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»Wir haben ein junges Indien und haben jetzt einen jungen Präsidenten.« So begrüßte der Chefminister des Unionsstaates Punjab, Amarinder Singh, die Beförderung des 47 Jahre alten Rahul Gandhi zum Vorsitzenden der Indischen Kongresspartei am Montag. Er werde, so Singh, einen »sehr guten Premierminister« abgeben. Aber so weit ist es noch lange nicht. Ganz im Gegenteil, die Kongresspartei steckt in der tiefsten Krise ihrer weit über hundertjährigen Geschichte. 2009 stellte sie noch 206 von 543 Parlamentsabgeordneten. Heute sind es lediglich 44.

Rahul Gandhi löst seine Mutter Sonia an der Parteispitze ab und setzt damit die Familientradition fort, die Urgroßvater Jawaharlal Nehru einst begründete. Diese Erbfolge wirft die herrschende Indische Volkspartei (BJP) der Rivalin in der Opposition vor und spricht von »dynastischer Herrschaft« des Gandhi-Clans.

Auf dem relativ jungen Politiker ruhen nun alle Hoffnungen. Er hatte sich nur widerwillig in die Politik drängen lassen. Erfahrungen sammelte er in der Jugendorganisation der Partei. Von Charisma kann bei ihm keine Rede sein. Premier Narendra Modi ist ihm rhetorisch haushoch überlegen. Das ist bei einem immer noch beträchtlichen Anteil von Analphabeten in der Bevölkerung ein bemerkenswerter Nachteil.

Ob mit Rahul ein Ruck durch die Partei geht und sie in der Wählergunst steigt, wird sich bereits bei Wahlen im Unionsstaat Gujarat am 9. und 14. Dezember zeigen. Hier war Modi 23 Jahre lang Chefminister, auch wenn Massaker an Muslimen im Jahr 2002 seine Amtszeit arg befleckten. Rahul Gandhi glaubt, gerade in Modis »Wohnzimmer« eine Trendwende einleiten zu können. Er attackiert den Premier tagtäglich mit Fakten, wie beispielsweise dem, dass Gujarat im Landesmaßstab den dritten Platz im Mädchenhandel einnimmt.

Der Neue ist sich bewusst, eine Herkulesaufgabe in Angriff nehmen zu müssen, um das Kongressschiff wieder flott zu machen. Allein kann er dieses Wunder der Auferstehung nicht vollbringen: Dazu müsste die Partei von Grund auf erneuert werden.

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