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Sanfte Töne, scharfe Kontraste

Knappe Gesprächsnotiz zu den nd-Leserreisen »Zypern - Süd und Nord«

  • Von Michael Müller
  • Lesedauer: 3 Min.
Was spricht dafür, fürs Frühjahr oder den Herbst 2018 (auch) eine nd-Leserreise »spezial« nach Zypern einzuplanen? Vor zwei Wochen hatte ich Gelegenheit, mit Besuchern der nd-Reisemesse in Berlin darüber ins Gespräch zu kommen. Eröffnet wurde der Gedankenaustausch mit einem Bild-Text-Vortrag. Aus ihm entwickelte sich anschließend bald ein lebendiges Erwartungs- und Stimmungsbild.

Da sind natürlich erst einmal ganz allgemein die natürlichen Reize einer Mittelmeerinsel: der Seele schmeichelnde Landschaften mit Gebirgen (Olympos-Gipfel fast 2000 Meter hoch), mit sanften Ebenen und weiten Stränden, mit mildem Frühlings- und Herbstwetter. Weiter gibt es viel gesunde Natur (Kiefern, Eichen, Zypressen, Zedern, jede Menge südliche Blumen, Kräuter und Blühsträucher). Ebenso gutes Essen, vor allem aber gastfreundliche Leute, weltoffen wie weltgewandt. Das überrascht Reisende angesichts der Lage »ganz hinten« in dieser Mittelmeerecke häufig besonders. Ganz ähnlich wie aktuell die in Fußballdeutschland staunend aufgenommene Tatsache, dass Borussia Dortmund durch zwei Remis gegen APOEL Nikosia so gut wie aus dem Champions-League-Rennen ist. Diese kleinen Zyprioten und der große deutsche Mehrfachmeister auf Augenhöhe - wenn das keine Sensation ist!

Doch es gibt noch mehr Verblüffendes. Zypern ist zwar weit vom südöstlichsten Zipfel Kontinentaleuropas entfernt (fast 1000 km sind es bis Athen), und es gehört geografisch eigentlich zu Asien, doch die gesamte Insel ist seit 2004 EU-Mitglied. Der Euro zirkuliert indes nur in der griechisch sprechenden und christlich-orthodox geprägten Südhälfte als offizielle Währung. In der Nordhälfte ist es hingegen die Türkische Lira (Kurs zum Euro 1 : 4,5), und die Bevölkerung spricht vorzugsweise Türkisch, hängt dem muslimisch-sunnitischen Glauben an (der wie in Südosteuropa weitgehend »liberal« praktiziert wird, also mit wenig Schleier, und noch weniger konfessioneller Prohibition).

Geteilt wurde die Insel 1974. Damals hatte die türkische Nordhälfte (massiv unterstützt vom nur 80 km entfernten »Mutterland« ) gegen einen von der griechischen Südhälfte ausgehenden (primär vom »Mutterland«, sprich: damaliges Athener Obristenregime) initiierten Putsch interveniert. Putschziel war der Sturz des ersten gesamt-zyprischen Präsidenten nach der britischen Kolonialzeit (1959), Erzbischof Makarios III. Geteilt ist seither auch die beiderseitige Hauptstadt Nikosia/ Lefkosia (griech.) / Lefkosa (türk.). Passieren kann man die »Grüne Linie« zwar mit Pass oder Ausweis, doch die staats- wie völkerrechtliche Situation ist verzwickt und festgefahren. Möglicherweise kommt es zu einer Wiedervereinigung, ähnlich wie 1989/90 in Deutschland, nur im Schweif einer Wende in der gesamtstrategischen Lage. Touristen, die in der DDR groß geworden sind, haben hier in Gesprächen viele Déjà-vu-Erlebnisse, gute wie trübe, allesamt aber sehr interessante.

Abgerundet sei diese nur sehr lückenhafte Aufzählung guter Reisegründe durch zweierlei: Zypern liegt direkt auf dem alten Weg der Menschheit aus Mesopotamien zu ihrer Neolithisierung und Sesshaftigkeit bis hin nach Europa; die archäologischen Hinterlassenschaften sind demgemäß eindrucksvoll. Zudem kann man auf Zypern des Frühlings und des Herbstes im Levantinischen Meer schon baden - und, wenn man Wetterglück hat, ein, zwei Busstunden später im Troodosgebirge Ski fahren.

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