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Warum Claudia Roth ein Problem ist

Baden-Württemberg: Das Würth-Museum in Künzelsau zeigt Porträtfotografien von Josef A. Slominski - darunter die aller Bundeskanzler

  • Von Ralf Schick, Künzelsau
  • Lesedauer: 4 Min.

Er ist der dienstälteste Fotograf des Bundestages und hat seit 1954 alle Bundeskanzler, aber auch sieben Päpste und zahlreiche Bischöfe in Schwarz-Weiß-Bildern porträtiert. »Ich habe immer viel Wert auf Vertrauen gelegt, damit sich mein Gegenüber vor der Kamera öffnet«, sagt Josef A. Slominski über seine Werke. Rund 60 seiner Porträts von Politikern, Päpsten und Prominenten aus Wirtschaft, Kultur und Sport zeigt derzeit das Museum Würth im baden-württembergischen Künzelsau.

Unter dem Titel »Menschen meiner Zeit, die etwas bewegten« hat Slominski eine »ganz persönliche Schau« zusammengestellt. Auf den großformatigen Schwarz-Weiß-Fotografien sind etwa das zerfurchte Gesicht des ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer zu sehen oder der wache Blick der amtierenden Kanzlerin Angela Merkel kurz nach ihrem Amtsantritt.

Slominski redet nicht viel über Kameras oder fotografischen Feinschliff, viel mehr über Geschichten und Anekdoten, die er mit seinen Prominenten erlebt hat. Um das Vertrauen der Päpste, Politiker und Prominenten zu gewinnen, »habe ich immer auch viel mit ihnen geredet, so ist eine gewisse Nähe und zugleich Lockerheit entstanden«, sagt Slominski.

Er hätte vermutlich alle Politiker und Politikerinnen vor die Kamera bekommen, doch eine wollte er bislang nicht ablichten. »Das ist Claudia Roth von den Grünen - die hat Dramaturgie studiert und will selbst Regie führen, was aber bei mir nicht geht«, sagt der Fotograf.

Slominski hat meistens mit geringer Tiefenschärfe fotografiert, so treten die Gesichtszüge der Menschen in den Fokus, während der kaum vorhandene Hintergrund und die Kleidung unscharf werden. Manche Porträts seien in zehn Minuten entstanden, andere wiederum hätten auch mal knapp eine Stunde gedauert wie beim ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauss. »Der hat sich nach mehr als einer Dreiviertelstunde gewundert, dass ich schon fertig sei mit seinem Porträt«, erzählt Slominski.

Zu den bekanntesten Schwarz-Weiß-Bildern zählt ein Porträt von Papst Pius VI. aus dem Jahr 1955. »Ich habe 1954 als 17-Jähriger ein Foto von Konrad Adenauer gemacht, wenig später hat er mich dann in sein Wahlkampfteam berufen«, erzählt Slominski. Dadurch sei er nicht nur in Politikerkreisen bekannt geworden, sondern auch in der kirchlichen, vor allem katholischen Welt. Fast immer habe er dann die Bischöfe, Politiker oder Päpste angesprochen oder angeschrieben, ob er sie porträtieren dürfe. So kam auch das Bild von Papst Pius VI. zustande, dem er 1955 einen Brief schrieb - und wenige Wochen später dann in den Vatikan eingeladen wurde. Nur bei Angela Merkel sei er selbst nicht aktiv geworden, »das hat (der ehemalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident) Bernhard Vogel arrangiert, mit dem ich schon lange befreundet bin«, sagt Slominski.

Im Lauf seines Lebens sind vor allem nachdenkliche Porträts entstanden. Etwa von der früheren »Grande Dame« der FDP, der 2016 verstorbenen Hildegard Hamm-Brücher. Oder von Rockmusiker Peter Maffay oder den Boxhelden Henry Maske und Wladimir Klitschko.

Porträtiert hat er auch einen strahlenden Papst Franziskus, die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann, Kardinal Reinhard Marx oder Fernsehmoderator Günther Jauch. »Mein Ziel war es immer, Menschen aus Politik, Kirche, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Sport zu porträtieren, die etwas in ihrem Leben bewegt und erreicht haben«, sagt der 79-jährige Katholik. Manche habe es allerdings verwundert, dass er auch den Journalisten Giovanni di Lorenzo abgelichtet hat und in der Schau zeigt. »Giovanni di Lorenzo hat als ehemaliger Journalist bei der ›Süddeutschen Zeitung‹ die Lichterketten bei Demonstrationen erfunden, das weiß nur heute kaum jemand mehr«, sagt Slominski zur Begründung.

Einige Prominenz hat er mehrmals in seinem Leben porträtiert und stellt sie in der Ausstellung als junge und ältere Politiker gegenüber - etwa den ehemaligen bayerischen Ministerpräsident Edmund Stoiber, den kürzlich verstorbenen CDU-Politiker Heiner Geißler oder den früheren Bundesarbeitsminister Norbert Blüm.

Gemeinsam mit verschiedenen Autoren brachte Slominski auch zahlreiche Publikationen heraus, zuletzt 2016 das Buch »Im Schatten der Päpste: Der Alltag der Papst-Sekretäre von Pius XII. bis Franziskus«.

Josef A. Slominski »Menschen meiner Zeit, die etwas bewegten«; bis 25. März im Museum Würth in 74653 Künzelsau, Scharfengasse 12, Telefon 07940-57155, Internet: www.kunst.wuerth.com

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