IG Metall-Chef macht Siemens eine Kampfansage

Beschäftigte protestieren mit Autokorso gegen geplante Einschnitte / Tausende zu Kundgebung in Berlin erwartet

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München. Angesichts der geplanten Stellenstreichungen und Standortschließungen bei Siemens hat IG Metall-Chef Jörg Hofmann dem Konzern eine Kampfansage gemacht. Seine Gewerkschaft werde »nun ordentlich Krawall machen«, sagte Hofmann der »Süddeutschen Zeitung« (Donnerstagsausgabe). »Wir werden die Beschäftigten ganz bestimmt nicht alleine ihrem Schicksal überlassen.« Zu Streiks bei dem Konzern wollte Hofmann sich nicht konkret äußern. »Streik bleibt immer das letzte Mittel«, sagte der Gewerkschaftschef der »SZ«. Er forderte Siemens auf, über Investitionen Jobs zu schaffen.

Siemens hatte in der vergangenen Woche angekündigt, in den kommenden Jahren in Deutschland 3300 Stellen zu streichen. Die Standorte Leipzig und Görlitz sollen ganz geschlossen werden. Für Donnerstagmorgen ist in Berlin eine Großkundgebung gegen die Pläne geplant. Als Gastredner wird unter anderem SPD-Chef Martin Schulz erwartet. Zu der Kundgebung am Tagungshotel der jährlichen Siemens-Betriebsräteversammlung in Neukölln erwartet die Gewerkschaft 2000 Teilnehmer aus ganz Deutschland.

Der Aktionstag startete am frühen Donnerstagmorgen mit einem Autokorso durch die Berliner Innenstadt. Der Autokorso sei um 6.15 Uhr am Dynamowerk im Bezirk Spandau gestartet, sagte Klaus Abel, der Erste Bevollmächtigte der IGMetall Berlin am Donnerstagmorgen. Rund 200 Fahrzeuge, geschmückt mit Transparenten und IG Metall-Fahnen, folgten hupend einem Motivwagen, der Siemens-Chef Joe Kaeser zeige. Die Verkehrsinformationszentrale Berlin sprach auf Twitter von 100 Fahrzeugen.

Hofmann äußerte sich in dem Interview auch zur Tarifrunde für die knapp vier Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie. Obwohl die Verhandlungen erst begonnen haben und die Friedenspflicht noch bis Ende Dezember läuft, räumte er ein, dass seine Gewerkschaft bereits Warnstreiks plane. »Das gibt's natürlich«, sagte er der »SZ«. Dies sei kein Ritual, »sondern wir brauchen den Druck. Der wirkt bei der Auftragslage.«

Die IG Metall verlangt sechs Prozent mehr Geld und die Möglichkeit für die Beschäftigten, für maximal zwei Jahre ihre wöchentliche Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden pro Woche zu reduzieren. Handelt es sich dabei um Schichtarbeiter oder wollen die Arbeitnehmer sich in der gewonnenen Zeit um Kinder oder kranke Eltern kümmern, sollen die Arbeitgeber ihnen den Lohnausfall zum Teil ersetzen.

Das lehnen diese vehement ab und begründen dies nicht nur mit hohen Kosten, sondern auch mit einem daraus entstehenden Arbeitskräftemangel. Hofmann sagte, umso verwunderlicher sei es, dass die Arbeitgeber weniger ausbildeten als früher. Außerdem seien nur 20 Prozent der Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie Frauen. »Warum überlegen die Firmen nicht, wie sie für die attraktiver werden?«, mahnte der Gewerkschaftschef. Dies gehe »am besten, indem sie über attraktive Arbeitszeiten nachdenken«. Agenturen/nd

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