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Tierischer Sex unter turtelnden Tannen

Peter Wohlleben und Karsten Brensing: Fantastisches über Triebe und Umtriebe von Flora und Fauna

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»In der Natur fühlen wir uns so wohl, weil sie kein Urteil über uns hat«, war Nietzsche überzeugt. Lassen wir einmal beiseite, dass »wir« ja auch »Natur« sind, und belassen wir das Umgreifen dieses Begriffs in banalen Banden um Feld und Flur, Wald und Wiese: Im Gegenzug sind die Urteile »von uns« über »die Natur« Legion. Für Goethe war sie »das einzige Buch, das auf allen Blättern großen Gehalt bietet«, für Kneipp »die beste Apotheke«, für Schelling »eine ältere Offenbarung als jede geschriebene«, für Cicero »die beste Führerin des Lebens«. Den Anspruch insbesondere letzterer Weisheit - immerhin älter als 2000 Jahre - auf das numinose Epitheton »ewig« illuminiert aktuell Peter Wohlleben mit seinem Buch »Das geheime Netzwerk der Natur«.

• Peter Wohlleben: Das geheime Netzwerk der Natur.
Ludwig bei Heyne, 224 S., geb., 15,99 €.

• Karsten Brensing: Das Mysterium der Tiere. Was sie denken, was sie fühlen.
Aufbau Verlag, 384 S., geb., 22 €.

Wohlleben, in Rheinland-Pfalz lebender Förster, hatte sich bereits mit seinem Gehölzthriller »Das geheime Leben der Bäume« in Leserherzen und auf Bestsellerlisten geschrieben. In seiner neuesten publizistischen Schaffung schlägt der wackere Waldmeister weitere Pflöcke seiner von Forstwissenschaftlern misstrauisch und missgünstig beäugten metaphysisch intendierten Wald- und Weltsicht ein.

Sicher kann der Leser das in einer leicht infantilisierten Sprache dargebotene Wunderbare und Wundersame einer nachgerade fantastischen Naturweltordnung in dieser Fülle nicht verifizieren. Aber die Faszination, die Begeisterung, die Leidenschaft, die den Autor an- und umtreiben, sind ansteckend und geeignet, urbane Abgeklärtheit mit ökologischer Aufgeklärtheit zu infizieren. Brecht meinte ja, die »Schwärmerei für die Natur kommt von der Unbewohnbarkeit der Städte«. Eine solche Verdrossenheit ist bei der großen Resonanz auf Wohllebens Werk ebenso wenig auszuschließen wie die Sehnsucht nach heiler Geborgenheit, denn - wie es in einem DDR-Pionierlied treffend heißt, »unsre Heimat sind auch all die Bäume im Wald«.

Als komplementäre Lektüre ist »Das Mysterium der Tiere« von Karsten Brensing nachgerade perfekt. Der Meeresbiologe ist zwar auf Wal-Verhalten spezialisiert, weiß aber auch bestens, was Bärtierchen (0,5 mm), Orang-Utans, Elefanten oder Meisen so treiben. Dass es dabei vor allem um Sex geht, ist nicht überraschend. Schließlich dreht sich die gesamte Evolution darum, wer sich am erfolgreichsten fortpflanzt.

»Nun sag, wie hast du’s mit dem Sex?«, lautet die erste und ewige Gretchenfrage der Biologie. Kapitelüberschriften wie »Vergewaltigung« und »Gangbangs« machen keinen Hehl aus den martialischen Methoden, mit denen da ums Überleben der jeweiligen Art gekämpft wird. Praktiken, die zum nicht abweisbaren biologischen Erbe auch des Menschen gehören. Was in einer entwickelten Kultur als Belästigung, Übergriff, Gewalt angeprangert wird, ist gleichwohl biologisch determiniert. Die wohlfeile Formel von der »Vergewaltigungskultur« verkennt, dass Menschen (in der Mehrzahl Männer), die sexuelle Gewalt anwenden, gerade nicht den Sprung geschafft haben in die Kultur - die Kultur der Beherrschung und Sublimierung von Trieben.

Bibliotheken voller Strafgesetze vermochten es ebenso wenig wie die Propagandakampagnen der feministischen Hashtag-Industrie, Naturgesetze (ja, darum geht es) endgültig auszuhebeln. Es sollte überflüssig sein zu betonen, dass es hier weder um »Rechtfertigung« noch um »Entschuldigung« geht. Aber in Zeiten, da Wissenschaft zunehmend ideologisch aus- und zugerichtet wird, erscheint es sinnvoll, daran zu erinnern, dass der Mensch auch als »Zoon politikon« (Aristoteles) ein »Zoon« (Tier) bleibt. Karsten Brensings Buch über das Mysterium nichtmenschlicher Tiere erhellt auch das Mysterium des Menschlichen, Allzumenschlichen.

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