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Eine für alle, alle für eine

Gabriele Engelhardt trainiert die deutschen Meisterinnen im Völkerball

Völkerball gibt es ja neuerdings sogar im Fernsehen. Wird Ihr Sport, den einst Zeltlagerromantik geprägt hat, jetzt plötzlich Pop?

Na, das hoffen wir doch! Andererseits waren wir doch leicht verwundert, dass die Produzenten des Formats keinen Kontakt gesucht haben zu den Aktiven aus unserer Szene. Im Ergebnis musste ich immer wieder wegschalten während der Sendung, denn am Stück konnte ich mir das Spektakel nicht anschauen.

Warum?

Für die Fernsehmacher war Show offensichtlich wichtiger als Spielrealität. Aber immerhin sind durch das TV-Format viele Menschen auf unseren Sport aufmerksam geworden, und das finde ich wiederum gut.

Der Begriff »Völker«-Ball findet sich auch irgendwie im ominösen Wort »völkisch« wieder. Besteht nicht die Gefahr, dass das Spiel missverstanden werden kann, etwa aktuell vor dem Hintergrund der Debatte um Flüchtlinge und Migration?

Noch nie habe ich gehört, dass jemand den besagten Zusammenhang hergestellt hat. Leute, die Völkerball spielen, tun etwas gemeinsam, das verbindet. Der Plural »Völker« definiert unsere Disziplin - und eben gerade nicht das fiese Attribut »völkisch«. Inzwischen haben wir übrigens auch schon zwei Wettkämpfe gemeinsam mit Flüchtlingen veranstaltet, von denen die meisten aus Syrien stammten. Sie sprachen erst wenig Deutsch, aber wir haben uns mit Händen und Füßen prima verstanden. Es war ein alle verbindender Megaspaß!

Völkerball ist zwar im Verlauf weit weniger aggressiv als Fußball oder Eishockey, doch das Spielziel im Völkerball, das gegnerische Team durch Abwürfe zu dezimieren, wirkt auch ziemlich aggressiv, oder?

Was soll daran aggressiv sein? Das ist Sport. Und zu echtem Sport gehören Kampf und Feingefühl, aber keine Hau-drauf-Mentalität.

Feingefühl im Völkerball? Sie scherzen ein bisschen.

Oh nein! Sie dürfen nicht stumpf rumballern, sondern müssen schon genau zielen. Beispielsweise sind Kopftreffer streng verboten.

Immerhin soll Völkerball die Wurzeln in rituellen Kriegsspielen haben. Konsequente Pazifisten könnten sich daran ebenso stören wie am Schießsport.

In diese Richtung denke ich überhaupt nicht. Nochmals: Es geht bei uns um Sport. Außerdem wäre Völkerball in der Vergangenheit - mal unterstellt, dass Ihre Theorie stimmt - doch ein echter Fortschritt. Besser mit Bällen werfen als mit Speeren, oder?

Vor Ihrem Wechsel zu Völkerball haben Sie Volleyball gespielt. Eine mutige Entscheidung: vom Trendsport - vor allem in der Variante Beachvolleyball - zu einer nichtolympischen Disziplin.

Beim Völkerball ist das Team alles, das schätze ich besonders. Auf jede Spielerin kommt es an, alle sind gleich wichtig! Auf dem Feld mag vielleicht nur noch eine Frau stehen gegen fünf Gegnerinnen, aber diese eine Frau kann die Partie letztendlich noch fürs gesamte Team rumreißen.

Also frei nach dem Wahlspruch »Einer für alle, alle für einen!«.

Ja, tatsächlich ein bisschen frei. Bei uns eben »Eine für alle, alle für eine!« (lacht) Ein Match ist erst dann entschieden, nachdem die letzte Frau ausgeschieden ist.

Wie lange kann das dauern?

Bis zu einer Stunde. Und wir haben öfter noch zwei weitere Begegnungen an einem Punktspielwochenende. Da braucht es gute Kondition. Deswegen schmunzele ich mitunter über Profifußballer, von denen manche schon in der zweiten Halbzeit schwächeln.

Nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2016 wollen Sie mit Ihrer Damenauswahl 2018 den Titel verteidigen. Was ist die beste Taktik, um die Konkurrenz vom Platz zu fegen?

Antäuschen ist kein schlechter Plan. Sie picken eine Gegenspielerin raus, jagen die hin und her, aber zielen plötzlich auf ein anderes Teammitglied und erwischen die Frau auf dem falschen Fuß.

Völkerball ist eine populäre Leibesübung an Schulen, schließlich braucht es dafür keine ausgefeilte Technik.

Irrtum, die Anforderungen sind, wenn man auf höherem Niveau spielt, kaum geringer als im Volleyball. Neulinge haben allein schon Probleme, den Ball einer Mitspielerin ordentlich zuzuspielen. Und ganz wichtig: Sie dürfen keine Angst vor dem Ball haben! Sie sollten ihn entschlossen packen, anstatt sich ständig wegzuducken.

Bisher ist organisierter Völkerball ein reiner Frauensport.

Eigentlich ist das schade. Denn auch die Männer sind immer total begeistert, wenn sie ausnahmsweise mal mitmachen dürfen bei einer Open-Veranstaltung. Allerdings beginnen sie nicht selten nach der ersten Runde bereits an zu Japsen und zu staunen: »Echt Wahnsinn, was ihr Frauen da leistet!«

Infos unter www.dtb-online.de/portal/sportarten/voelkerball.html. Und dieser Youtube-Clip zeigt, wie es abgeht beim Finale einer Partie im Völkerball im organisierten Spielbetrieb: https://youtu.be/KXIWrFUFSUg

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