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Rückgang alarmiert Touristiker

Marketing-Fonds werden im Nordosten deutlich erhöht

  • Von Joachim Mangler, Linstow
  • Lesedauer: 3 Min.

Auch wenn die Verantwortlichen der erfolgsverwöhnten Tourismusbranche Mecklenburg-Vorpommerns sagen, dass in diesem Jahr die zweitbeste Bilanz nach 2016 vorgewiesen werden kann, ist klar: Der Dämpfer durch die September-Statistik zeigt Wirkung. In den ersten neun Monaten musste die Branche einen Rückgang von 1,9 Prozent verkraften.

Es ist jedoch nicht der Rückgang alleine, der Sorgen bereitet. Der Nordosten ist das einzige Bundesland, das ein Minus erwirtschaftete. Jedes andere Bundesland war im Plus. »Das Wetter ist nicht schuld«, machte der Präsident des Deutschen Tourismusverbands, Reinhard Meyer, den rund 200 Zuhörern beim 27. Tourismustag in dieser Woche in Linstow deutlich. Die anderen Länder hatten auch Regen und Sturm.

»Vorne bleiben« - unter diesem Motto stand die Veranstaltung. Landeswirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) eröffnete den Touristikern, dass die Landesgelder zur Unterstützung der Branche um jährlich 800 000 Euro auf knapp drei Millionen Euro aufgestockt werden. Damit soll in den kommenden drei Jahren das Marketing und das Regionalmanagement speziell im ländlichen Raum gefördert sowie eine Qualitätsstrategie entwickelt und umgesetzt werden - ein deutliches Zeichen dafür, dass in diesen Bereichen Nachholebedarf besteht.

Dazu komme noch eine Million Euro für die ITB-Kampagne - als erstes deutsches Bundesland wird Mecklenburg-Vorpommern Partnerland der weltgrößten Tourismusmesse ITB in Berlin. Auch die Personalkosten werden mit einer knappen Million Euro unterstützt. ITB-Partnerland zu sein, habe bei den anderen Bundesländern selten so viel Neid ausgelöst, sagte Meyer. »Enttäuschen Sie nicht die Erwartungen«, mahnte er.

Für den Vorsitzenden des Landestourismusverbandes, Wolfgang Waldmüller, ist die zusätzliche Geldspritze »ein Bekenntnis zum zentralen und stabilen Wirtschaftsfaktor Tourismus, der viele andere Zweige und Bereiche stützt und stärkt«. Neben der ITB gibt es noch weitere Großaktionen. 2019 ist Rostock Gastgeber des Deutschen Tourismustags und 2020 kommt der German Travel Mart, die wichtigste deutsche Messe für internationale Reise-Einkäufer, ebenfalls nach Rostock. Gelegenheiten also für die Branche, sich national und international wieder in die Schlagzeilen zu bringen.

Trotzdem mahnte Meyer eine längerfristige Tourismusstrategie an, wie sie andere, aktuell erfolgreichere Länder haben. »Die muss mit allen Akteuren verabschiedet werden. Und gleichzeitig muss es ein Umsetzungscontrolling geben.« Strategien gebe es überall, eine Kontrolle, ob etwas umgesetzt worden ist, dagegen nicht. Welche Wirkung das System aus vielen Zuständigkeiten ohne Gesamtstrategie hat, kann beim Radwegenetz beobachtet werden. Nicht nur der Allgemeine Deutsche Fahrradclub ist unglücklich über den Zustand der Radwege und die Löcher im Wegenetz.

Viel Aufmerksamkeit bekam in Linstow Christian Kresse aus dem österreichischen Kärnten, wo jährlich rund 13 Millionen Übernachtungen gezählt werden. In Mecklenburg-Vorpommern waren es 2016 rund 30,6 Millionen. Im Vergleich zu seinen Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern schwimmt der Geschäftsführer von Kärnten Werbung im Geld: Sein Gesamtetat betrage zwölf Millionen Euro. Normalerweise müsse eine Landestourismus-Organisation mindestens einen Euro pro Übernachtung einnehmen, sagt er. Wenn es weniger ist, könne das Marketing nicht so ausgeführt werden wie es nötig wäre. dpa/nd

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