Glyphosat-Rebellion in Südamerika

Argentinischer Forscher sieht die schädliche Wirkung des Unkrautvernichters für Menschen als erwiesen an

  • Von Gabriel Tuñez und Janna Krenz, Buenos Aires
  • Lesedauer: 3 Min.

Was soll das hier?

Sei auch du solidarisch und unterstütze linken Journalismus mit einem freiwilligem Abo, einer Spende - oder noch besser entscheide dich für ein Digitalabo.

  • Wählen Sie ein Abo:

    • Online-Abo
    • Kombi-Abo
    • Print-Abo
    • App-Abo
    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit dem Online-Abo erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln in elektronischer Form auf unserer Webseite und dazu das nd-ePaper. Zum Online-Abo
    Mobil, kritisch und mit Links informiert:
    neues deutschland als ePaper – und am Wochenende im Briefkasten!
    Prämie: Das nd-Frühstücksbrettchen. Der Wegbegleiter für den Start in den Tag.
    Zum Kombi-Abo

    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit der nd-App erhalten Sie Zugang zur Zeitung in elektronischer Form als App optimiert für Smartphone und Tablet.

    Die nd-App gibt es für iOs und Android.

    Zum App-Abo
  • Per Überweisung:

    Stichwort: nd-paywall

    Berliner Bank
    IBAN: DE11 1007 0848 0525 9502 04
    SWIFT-CODE (BIC): DEUTDEDB110

    Per Paypal

    PayPal

    Per Sofortüberweisung

    Sofortüberweisung

    Ich habe bezahlt.

  • Ich beteilige mich mit einer regelmäßigen Zahlung

    Wir freuen uns sehr, dass Sie zu dem Entschluss gekommen sind: Qualitätsjournalismus zur Stärkung einer Gegenöffentlichkeit von links ist mir etwas wert!

    Mit ihrem solidarischen Beitrag unterstützen Sie linken unabhängigen Qualitätsjournalismus. Und: Sie unterstützen die Menschen, die sich selbst ein Abo nicht leisten können. Wir sind der Ansicht, dass Journalismus für möglichst alle zugänglich sein soll – deshalb bieten wir einen großen Teil unserer Artikel gratis zum Lesen und teilen im Netz an. Aber nur Dank der Abonnements und Zahlungen vieler Leserinnen und Leser können wir jeden Tag eine Zeitung produzieren: Gedruckt, als Onlineausgabe und als App.

    Turnus

    Minimum 5 Euro/Monat

    Meine Bankdaten

    Persönliche Angaben

    *Pflichtfelder
     
     
  • Ich bin schon Abonnent
    Login

    Passwort vergessen?

  • Jetzt nicht ...
Genveränderter Soja-Anbau in der Provinz Buenos Aires
Genveränderter Soja-Anbau in der Provinz Buenos Aires

»Pueblos fumigados«, besprühte Dörfer, nennen die Argentinier Orte, die von Sojafeldern umgeben sind. Auf einer Fläche von rund 19 Millionen Hektar wächst der Exportschlager des südamerikanischen Landes, Soja füttert den Fleischhunger der Welt, vor allem zu Tierfutter wird es verarbeitet. Argentinien ist mit 53 Millionen Tonnen (2016/17) drittgrößter Sojaproduzent – und einer der größten Abnehmer des umstrittenen Pflanzenschutzmittels Glyphosat.

Nach einer monatelangen Debatte hat die EU-Kommission in Brüssel die Zulassung für den Unkrautvernichter am Montag um fünf Jahre bis 2022 verlängert. Eine Entscheidung, die auch in Argentinien mit Interesse wahrgenommen wird. Dort wächst seit Jahren der Widerstand gegen das Pestizid, noch mehr als in der EU. Mehr als 200 Millionen Liter Glyphosat versprühen argentinische Landwirte laut einer Untersuchung des Journalisten Darío Aranda jährlich und bringen so Schätzungen zufolge rund zwölf Millionen Menschen mit dem Mittel in Kontakt.

Eine Gesundheitsgefahr? Gutachter weltweit widersprechen sich in der Bewertung der Chemikalie. Während die Europäische Lebensmittelagentur keinen Grund zur Sorge sieht, stuft die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation Glyphosat als »wahrscheinlich krebserregend« ein. Die argentinische Niederlassung des Herstellers Monsanto verteidigt natürlich sein Produkt. Dort wird betont: »Es ist wichtig anzumerken, dass IARC nicht die wissenschaftlich fundierte Analyse, die seit Jahrzehnten von Regulierungsbehörden auf der ganzen Welt durchgeführt wurde, berücksichtigt und Daten selektiv interpretiert hat, um zu ihrer Bewertung von Glyphosat zu gelangen.« Doch auf genau diese angeführten wissenschaftlichen Bewertungen ihres Produkts soll der Konzern laut Medienberichten versucht haben, Einfluss zu nehmen.

Zahlreiche argentinische Wissenschaftler beschäftigen sich mit den Auswirkungen des Pflanzengifts auf seine Umgebung. Damián Verzeñassi, Mediziner und Professor an der Universität Rosario, sieht die schädliche Wirkung des Mittels als erwiesen an. Seit der Freigabe von Glyphosat in Argentinien 1996 habe das starke, unkontrollierte Besprühen von Sojafeldern mit Mitteln wie Glyphosat Atembeschwerden, Schildrüsenunterfunktionen, Missbildungen, Fehlgeburten und Krebs hervorgerufen. »Wir können nachweisen, dass sich die Todesursachen in den vergangenen 20 Jahren verändert haben«, erklärte Verzeñassi.

Ein nationales Gesetz, das die Anwendung des Unkrauftvernichters regelt wäre notwendig, sagt María Marta Di Paola, zuständig für Umweltpolitik bei der Stiftung für Umwelt und natürliche Ressourcen. In den Nachbarländern Brasilien und Uruguay müssen Landwirte Abstände zu Wohngebieten einhalten, wenn sie das Pestizid versprühen. In Argentinien empfiehlt das Agrarministerium lediglich, 100 bis 200 Meter Abstand zu Wohnhäusern zu halten. Eine Richtlinie, die viele Provinzen des Landes durch eigene Gesetze ersetzt haben. Eine Lösung könnte Argentinien von der EU indirekt aufgezwungen werden.

»Ein Verbot des Wirkstoffes Glyphosat hätte womöglich auch Auswirkungen auf den Import von Lebensmitteln oder Rohstoffen aus Drittstaaten«, sagt die SPD-Abgeordnete im Europaparlament, Maria Noichl. Die EU ist ein wichtiges Exportziel für Sojaprodukte aus Argentinien. Sollten für Glyphosat neue Regeln festgelegt werden, müssten auch die Südamerikaner die Produktion ihrer Exporte anpassen. »Wenn Glyphosat verboten werden soll, weil es eine begründete Gefahr für die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger gibt, kann man erwarten, dass die Rückstandswerte auf ein sehr niedriges Level verringert werden. Falls Glyphosat aus administrativen Gründen verboten wird, weil beispielsweise die Zulassung ausläuft, könnten sie auf einem ähnlichen oder gleichen Niveau wie aktuell bleiben«, erklärt Noichl, die Mitglied Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung im EU-Parlament ist.

Neue, niedrigere Rückstandswerte für den Exportschlager Soja könnten die argentinische Wirtschaft Milliarden kosten, warnt Pedro Vigneau, Präsident des einflussreichen Landwirtschaftsvereins »Aapresid«. Seinen jährlichen Kongress ließ sich der Verein in diesem Jahr unter anderem von dem Glyphosat-Konzern Monsanto sponsern. dpa/nd

Aus dem nd-Shop
Reale Utopien
Wie weiter mit dem Kapitalismus, jener Gesellschaftsordnung, von der viele meinen, sie sei zerstörerisch für Mensch und Umwelt? Gibt es viel...
24.00 €
Werbung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Schenken Sie schon, oder rätseln Sie noch?

Jetzt aber schnell!

Schenken was wirklich Freude macht. Für diejenigen, die schon alles haben, oder auf kapitalistischen Überfluss verzichten wollen.

Jetzt bestellen oder verschenken