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Schattenseiten einer Erfolgsgeschichte

Der Teeanbau in Indien ist mit Machtkämpfen und Profitgier untrennbar verbunden

  • Von Katja Neuendorf, SODI
  • Lesedauer: 3 Min.

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Teeplantage in den Nilgiri-Bergen, die mit ihrem tropischen Klima optimale Anbaubedingungen bieten.
Teeplantage in den Nilgiri-Bergen, die mit ihrem tropischen Klima optimale Anbaubedingungen bieten.

Mit jährlich über 1,2 Millionen Tonnen Tee ist Indien nach China der größte Teeproduzent. Der Tee ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Eines der wichtigsten Anbaugebiete sind die Nilgiri-Berge. In einer Höhe von 800 bis 2200 Meter bietet das tropische Klima optimale Bedingungen. Doch wie gelangte der Tee nach Indien und was bedeutete seine Einführung für die Menschen?

Die Geschichte des Teeanbaus ist eng verwoben mit Machtkämpfen und Profitgier. Die Wurzeln der Teeproduktion liegen in China. Das mächtige Kaiserreich hatte bis Ende des 18. Jahrhunderts eine Monopolstellung über den Tee und wurde somit reich. Auch das Wissen über den Teeanbau blieb der Außenwelt verschlossen. Der chinesische Tee wurde ab 1669 von der britischen East India Company (EIC) nach Europa importiert, wo das Getränk sich seit dem 17. Jahrhundert immer größerer Beliebtheit erfreute. Doch China verlangte ausschließlich Silber als Handelswährung für den Tee. Da mit steigendem Handelsvolumen auch die Silberreserven der Briten zuneige gingen, sie aber nicht auf den lukrativen Handel verzichten wollten, betrieben die Briten im besetzten Indien Opiumanbau. Durch den Schmuggel ins benachbarte China und eine massiv kalkulierte Opiumsucht gelangte man an neues Silber. Mit dem großen Unmut Chinas und der Profitgier beider Parteien mündete dieser Konflikt schließlich in die Opiumkriege, welche China in den Status eines Koloniallandes zwangen und zur Öffnung. Trotz dieser Wendung konnte das Geheimnis des Tees erst 1850 mit den ersten Teepflanzen und angeworbenen chinesischen Teebauern von Robert Fortun aus China ins britische Indien geschmuggelt werden. So erfuhr er als erster Europäer, dass Grüner Tee und Schwarzer Tee aus derselben Pflanze hergestellt werden.

1850 wurde in Assam die erste Teeplantage außerhalb Chinas errichtet. Zuerst im Norden in Regionen wie Assam und Darjeeling praktiziert, wurde der Teeanbau zeitnah in den Nilgiri-Bergen übernommen. Während der britischen Kolonialzeit (1857-1947) wandelte sich der abgelegene Bezirk unter anderem durch die Ausdehnung der Teeplantagen schnell. Auch demografisch brachten die wirtschaftliche Umstrukturierung und die damit einhergehenden Wanderarbeiter aus dem Flachland eine Veränderung. Die einheimische Gruppe der Adivasi, die hauptsächlich durch und mit dem Wald lebte, wurde immer mehr zu einer Minderheit.

Das Streben der britischen Kolonialmacht nach Profiten und Macht veränderte das Leben vieler Inder. Die zwangsweise Verlegung von Vertragsarbeitern in die verschiedenen Teeanbaugebiete wie Assam oder Sri Lanka führte zu ethnischen Spannungen und gewaltgeladenen Konflikten. Um nach dem Verbot der Sklaverei im Britischen Empire 1833 die Plantagen bewirtschaften zu können, heuerte man Arbeiter*innen an, deren Verträge aber kaum besser als die Sklaverei waren. Auch die Adivasi waren von Landnahme und Fremdherrschaft betroffen, versuchten sich jedoch mit mehreren Aufständen zu wehren. Ihres Bodens beraubt, gerieten viele Adivasi in die Schuldenfalle der Grundbesitzer, die auch künftige Generationen verpflichtete.

Auch nach der Unabhängigkeit Indiens beeinflusst die Folgen des Kolonialismus bis heute die indische Gesellschaft, in der die Verarmung und Entrechtung größerer Bevölkerungsteile immer noch Realität sind. In den 1960er repatriierten ehemals zwangsversetzte Plantagenarbeiter aus Sri Lanka und vergrößerten die Teeproduktion in Nilgiri. 1985 beschloss die indische Regierung, in der Region Tee als Cash Crop anzubauen, ohne die Adivasi als zwangsweise neue Teebauern entsprechend mit Wissen auszustatten. So kämpfen die Adivasi heute wie früher für ihre Rechte und eine gesicherte Existenz.

Mit Soli-Projekten, wie der Teekooperative von SODI und CTRD, werden die Selbstbestimmung und die Lebensqualität der Minderheit gestärkt und das Wissen um ökologischen Teeanbau verbreitet.

Unsere Autorin arbeitet als Assistenz Öffentlichkeitsarbeit/ Fundraising bei SODI.

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