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  • Anschlag auf CDU-Politiker

»Ich werde mich weiter für Menschen einsetzen«

Auch nach der Attacke auf ihn will sich Altenas CDU-Bürgermeister Andreas Hollstein für Geflüchtete engagieren

  • Von Sebastian Weiermann
  • Lesedauer: 3 Min.

Es ist ein starker Auftritt, den Andreas Hollstein am Dienstagvormittag im Altenaer Rathaus hinlegt. Als Hollstein um 11 Uhr vor die versammelten Journalisten tritt, ist die Attacke auf ihn gerade einmal 15 Stunden her. Hollstein hatte dabei unfassbares Glück. Am Montagabend war er nach einer Sitzung im Rathaus in einen Döner-Imbiss gegangen. Er erzählt, seine Frau sei krank und spricht die Journalisten direkt an, in ihrem Beruf würde man es ja auch kennen, dass man Mahlzeiten nicht immer gut planen könne, deswegen habe er sich an dem Abend für Döner zum Mitnehmen entschieden. Mit dem Imbissbetreiber unterhielt sich der Bürgermeister über politische Themen. Ein weiterer Mann wirkte interessiert, fragte: »Sie sind der Bürgermeister?« Hollstein bejahte die Frage, daraufhin holte der 56-Jährige Werner S. ein 30 Zentimeter langes Küchenmesser aus seinem Rucksack und stach mit den Worten »Ihr lasst mich verdursten und holt stattdessen Flüchtlinge in die Stadt« zu.

Andreas Hollstein konnte sich wegdrehen, dass Messer streifte ihn nur am Hals. Gemeinsam mit dem Imbissbetreiber Demir Abdullah und dessen Sohn gelang es Hollstein, den Mann zu überwältigen und ihm das Messer aus der Hand zu nehmen. Binnen Minuten traf die Polizei ein, die Altenaer Wache befindet sich in Sichtweite. Der Täter schrie die Polizisten an: »Erschießt mich!«, Hollstein blieb cool und sagte, so was passiere in einem Rechtsstaat nicht.

Am Tag nach der Tat bedankt sich Hollstein ausdrücklich bei seinen Rettern. »Ich habe um mein Leben gefürchtet und hätte es verloren, wenn ich nicht Hilfe gehabt hätte«, sagt er. Er spricht davon, dass ihm nach einer schweren Krebserkrankung nun ein drittes Leben geschenkt wurde.

In den letzten zwei Jahren gelangten Andreas Hollstein und die Stadt Altena zu einer gewissen Berühmtheit. Die Stadt hatte sich vor zwei Jahren entschieden, mehr Geflüchtete aufzunehmen, als die Stadt nach dem Verteilungsschlüssel gemusst hätte. Hollstein begründete dies stets damit, dass Menschlichkeit ein wichtiges Gebot sei. Auch in der Unterbringung ist Altena vorbildlich. Die Geflüchteten werden dezentral untergebracht, ehrenamtliche Helfer und die lokalen Vereine bemühen sich um die Integration. Dafür wurde Altena auch schon mit dem »Nationalen Integrationspreis« ausgezeichnet. Wäre die Jamaika-Koalition nicht gescheitert, hätte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Altena in der letzten Woche besucht.

An seiner Politik will Andreas Hollstein festhalten: »Ich werde mich weiter für Menschen einsetzen. Für Geflüchtete und sozial Schwache. Das ist Aufgabe eines guten Bürgermeisters«, sagt er bei der Pressekonferenz. Allerdings findet er auch mahnende Worte. Eine zunehmende Verrohung der Gesellschaft beobachte er schon länger. Immer wieder, auch nach dem Attentat, bekomme er beleidigende und bedrohende E-Mails. Allerdings will sich Hollstein dabei nicht in den Vordergrund stellen, so was geschehe in der ganzen Bundesrepublik. Den Täter hält er für ein »Werkzeug« von geistigen Brandstiftern. Hollstein spricht dabei zwar nicht direkt die AfD an, allerdings ist klar, dass er auch die rechtspopulistische Partei meint.

Gegen den Täter Werner S. wird nun wegen versuchten Mordes ermittelt. Dass er aus politischen Gründen gehandelt hat, ist für Polizei und Staatsanwaltschaft klar. Der 56-Jährige stammt aus Altena, lebt getrennt von seiner Frau und ist arbeitslos. Bei der Polizei ist er schon wegen des Fahrens unter Alkoholeinfluss und wegen einer Körperverletzung bekannt. Auch bei dem Angriff auf Hollstein war er alkoholisiert. Mitglied einer rechten Organisation ist er nach Angaben des Staatsschutzes nicht.

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