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Lebenslänglich für Ex-General Mladic

Gegensätzliche Reaktionen auf Urteil von Den Haag gegen früheren Militärchef der bosnischen Serben

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Den Haag. Vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag wurde der Ex-General Ratko Mladic am Mittwoch schuldig gesprochen, Völkermord und zahlreiche weitere Morde ebenso befehligt zu haben wie den Beschuss der Hauptstadt Sarajevo, die gewaltsame Vertreibung Hunderttausender, die Geiselnahme von UN-Soldaten und massenhafte Vergewaltigungen muslimischer Frauen und Mädchen. Mehr als 100 000 Menschen waren getötet und mehr als zwei Millionen vertrieben worden.

Beim Eintreffen im Gerichtssaal bekreuzigte sich Mladic und reckte den Daumen in die Höhe. Während der Urteilsbegründung durch den Vorsitzenden Richter Alphons Orie, der von »abscheulichsten Verbrechen« sprach, lächelte Mladic immer wieder oder schüttelte den Kopf. Als er »Lüge! Reine Lüge! Alles Lüge!« schrie, ließ Orie ihn aus dem Gerichtssaal bringen. Er habe die Verhandlung in einem Nebenraum verfolgen können, sagte der Richter.

Mladic kündigte an, in Berufung zu gehen. »Dieses Urteil ist ungerecht und widerspricht den Tatsachen«, sagte Mladics Sohn Darko in Den Haag. Das Gericht habe »Gerechtigkeit durch Kriegspropaganda ersetzt«.

Serbiens Justizministerin Nela Kuburovic verlangte am Mittwoch erneut, serbische Ärzte müssten den kranken Mladic in Belgrad behandeln. Die Regierung gebe eine Garantie, dass er danach wieder nach Den Haag zurückkehren werde. Die als Regierungssprachrohr geltende Zeitung »Informer« titelte am Mittwoch »Todesstrafe für Mladic«.

Ziel aller Kriegsverbrechen von Mladic und seinen Offizieren war nach Überzeugung des Gerichts, Muslime und Kroaten aus den von Serben in Bosnien beanspruchten Gebieten zu vertreiben. Dazu sei ihnen jedes Verbrechen recht gewesen. Die nichtserbische Bevölkerung sei »systematisch terrorisiert« worden, um dieses Ziel zu erreichen. Damit hätten die von Mladic befehligte Armee der bosnischen Serben sowie zahlreiche Freischärlerverbände zuhauf »Verbrechen gegen die Menschlichkeit« begangen.

Der UN-Menschenrechtskommissar bezeichnete in Genf das Urteil als monumentalen Sieg der Gerechtigkeit. »Mladic ist der Inbegriff des Bösen und die Verurteilung von Mladic ist der Inbegriff für internationale Gerechtigkeit«, sagte Said Raad al-Hussein in Genf. Eine Sprecherin des Auswärtiges Amtes in Berlin begrüßte namens der Bundesregierung das Urteil als »wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der grausamen Verbrechen, die in den 1990er Jahren im ehemaligen Jugoslawien verübt wurden«.

Serbiens Staatspräsident Aleksandar Vucic kritisierte hingegen, die serbischen Opfer in allen Jugoslawien-Kriegen würden vom Ausland nicht ähnlich behandelt wie die Opfer anderer Nationen. Der Präsident der bosnischen Serben, Milorad Dodik, sagte voraus, Mladic werde für seine Landsleute noch mehr zu einem »Mythos«: »Der Mann hat das Militär befehligt, das die Freiheit seines Volkes verteidigt und so die Serbenrepublik erschaffen hat.« Agenturen/nd

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