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Georg Iggers

Nachruf

  • Von Mario Keßler, New York
  • Lesedauer: 2 Min.

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Er gehörte zu den letzten noch lebenden Wissenschaftlern, die von Hitler vertrieben wurden und später zu Mittlern zwischen der neuen Heimat und Nachkriegsdeutschland avancierten. Was Georg Iggers jedoch auch hier heraushob: Er bemühte sich wie kein anderer um den Dialog mit Wissenschaftlern der DDR, nicht nur mit deren etablierten Vertretern, sondern auch mit den Jüngeren, denen er trotz komplizierter Bedingungen Kontakte in die westliche Welt zu verschaffen suchte.

Georg Iggers wurde am 7. Dezember 1926 in Hamburg geboren und floh 1938 mit der Familie. In Richmond (Virginia) traf er, der die »Rassengesetze« des Hitler-Regimes erlebt hatte, auf die Realität des amerikanischen Südens mit der Diskriminierung der Schwarzen. Zeitlebens war er ein Verfechter der Bürgerrechte auch für Afro-Amerikaner.

Nach der 1951 in Chicago erfolgten Promotion lehrten Georg Iggers und seine Frau Wilma, die mit ihrer Familie vor den Nazis aus der Tschechoslowakei geflüchtet war, an der Xavier University in New Orleans und dem Philander Smith College in Little Rock/Arkansas. Beide Hochschulen waren traditionell »schwarze« Lehranstalten und materiell schlecht ausgestattet. Im Zuge des Ausbaus des US-Universitätssystems wurden Georg und Wilma 1965 schließlich als Professoren nach Buffalo berufen: Georg an die dortige Abteilung der State University of New York, Wilma an das Canisius College. Beide riskierten beruflich viel, als sie sich für Kriegsdienstverweigerer einsetzten, die nicht zum Töten und Getötetwerden nach Vietnam geschickt werden wollten.

Der Historiker Iggers schuf wichtige Werke zur Historiographiegeschichte, darunter 1971 sein bekanntestes Buch »Deutsche Geschichtswissenschaft«. Georg und Wilma bezogen nach der Emeritierung viele Jahre lang einen Zweitwohnsitz in Göttingen - ab Ende 1989 Anlaufpunkt für Freunde aus der DDR. Immer wieder richtete der nichtmarxistische Sozialist Iggers sein Augenmerk auf die DDR-Wissenschaft, wobei für ihn Würdigung und Kritik zusammengehörten. Besonders Leipzig hatte es Georg und Wilma angetan: Ihr »Quartiermeister« war ein linkes, doch dem DDR-System fernstehendes christliches Ehepaar. Wichtigster Anlaufpunkt an der dortigen Universität war Werner Berthold, der die einzige Professur für Historiographiegeschichte in der DDR innehatte und den Deutsch-Amerikaner oft einlud.

Regelmäßig besuchte Iggers die Reformsynagoge: »Mir liegt Israel am Herzen, auch wenn ich mit dessen Politik gar nicht einverstanden bin.« Aus eigener Erfahrung weiß der Autor dieser Zeilen auch von der Hilfe, die er DDR-Historikern nach 1989 zuteil werden ließ. Die Erinnerung an ihn bleibt nicht nur nur durch seine Bücher lebendig.

Am 26. November starb Georg Gerson Iggers kurz vor seinem 91. Geburtstag in der Nähe von Buffalo im US-Staat New York. Mario Keßler, New York

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