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Im Schatten von Disney-World

Die Welt ist zu Gast auf den Leinwänden der Kulturbrauerei während der 12. Ausgabe von »Around the World in 14 Films«

  • Von Caroline M. Buck
  • Lesedauer: 3 Min.

An Jahren ist das Dutzend voll, aber an Filmen gibt es gleich doppelt so viele: 24 Titel hält das Weltfilmfestival in diesem Jahr bereit. Und mit schöner Verlässlichkeit in einer zunehmend instabiler wirkenden Welt bietet »Around the World« auch in diesem Jahr wieder ein bemerkenswert ergiebiges Berliner Nachspiel dessen, was auf den großen Filmfesten der Welt an Außergewöhnlichem zu sehen war.

»The Florida Project« gehört dazu, der neue Film von US-Independent-Regisseur Sean Baker (der auch selbst als Gast angekündigt ist), ein Film, der der Independent-Ikone Willem Dafoe eine der besten Schauspielleistungen seiner Karriere abringt - was an und für sich schon einiges heißen will. Zusätzlich spielt Dafoe unter lauter Laien-Darstellern. Und die Hauptfigur des Films ist eine Sechsjährige, die in denkbar desolaten familiären Verhältnissen eine (halbwegs) glückliche Kindheit zuwege bringt - inmitten einer sozialen Wüste im Schlagschatten von »Magic Kingdom«, der Disney-World-Version in Florida. Aber nach »Tangerine« hatte man auch ziemlich viel von ihm erwartet - das war das herzzerreißend komische Beziehungsdrama, das Baker (auf einem iPhone!) über Transgender-Prostituierte in jenen Bezirken von Los Angeles drehte, die sonst meist nicht auf der Leinwand zu sehen sind.

Auf den Spuren eines Freundes, der während einer ausgedehnten Afrikareise in Malawi umkam, nimmt der Brasilianer Fellipe Barbosa im bildstarken »Gabriel and the Mountain« die Selbsttäuschung vieler westlicher Touristen unter die Lupe, die glauben, sie könnten mit einheimischem Essen, einheimischer Kleidung und ein paar ortsüblichen Gewohnheiten die Rolle des Auswärtigen ablegen und zum Afrika-Versteher werden, die ja so viel einfühlsamer als »herkömmliche« Touristen mit ihrer unterschwelligen Kolonialattitüde seien. Doch dabei vergessen sie gern, dass auch sie Kamera und Reiseführer im Gepäck haben, ein Rückflugticket dazu, und dass Afrika für sie meist nur Etappe sein wird, eine Art Verkleidung: im besten Fall ein Experiment mit sich selbst, im schlimmsten Fall nur mit den anderen. Barbosas Freund war die Ausnahme: Für ihn wurde Malawi nicht zur Durchgangs-, sondern zur finalen Etappe. Barbosa inszeniert die letzten Stadien seiner Reise anhand von Fotos und Tagebüchern, die der Freund hinterließ, lässt kommentierend Menschen zu Wort kommen, die ihm unterwegs begegneten, und es bei aller unterschwelligen Kritik auch an Verständnis für den Freund nie fehlen.

Wie Afrika sich andererseits für einen Afrikaner darstellen kann, zeigt ein zweiter Beitrag, »I Am Not A Witch« aus Sambia, der jüngst schon im Programm von Afrikamera zu sehen war. Da wird (und es ist vielleicht kein Zufall, dass dies der Film einer Frau ist, Rungano Nyoni, auch selbst anwesend) einem Mädchen von zehn Jahren unterstellt, es sei eine Hexe. Ein Verdikt, das zu lebenslanger Ausgrenzung und Lagerhaft führt, in einem Lager, in dem - ausschließlich »Hexen« leben. Ein, von außen betrachtet, durch und durch sambischer Film - der aber rein europäisch finanziert wurde.

23.11.-2.12., Kino in der Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36, teils mit Filmemachern & prominenten Paten, Info & Karten unter www.cinestar.de/de/kino/berlin-kino-in-der-kulturbrauerei, Film-Info unter www.14films.de

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