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Klimaexperte glaubt an ein Wunder

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.

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Es könne nicht mehr darum gehen, den Klimawandel abzuwenden, allenfalls, ihn in seinen gefährlichen Auswirkungen zu begrenzen, stellte Professor Ottmar Edenhofer gleich zu Beginn seines Vortrags klar. Der stellvertretende Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung sprach am Dienstag im Landtag zur Linksfraktion.

Von dem Ziel, den Temperaturanstieg im 21. Jahrhundert auf zwei Grad zu begrenzen, seien schon heute 0,8 Prozent »verbraucht«, erläuterte Edenhofer. Es würde nicht ausreichen, wenn die CO2-Emissionen nur nicht noch weiter zunehmen. Aber tatsächlich erlebe die Welt, dass der CO2-Ausstoß »steigt und steigt und steigt«. In der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts werde die Natur »ihre Karten aufdecken.« Vielleicht komme es nicht so schlimm wie erwartet, vielleicht komme es viel schlimmer. »Aber wir können es dann nicht mehr korrigieren«, sagte Edenhofer.

»Ich bin katholisch, ich glaube an Wunder«, begründete der Wissenschaftler seinen Optimismus, obwohl alles, was er berichtete, keinen Anlass dazu gibt. Im Gegenteil: Auch wenn in Europa und in den USA weniger Kohle verstromt werde, die Zunahme in China, Indien, Indonesien und Japan verursache einen insgesamt höheren CO2-Ausstoß. Die Kohleverstromung erlebe gerade »ein unglaubliches Comeback«. Lediglich in China gebe es immerhin schon eine »intensive Diskussion« über die gesundheitlichen Folgen.

Die Lage verschlechtere sich außerdem, weil die Fähigkeit der Tropenwälder, CO2 zu binden, abnehme. Die größere Hitze beeinträchtige die Landwirtschaft in Arabien und Afrika. Lediglich in Russland seien eher positive Ergebnisse des Klimawandels zu erwarten. Unwirtliche Landstriche könnten dort zu klimatisch freundlicheren werden.

Es werde kein Problem mit erschöpften Lagerstätten von Kohle, Gas oder Öl geben, betonte der Klimaspezialist. Im 21. Jahrhundert werde es von all dem genügend geben. »Die Knappheit wird uns nicht auf den Pfad der klimapolitischen Tugend führen.« Nur müssten all diese Rohstoffe größtenteils im Boden bleiben, wenn die Klimakatastrophe abgewendet werden solle. Ein Elektroauto, das mit Kohlestrom »betankt« werde, entspreche in seiner Klimabilanz einem effektiven Dieselauto, zerstörte Edenhofer eine Illusion. Auch wenn die Kosten für die erneuerbaren Energien wider Erwartung rasch gesunken sind - »die Preise sind so, dass es den Anreiz für den Betrieb von Kohle- und Gaskraftwerke gibt«, bedauerte er.

Wenn in China und Indien jede Menge neue Kohlekraftwerke gebaut werden, könne man der Lausitz den Kohleausstieg nicht vermitteln, meinte die Abgeordnete Anita Tack. Das bestätigte der Professor. Brandenburg könne aber in der Niederlausitz eine Modellregion mit beispielhaftem Strukturwandel schaffen. Die Politik müsse sichern, dass einkommensschwache Bevölkerungsschichten nicht die Zeche für den Kohleausstieg zahlen müssen. Linksfraktionschef Ralf Christoffers datierte den Ausstieg Brandenburg aus der Braunkohle auf die Zeit zwischen 2030 und 2040.

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