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Worte auf Flügeln

Die Uraufführung »Faltet eure Welt« im Grips-Theater verbindet Papierfalt- und Schauspielkunst

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Am Ende fliegen sie auf einem gefalteten Kranich los. Frei, miteinander verbunden suchen sie ihren Weg. Erst einmal gemeinsam. Mal sehen. Allerlei Abzweigungen zeigten Esther Agricola, Ossama »OzOz« Helmy und Jens Mondalski vorher mit Herz im gut einstündigen Spielverlauf von »Faltet eure Welt«. Das Grips-Theater brachte die Uraufführung der Ensembleproduktion in Koproduktion mit Suite42 und dem Arab Origami Center, Ägypten, auf der Studiobühne im Podewil heraus. Gleich mit gewünschtem Publikum ab 14 Jahren. Die Wirkung auf die Rezipienten war also gut erkennbar.

Regisseurin Lydia Ziemke erarbeitete die Konzeption für das Stück gemeinsam mit dem ägyptischen Origami-Künstler und Geschichtenerzähler Ossama »OzOz« Helmy. Der Künstler entwickelte seit 2003 mit der aus Japan stammenden und schon seit dem 6. Jahrhundert in Ägypten bekannten Origami-Kunst eine eigene Form, Geschichten zu erzählen. Er machte sie im arabischen Raum bekannt, gründete 2011 das Arab Origami Center in Alexandria und begann, Workshops zu biografischer Arbeit und Dramatherapie anzubieten.

In der aktuellen Produktion nun vereinen sich die Papierfalt- und Schauspielkunst harmonisch. Kostüme und Bühnenbild von Afra Nobahar ordnen sich dem unter. Weiße Plastikplanen bestimmen das Bild. Wo Platz für Utensilien gebraucht wird, sind Taschen eingearbeitet, auch in der transparenten Kleidung, die sich die Darsteller zeitweise überstreifen.

Es geht um Freiheit in »Faltet eure Welt« und darum, wie man sich seinen Lebensweg vorstellt. Dem nähert sich das Spiel in dreizehn Szenen, durch mitreißenden Sound von Öz Kaveller unterlegt. Die Herangehensweise ergab sich bereits aus unterschiedlichem Lebenshintergrund und den Freiheitsmöglichkeiten von Ziemke und Helmy. Dazu kamen Antworten auf Fragen, die beide Menschen in Berlin und Alexandria stellten. Auch aus dem Grips-Ensemble stammen vom Alltag geprägte Eindrücke.

Humorvoll geht das Stück auf die vielfältigen in das Spiel eingebundenen Erlebnisse ein. Anfangs nehmen die drei Darsteller begeistert an einer Demonstration teil, die die Regierung hinwegfegen soll. Sie fühlen sich wohl beim Überschreiten der Linie zum Protest. Viele Körper werden zu einem. Doch stellen sich Zweifel ein, wer da vor einem oder neben einem läuft. Prompt wird die Demo auch gewaltsam aufgelöst.

Andere Szenen beschreiben Begegnungen von hier seit Kurzem oder schon länger lebenden Menschen aus fremder Heimat. Warum können sich frisch angekommene junge Männer in Berlin nicht so benehmen, wie sie es in der Ferne gewohnt waren? »Weil euch hier alle schärfer sehen«, bekommen sie vom hier schon lange Lebenden gesagt. Wie weit geht die eigene Freiheit, ohne die anderer zu verletzen? Wie viel Freiheit sollten Eltern ihren Kindern lassen, ohne sich sorgen zu müssen?

Mit vielen schnellen, ohne großen Aufwand gelungenen »Verwandlungen« ist das inszeniert. Verschiedenen Wortbedeutungen wird nachgegangen, der Politikbegriff untersucht, Macht kommt ins Spiel. Zudem wenden sich die Darsteller ans Publikum, erzählen einzeln von persönlicher Freiheit. Was Helmy in arabischer Sprache vorbringt, wird als deutscher Text eingeblendet, das Deutsche wiederum in arabischen Schriftzeichen gezeigt. Das allerdings muss für arabische Adleraugen bestimmt sein. Auch mit Licht wurde da gespart.

Die ganze Zeit über falten die Akteure Papier und Planen. Auch das Publikum bekommt Arbeit. Jeder legt sich ein flugfähiges Objekt zusammen, schreibt darauf, was er sich unter Freiheit vorstellt, und lässt es auf der Bühne landen. Die Darsteller binden die Meinungen in das Spiel ein.

Viele Worte auf Flügeln. Einer malte zwei knutschende Fische auf sein »Flugwesen«. Warum nicht? Ist seine persönliche Freiheit. Der Anspruch des Stücks, gemeinsam über den Begriff nachzudenken, kommt jedenfalls an.

Nächste Vorstellungen am 25. und 27. November im Podewil, Klosterstr. 68, Mitte.

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