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Die Groteske braucht Futter

Madeleine Prahs: In ihrem Roman wird ein Haus verteidigt

  • Von Michael Hametner
  • Lesedauer: 3 Min.

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Was in diesem Roman geschieht, lässt sich rasch zusammenfassen: Ein altes Haus soll teuer saniert werden, die drei verbliebenen Mieter wehren sich. Sie sind »Die Letzten«. Ein Vorgang, den es da, wo Wohnbesitz Profit bringen soll, immer wieder gibt. Im Osten Deutschlands gab es ihn nach der Wende besonders oft, denn dort standen gleich straßenweise Häuser, die saniert werden mussten.

• Madeleine Prahs: Die Letzten. Roman.
dtv, 304 S., geb., 21 €.

Die Ostdeutschen, so sie zum zivilen Widerstand gegen die Gier von Hausbesitzern rüsten, sind die Klammer, die diesen zweiten Roman von Madeleine Prahs mit ihrem ersten verbindet. Ihr Debüt »Nachbarn« galt manchem als »Wenderoman«. Die Autorin intervenierte zu Recht, denn immerhin begleitete sie ihre Figuren bis ins Jahr 2006. Dennoch scheint es so zu sein, dass sie sich für den Blick auf ostdeutsche Mentalitäten zuständig fühlt - in »Die Letzten« aber nicht als Tiefenbohrung in Lebensläufe, hier eher als Groteske.

Die drei, die sich dem ersten Räumungsverlangen durch Hausbesitzer Thomas Grube widersetzt haben, sind für die Groteske bestens ausgestattet. Karl Kramer, 55, ist ziemlich inaktiv geworden, nachdem ihn seine Frau Erika verlassen hat. Im zweiten Stock, Mitte lebt Elisabeth Buttkies, 72, pensionierte Deutschlehrerin, im Kampf mit dem Krebs. Und unterm Dach finden wir Jersey, 28, die ihre Faulheit - und ihre kleine Hanfpflanzenzucht - mit der Bezeichnung »Studentin in Teilzeit« tarnt. Madeleine Prahs hat sich dafür entschieden, nicht das eintreten zu lassen, was der Leser diesen drei Nasen geraten hätte: Vertragt euch und passt auf, dass ihr euch den Hausbesitzer vom Leib halten könnt. Der steht nämlich mit seinen Handwerkern schon im Treppenhaus. Nein, die drei gehen aufeinander los und wünschen sich lieber gegenseitig den Tod an den Hals, als dass sie sich die Hand geben würden.

Die Handlung steuert ihrem schlimmstmöglichen Punkt zu, aber kurz bevor sie ihn erreicht, dreht sie sich. Die drei »Letzten« schließen sich doch noch zusammen. Es wird ihnen klar, dass sie in Grube den viel größeren Feind haben. Ihrem Schicksal können sie trotzdem nicht entgehen, aber erfolglos sind sie auch nicht. Wie, was und warum soll hier nicht verraten werden.

Damit, wie die Autorin ihren Roman angelegt hat, verlangt sie sich einigen schrägen Humor ab. Denn die Groteske braucht auf jeder Seite Futter. Das schmeckt mal mehr, mal weniger. War schon die Idee gewagt, das Haus zum mitagierenden Erzähler zu machen, so ist manche Wendung einfach albern. Andere dann wieder besitzen Format und weisen dem Roman den Weg in die Tragikomödie. Dahin hätte er gehen müssen. Dann wären Karl Kramer, Elisabeth Buttkies und Jersey vielleicht Figuren mit Schicksal geworden, die gegen ihr drohendes Unbehaustsein zusammenstehen.

Solche Höhe versucht der Roman zu behaupten, erreicht sie aber selten. Er weicht dann in ein Comedy-Skript aus. Platt ist es, wenn Jersey bei ihrem Gelegenheitsjob als mies bezahlte Werbebotschafterin für einen Baumarkt eine alte Bekannte trifft, auf deren Namen sie nicht kommt, und diese nun zwei Seiten lang Sandra-Suse-Sylvia nennt. Platt ist es, wenn der Satz: »Alte Hecken soll man nicht versetzen!« tatsächlich korrigiert wird mit: »Alte Bäume soll man nicht verpflanzen!« Dann denkt man, dass hier der Autorin einfach das Feuer ausgegangen ist, zumal es noch einen Draufsetzer gibt: »Keine Ahnung, irgendetwas mit Gehölz eben!«

Ohne solche dünnen Witze wäre der Roman kürzer ausgefallen, aber er erfüllte im Ganzen, was ihm jetzt nur zum Teil gelungen ist: Gute Unterhaltung!

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