundlichkeit. Deutschland liegt dieses Jahr auf Platz 22 und damit hinter zahlreichen EU-Ländern, aber auch hinter Schwellenländern wie Brasilien.

Gemessen am vergangenen Jahr sieht das erst mal aus wie ein Fortschritt - da landete die Bundesrepublik noch auf Platz 29. Die Rankings sind aber nicht vergleichbar: Germanwatch und die beteiligten Wissenschaftler haben die Methodik des Rankings verändert. Erstmals zählen nicht nur die Menge der Treibhausgasemissionen, der Energieverbrauch und der Ausbau der erneuerbaren Energien mit, sondern auch Klimaschutzpläne und -ziele. Hier schneidet Deutschland gut ab, ohne in der Gegenwart klimafreundlicher geworden zu sein.

Spitzenreiter ist Schweden - auf Platz 4. Die ersten drei Plätz lässt Germanwatch bei dem jährlichen Ranking traditionell frei als Symbol dafür, dass kein Land genug Klimaschutz betreibt, um den internationalen Zielen gerecht zu werden. Auch die anderen skandinavischen Länder liegen weit vorn: Norwegen hat Germanwatch auf Platz 7 eingeordnet, Finnland auf Platz 9, Dänemark auf Platz 17.

Was Deutschland tun könnte, um tatsächlich zu den Vorreitern zu gehören, kann Jan Burck von Germanwatch auf Anhieb sagen. »Gerade in Deutschland gab es in den vergangenen Jahren insbesondere in den Bereichen Verkehr und bei der Kohleverstromung viel zu wenig Fortschritt«, sagt er. Niklas Höhne vom New Climate Institute, der mit am Index gearbeitet hat, misst der Kohle ebenfalls eine besonders große Bedeutung bei. Allein durch die Festsetzung eines Kohleausstiegs bis 2030, wie ihn die Grünen in den Sondierungsgesprächen fordern, würde die Bundesrepublik wohl zehn Plätze aufholen, schätzt er.

Angesichts der erwarteten Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Klimakonferenz in Bonn appellierten Umweltverbände an die Kanzlerin: Merkel habe versprochen, dass Deutschland bis 2020 seine CO2-Emissionen um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 verringern. »Das geht nicht mit Rechentricks, sondern nur mit dem Kohleausstieg«, mahnte der WWF-Klimaexperte Michael Schäfer.

Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist indes nicht nur für Deutschland typisch. Auch andere Länder versprechen Germanwatch zufolge mehr, als sie schließlich umsetzen. »Wir sehen eine starke Zustimmung zu den allgemeinen Zielen des Paris-Abkommens auf internationaler Ebene«, sagt Burck. »Die Staaten müssen nun schnell Maßnahmen ergreifen und ihren Versprechungen auch Taten folgen lassen.«

Kanada etwa loben die Umweltschützer für seine Leistungen in der internationalen Klimadiplomatie - wegen seines exorbitanten Energieverbrauchs, schwachen Klimaziels und sehr hohen Treibhausgasemissionen landet das nordamerikanische Land aber trotzdem auf Platz 51.

Auch bei China hebt Germanwatch eine »ehrgeizige Führungsrolle« in der internationalen Klimadiplomatie hervor. Bei allen anderen Kriterien schneidet das »Reich der Mitte« allerdings schlecht ab und kommt insgesamt nur auf Platz 41.

Die USA liegen im Ranking wenig überraschend weit hinten, nämlich auf Platz 56: Die Pro-Kopf-Emissionen »der Staaten« liegen traditionell und nach wie vor hoch, US-Präsident Donald Trump hat den Ausstieg aus dem Paris-Abkommen bekanntgegeben, zahlreiche Umweltgesetze abgeschafft und leugnet den menschengemachten Klimawandel.

Die ökonomischen Voraussetzungen für die globale Energiewende sind Höhne zufolge eigentlich gut: »Die Daten zeigen ermutigendes Wachstum und deutlich niedrigere Preise bei Wind- und Sonnenenergie.«

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