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Ein Spiel zum Abschiednehmen

Bundesliga-Schlusslicht 1. FC Köln trennt sich nach 2:2 auf Schalke von Trainer Peter Stöger

  • Von Andreas Morbach, Köln
  • Lesedauer: 4 Min.

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Pünktlich zum ersten Advent wurde es vorweihnachtlich in Köln. Am Sonntagmorgen segelten die ersten Schneeflocken des Winters vom Himmel, auch das Gelände rund ums Geißbockheim sah aus wie mit einer feinen Schicht Puderzucker bestäubt. Nur die protestierenden Fans vor dem Hauptquartier des Schlusslichts in der Fußball-Bundesliga wollten nicht ins heimelige Bild passen. Ein letztes Mal legten sie sich verbal für Cheftrainer Peter Stöger ins Zeug - was an dessen seit Freitag beschlossenem Rauswurf natürlich nichts änderte.

Wie beim Rauswurf von Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke Ende Oktober verbreitete der Verein die Nachricht am Sonntagmittag mit dem Hinweis auf eine »einvernehmliche« Trennung. Die offiziellen Statements aller Beteiligten waren verziert mit Worten tiefen Bedauerns - wie nach einer wundervollen Liebesaffäre, deren Ende beide Partner einfach nicht wahrhaben wollten. Auch wenn sie längst wussten, dass es keine andere Lösung mehr gibt.

Immerhin bekam Stöger nach viereinhalb Jahren beim 1. FC Köln so Gelegenheit, sich nach dem 2:2 auf Schalke ganz bewusst von seiner Mannschaft zu verabschieden. Für die noch immer sieglosen Rheinländer war es das beste ihrer drei bisherigen Remis in dieser Saison. Der Schlussstrich unter der Ära Stöger war unabhängig von der Qualität des Spiels aber schon vorher gezogen. Der Österreicher herzte gemeinsam mit seinem ebenfalls entlassenen Assistenten Manfred Schmid die Kölner Profis nach dem Abpfiff - und zog vor den angereisten Kölner Fans sein Käppi.

In den letzten drei Ligaspielen des Jahres gegen Freiburg, bei Bayern München und gegen Wolfsburg wird nun U19-Trainer Stefan Ruthenbeck als Interimslösung versuchen, die monumentalen neun Punkte Rückstand auf den Relegationsrang zu verkürzen. Darüber hinaus hat der abgestürzte 1. FC Köln erstaunlicherweise sowohl in Europa League (mit einem Sieg am Donnerstag bei Roter Stern Belgrad) sowie im DFB-Pokal (Achtelfinale am 19. Dezember auf Schalke) die Chance zum Überwintern.

Peter Stöger, der so lange wie kein anderer Fußballlehrer die sportlichen Geschicke der Kölner leitete, wird das weitere Schicksal des Geißbockklubs aus seiner österreichischen Heimat verfolgen - und parallel dazu Trauerarbeit verrichten. Bei der Pressekonferenz vor dem Schalke-Spiel klang der 51-Jährige bereits spürbar desillusioniert. Egal ob Lösung A oder B, er könne mit allem leben - nur nicht mit dieser Unklarheit, betonte der Aufstiegstrainer vom Mai 2014. Ehe er wie ein innerlich verletzter Galan erklärte: »Wir haben uns im Verein ein Stück weit von Werten gelöst, die wir über Jahre gelebt haben. Da geht es um Vertrauen, Respekt und Verantwortung.«

Seit dem Einstieg von Stöger und Sportchef Schmadtke im Sommer 2013 ging es mit der einstigen Skandalnudel vom Rhein kontinuierlich aufwärts. Aus der zweiten Liga auf die Plätze zwölf, neun und fünf in der nationalen Beletage - und mit den ersten internationalen Auftritten nach 25 Jahren ungewollter Enthaltsamkeit als Krönung der Glücksgefühle. Dass der sportliche Höhepunkt damit erreicht war, dämmerte Stöger spätestens beim Sommertransfer des im Grunde unentbehrlichen Torfabrikanten Anthony Modeste nach China. Aus dem Urlaub kam Stöger wohl schon mit der Vorahnung vom bevorstehenden Verfall.

Doch dass es so schlimm kommen würde wie in diesem Herbst, ahnte damals nicht mal er. Spektakulär war das Kölner Spiel unter Stöger nie, aber immer stabil, so wie die Einkaufspolitik von Jörg Schmadtke. Die Hoffnung, dass es wieder so werden könnte, war groß - und damit lange resistent gegen das Offensichtliche. Bis zum letzten Freitag.

Spieler, Mitarbeiter, Fans und die Stadt Köln seien ihm ans Herz gewachsen, ließ sich Stöger zum Abschied zitieren. Geschäftsführer Alexander Wehrle schloss sich dem emotionalen Zungenschlag an, indem er erklärte: »Wir haben in den vergangenen Tagen gespürt, dass unser gemeinsamer Weg zu Ende ist.« Weniger gefühlig hielt es angesichts der nach wie vor katastrophalen Gesamtsituation Präsident Werner Spinner: »Die Entscheidung fällt uns sehr schwer und tut uns weh.« Auf die Frage, ob die Trennung von Peter Stöger zum falschen Zeitpunkt erfolgt sei, meinte der Klubchef nur kühl: »Im Nachhinein ist man immer klüger.«

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