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Zum Abschied ein lautes »Merci«

Irie Révoltés feierten in Berlin das Ende ihrer Karriere

  • Von Grit Gernhardt
  • Lesedauer: 3 Min.

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Alle noch mal die Fäuste in die Luft, ein lautes »Allez!« und ordentlich Pogo: Nach fast 18 Jahren, fünf CDs und unzähligen Liveauftritten ist die Heidelberger Band Irie Révoltés Geschichte. Am Samstag ließen die neun Musiker um die Brüder Carlito und Mal Élevé zum letzten Mal die Berliner Columbia-Halle beben, der allerletzte Akt soll ein Abschiedskonzert am 26. Dezember in Mannheim werden. Allerdings steht nicht zu befürchten, dass man nichts mehr von ihnen hören wird - Irie Révoltés waren nie nur Unterhaltungskünstler, sondern zuallererst politische Aktivisten.

Ihre Songs - Mischungen aus Reggae, Ska, Dancehall, Hip-Hop, Punk, gesungen auf französisch, deutsch und englisch - drehen sich um ertrinkende Flüchtlinge im Mittelmeer, thematisieren den nicht aufgeklärten Feuertod Oury Jallohs in einer Dessauer Polizeizelle oder kritisieren Homophobie, Kapitalismus und Ausbeutung. Die klare Botschaft lautet: Wir sind Antifaschisten - für immer. Das sind keine leeren Worte: Wenn die Bandmitglieder gerade mal nicht auf einer Bühne standen, blockierten sie Naziaufmärsche in Marzahn-Hellersdorf, stellten sich in Hamburg beim G20-Gipfel der staatlichen Übermacht entgegen oder organisierten Rollstühle für Afrika. Die Viva-con-Agua-Flagge wehte selbstverständlich über allen Irie-Révoltés-Konzerten - die Hamburger Initiative sammelt Pfandgeld, um die Versorgung mit sauberem Wasser und sanitären Anlagen in Entwicklungsländern zu unterstützen.

In linken Kreisen erspielte sich die Band mit ihrem Engagement einen festen Platz in jeder Demohitliste, auch wenn einige die Musik als zu weichgespült empfanden. Doch für die Gruppe war der Inhalt das Entscheidende. Tanzbar sollten die Songs sein, mitsing- und -gröhlbar, trotz der für die meisten Ohren hierzulande ungewohnten französischen Textteile sollten die Botschaften ankommen. »Der Soundtrack der Revolution ist energetisch, aber fröhlich«, schrieb die »FAZ« im Sommer anlässlich eines Irie-Révoltés-Auftrittes vor der Hamburger »Roten Flora«.

Das vor sieben Jahren veröffentlichte Lied »Antifaschist« fungiert als Bandhymne, in der Columbia-Halle recken 3600 Menschen dazu einträchtig die Fäuste in die Luft und beteuern, bereits als Antifaschist geboren zu sein. Die Energie der Musiker reißt mit, bei jedem Lied springen zwei bis drei Sänger über die Bühne, Blasinstrumente, Bässe und Schlagzeug lassen auch das Publikum hüpfen. Die Stimmung ist ausgelassen und friedlich. Unklar deshalb, warum vor der Halle zwei Polizeibusse stehen, vielleicht sind sie ja auf der Suche nach dem »Schwarzen Block«, der nach der antifaschistischen Silvio-Meier-Demo tanzen gegangen sein könnte.

Wie es nach dem »Irievoir« der Band weitergeht, lässt Sänger Carlito durchblicken, er testet seinen gesellschaftskritischen neuen Song »HopE« (»Hoffen ohne persönlichen Einsatz«) schon mal am Berliner Publikum. 2018 soll sein Soloalbum erscheinen. Auch die anderen werden weitermachen, auf der Website heißt es etwas schwammig, man wolle andere Träume und Ideen verwirklichen. Zunächst bedanken sich die Künstler aber musikalisch bei Freunden, Familie und Fans. »Merci«, schallt es durch die Halle und ein dickes »Merci« geht zurück an Irie Révoltés.

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