Hambacher Forst droht Räumung

Nach Gerichtsentscheidung erwarten Aktivisten polizeiliche Maßnahmen - und bereiten sich mit Barrikaden darauf vor

  • Von Sebastian Weiermann
  • Lesedauer: 3 Min.

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Große Teile des Hambacher Forstes wurden bereits gerodet.
Große Teile des Hambacher Forstes wurden bereits gerodet.

Nach einer Gerichtsentscheidung am Freitag deutet alles darauf hin, dass der Hambacher Forst ab dem heutigen Montag geräumt werden kann. Das Waldstück in der Nähe von Köln soll einem RWE-Braunkohletagebau weichen. Umweltaktivisten leisten seit Jahren Widerstand dagegen.

Schon seit Wochen bereiten sich die Protestierer im Hambacher Forst auf den Beginn der Rodungssaison vor. Es ist in jedem Jahr das gleiche Spiel. Um den Braunkohletagebau Hambach auszudehnen, rodet der Energiekonzern RWE in jedem Winter ein weiteres Stück des Waldes. Von der - auch von vielen zivilgesellschaftlichen Akteuren geforderten - »Roten Linie« entlang der alten Autobahn A4, die quer durch den Wald verlief, will RWE nichts wissen. Dem Konzern gehört der ganze Wald, ihn abzuholzen ist genehmigt.

Doch seit Jahren gibt es Widerstand dagegen. Die Proteste im Wald seien ein »Kristallisationspunkt« der Bewegung für Klimagerechtigkeit, sagte eine Aktivistin dem »nd«. Derzeit wird so auch überall im Hambacher Forst von vielen Händen gebaut und gezimmert. Die großen Waldwege werden alle paar Meter durch hohe Barrikaden aus Gehölz unterbrochen. Auch tiefe Gräben haben die Aktivisten gegraben. Man will es RWE so schwer wie möglich machen, in den Wald zu kommen.

Selbst zwischen den Bäumen wird von den Unterstützern gearbeitet: In »Gallien«, einer der Baumhaussiedlungen, gibt es ein dreistöckiges Holzgebäude. Im »Erdgeschoss« liegt eine Werkstatt und ein Lagerraum, darüber die Küche und ganz oben ein Schlafraum. Bis zu 20 Menschen haben hier schon geschlafen, berichtete die Aktivistin, die ihren Namen nicht nennen wollte.

Der Widerstand im Hambacher Forst sei für sie etwas Besonderes, da er das komplette Leben einnehme. Alles, was die Menschen im Wald machten, sei gemeinsam organisiert. Dafür gebe es reichlich Treffen. Ein wichtiger Punkt sei auch die Weitergabe von Wissen. Ob Öffentlichkeitsarbeit, Klettern oder der Bau von Baumhäusern - viel könne man hier lernen, so die Aktivistin.

Die drohende Räumung der Baumhäuser sei für die Unterstützer besonders kritisch. »Man gewöhnt sich an einen Baum, auf dem man lebt.« Man frage sich dann, ob er nicht schon längst gefällt worden wäre, wenn man ihn nicht besetzt hätte.

Die Räumung der Bäume ist technisch wie auch rechtlich herausfordernd. Polizeikletterer und Hubwagen werden dafür zum Einsatz kommen müssen. Allerdings braucht RWE für jedes Baumhaus eine gerichtliche Erlaubnis. Rechtlich stehen die Häuser Wohnungen gleich. Im Zuge der Räumung müssen also Gerichtsvollzieher die Besetzer zum Verlassen ihrer Häuser auffordern. Bis der Hambacher Forst komplett geräumt ist, könnte es also dauern. Allein für jedes der mehr als 30 Baumhäuser wird die Polizei mehrere Stunden brauchen. Wie viele Menschen derzeit im Wald sind, wollen die Besetzer nicht sagen. Die Polizei geht von etwa 200 Personen aus.

Erste Nadelstiche gegen die Räumung konnten Klimaaktivisten schon am Wochenende setzen. Die Aachener Polizei meldete, dass im Umfeld des Tagebaus eine Trafostation in Brand gesetzt wurde. Außerdem blockierten mehrere Braunkohlegegner die Hambachbahn, die für die Versorgung der Kraftwerke mit Kohle benötigt wird. Die Blockierer wurden im Anschluss festgenommen und am Sonntag einem Haftrichter vorgeführt. Andere Aktivisten rufen dazu auf, sich friedlich der Rodung zu widersetzen. Sie schlagen vor, man solle »im Weg rumstehen, singen, springen, tanzen, mahnwachen, Bäume umarmen und so weiter«.

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