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Im Stadion bleibt der Kriegsverbrecher ein Held

Serbische Fans verehren den Völkermörder Ratko Mladic auch nach seiner Verurteilung zu lebenslanger Haft

  • Von Krsto Lazarevic
  • Lesedauer: 3 Min.

Vergangene Woche wurde Ratko Mladic wegen Völkermords zu lebenslanger Haft verurteilt. Trotzdem halten viele Serben den als »Schlächter von Srebrenica« bekannt gewordenen ehemaligen General der bosnisch-serbischen Armee weiterhin für einen Helden, der nur sein eigenes Volk beschützt habe.

Besonders deutlich zeigt sich das im serbischen Fußball. Die Spieler des Kreisligisten FK Kabel aus dem nordserbischen Novi Sad trugen am vergangenen Samstag statt ihrer üblichen Trikots, weiße T-Shirts mit dem Konterfei Ratko Mladics. Nach dem Spiel wurden die Shirts an Fans verteilt. Auch die Ultras von Roter Stern Belgrad machen keinen Hehl aus ihren Sympathien für den Kriegsverbrecher. Minutenlang schrien die verschiedenen Kurven im Wechsel den Namen »Ratko Mladic« und applaudierten sich dann selbst. Am Spielfeldrand hingen zu diesem Zeitpunkt serbisch-nationalistische Banner sowie das Gesicht des serbischen Nazikollaborateurs Draza Mihailovic.

Ein Video der Aktion wurde später auf dem eigenen YouTube-Kanal der Delije, der größten Fanvereinigung von Roter Stern Belgrad, hochgeladen. Bei den Verehrern des verurteilten Kriegsverbrechers handelt es sich also mitnichten um eine Minderheit.

Ratko Mladic und die Ultras von Roter Stern Belgrad unterhielten bereits Anfang der 1990er Jahre regen Kontakt. Während des Bosnienkrieges formierten sich Freiwilligeneinheiten aus den Hardcorefans von Roter Stern Belgrad um Zeljko Raznatovic, die sich schwerster Kriegsverbrechen in Kroatien und Bosnien-Herzegowina schuldig gemacht haben. Diese Truppen halfen Mladic und der offiziellen Armee der Republika Srpska bei Morden und Vertreibungen der nicht-serbischen Bevölkerung aus Teilen Bosnien-Herzegowinas.

Fans des Roten Stern Belgrads veröffentlichten am Freitag eine Nachricht, die Ratko Mladic 2016 höchstpersönlich an den Verein gesendet haben soll. Darin steht: »Liebt euch und die Athleten die eure Gegner sind. Mögen unsere Spiele und Wettbewerbe von Freude und Gesang begleitet sein.«

Beim Spiel gegen Bate Borissow vergangenen Donnerstag zeigten sich die Ultras von Roter Stern etwas subtiler und nannten den Namen Mladics nicht, um keine Strafe des europäischen Verbands UEFA zu riskieren. Dort wurde ein Banner aufgehängt auf dem stand: »Auch wenn du hundert Mal zu lebenslänglich verurteilt wirst, werden dich ehrenhafte Serben weiterhin loben.«

Auch die Ultras des anderen großen serbischen Vereins, Partizan Belgrad, nutzten das Spiel gegen die Swiss Young Boys vergangenen Donnerstag, um ihre Solidarität zum verurteilten Kriegsverbrecher zu zeigen. Auch sie nannten ihn dabei nicht, bedankten sich aber bei seiner Mutter und hielten Bilder eines Nathalia-Felsentellers in die Luft - jene Blume, die bei der Urteilsverkündung auf Mladic’ Schoß lag.

Doch nicht nur von Serben wird er als Held gefeiert. Rechte Ultras von Zenit Sankt Petersburg hingen vergangenen Sonntag beim Europa-League-Heimspiel gegen den FC Vardar ein Banner für ihn auf. Die Botschaft »Ratko Mladic - serbischer Held« war für rund 38 000 Besucher des Spiels gut sichtbar. Die UEFA prüft nun, gegen Roter Stern und Partizan Belgrad sowie Zenit Sankt Petersburg Verfahren wegen Rassismus einzuleiten.

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