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Ökonomen warnen vor Bitcoin-Spekulationsblase

Nach dem neuesten Höhenflug der Kryptowährung wird über das Marktrisiko diskutiert

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Sind sie nun das neue, digitale Supergeld oder einfach nur hochriskante Spekulationsobjekte? Die Meinungen, was Bitcoins sind, gehen weit auseinander. Auf jeden Fall sind diese digitalen Münzen derzeit aber so gefragt wie noch nie. Ihr Kurs knackte diese Woche erstmals die Marke von 11 000 US-Dollar und hat sich damit seit Jahresbeginn mehr als verzehnfacht. Alle Bitcoins zusammen waren damit zeitweilig rund 190 Milliarden US-Dollar wert.

»Der Bitcoin ist heute ein instabiles und spekulatives Instrument und es gibt nicht wenige, die vorhersagen, dass das Ganze ›schlecht enden wird‹. Schlecht für diejenigen natürlich, die auf ihn gesetzt haben«, warnte Mitte der Woche die spanische Zeitung »El País« vor einem Platzen der Blase. Würde dies tatsächlich so geschehen, wäre es nicht nur aus marktwirtschaftlichen Gründen der größtmögliche Unfall für die Schöpfer dieser digitalen Währung.

Schließlich entstand die digitale Währung kurz nach der Finanzkrise. »Banken muss vertraut werden, dass sie unser Geld aufbewahren und es elektronisch transferieren, doch sie verleihen es in Wellen von Kreditblasen mit einem kleinen Bruchteil an Deckung«, schrieb der Bitcoin-Erfinder, ein anonymer Internetaktivist unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto, Ende 2008 über das gegenwärtige Geldschöpfungssystem aus Zentral- und Geschäftsbanken. »Mit einer elektronischen Währung, die auf einem kryptografischen Beweis beruht und kein Vertrauen in Mittelsmänner benötigt, ist Geld sicher und kann mühelos transferiert werden«, begründete er das Prinzip hinter den Bitcoins. So werden sie im Gegensatz zu »richtigen« Währungen nicht von Zentralbanken ausgegeben.

Die ersten dieser digitalen Münzen wurden am 3. Januar 2009 geschöpft. Anfangs hatte das Kryptogeld noch keinen in einer anderen Währung bezifferten Wert. Bis Ende 2011 bewegte sich der Bitcoin-Kurs im Vergleich zum US-Dollar meist nur im einstelligen Bereich. Doch mittlerweile sind Bitcoins nicht mehr nur für Computernerds von Interesse. Dies liegt weniger daran, dass ihr Wert massiv gestiegen ist, sondern viel mehr an der Technologie, die hinter ihnen steckt.

Bitcoins werden durch komplizierte Rechenoperationen in einem Computernetzwerk geschöpft und verwaltet. Kern der Währung ist die sogenannte Blockchain, eine Datenbank, in der alle bisherigen in der digitalen Währung getätigten Transaktionen dezentral gespeichert werden. Und eben diese Blockchain-Technologie ist für viele Banken und Versicherungen eine Zukunftstechnologie. Jedoch nicht als neue Währung, wie die Bitcoin-Erfinder hofften, sondern als interne Möglichkeit Daten und Vorgänge sicher zu speichern.

Das Problem, das Bitcoins als Währung haben, ist, dass die für sie benötigte Rechnerleistung, exponential ansteigt. Dadurch verbrauchen Bitcoins immer mehr Energie. Den Experten der Internetplattform Digiconomist zufolge verbraucht die virtuelle Währung mittlerweile 30,25 Terawattstunden Strom pro Jahr. Dies entspricht in etwa dem Stromverbrauch von Marokko oder 0,13 Prozent des globalen Verbrauchs. 159 Staaten - darunter Irland und die meisten afrikanischen Länder - kommen mit weniger aus.

Andere Zahlungssysteme kommen der Digiconomist-Studie zufolge mit weitaus weniger Energie aus. Über das Kreditkartensystem von Visa zum Beispiel liefen 2016 insgesamt 82,3 Milliarden Transaktionen, die so viel Strom wie 50 000 US-Haushalte verbrauchten. Bei der Bitcoin-Währung entspricht der Verbrauch dem von 2,8 Millionen Haushalten. »Der unendliche Bitcoin-Kreislauf regt Menschen überall auf der Welt an, Bitcoins zu schöpfen«, schreiben die Experten. Und so lange das Schöpfen neuer Bitcoins eine verlässliche Quelle von Erlösen ist, seien Menschen mehr als bereit dazu, energiehungrige Maschinen am Laufen zu halten, um ein Stück vom Kuchen zu bekommen. So verursacht die Schöpfung neuer Bitcoins zwar Kosten in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Dem gegenüber stehen aber auf Grund der Wertsteigerung im Moment Erlöse in Höhe von fast 8,6 Milliarden.

Doch in der Vergangenheit ist es des Öfteren vorgekommen, dass der Bitcoin-Kurs abstürzte. Auch bei der gegenwärtigen Rallye kam es zu einem sogenannten Flash-Crash. Am Mittwochabend brach der Kurs binnen kürzester Zeit um 20 Prozent ein. »Der Flash-Crash beim Bitcoin unterstreicht die Risiken von Kryptowährungen«, sagte der LINKE-Bundestagsabgeordnete Fabio De Masi.

Diese Schwankungen sind auch der Grund, warum man bei der Bundesbank Bitcoins mehr als Spekulationsobjekt denn als echtes Geld ansieht: »Ihr relativer Wert entwickelt sich hochvolatil, die - zumindest temporär - starren Algorithmen sind ungeeignet für eine stabilitätsorientierte Geldpolitik, und Änderungen dieser Algorithmen erfolgen intransparent«, schrieb Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele jüngst in einem Beitrag für das Münchner Ifo-Institut.

Zum Wochenende hin war die Digitalwährung nicht mehr ganz so viel wert wie zur Mitte der Woche. Der Bitcoin-Kurs schwankte am Freitagmittag um die 10 000-Dollar-Marke. Alle Bitcoins zusammen waren damit noch knapp 170 Milliarden US-Dollar wert.

Das Geheimnis um die die Identität von Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto ist derweil noch immer nicht gelüftet. Zwar kam jüngst das Gerücht auf, dass es der Chef des Elek-troautobauers Tesla, Elon Musk sei, der schon das Online-Bezahlsystem Paypal mitgegründet hatte. Doch Musk dementierte postwendend per Nachrichtendienst Twitter, Nakamoto zu sein.

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