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Eine Frage der Ehre

Ein Schwerpunkt zum Tag des Ehrenamts

  • Lesedauer: 13 Min.

Algisa Peschel ist Vorsitzende des Berliner Behindertenverbandes im Stadtbezirk Mitte. Im Ehrenamt. Das heißt: Ihre Tätigkeit mit Behinderten und für sie übt sie in der Freizeit und ohne Entlohnung aus. Seit zehn Jahren ist sie befreundet mit der Rollstuhlfahrerin Gabi K. Sie kümmert sich um Gabi K., begleitet sie durch die Stadt.

Damit gehört Algisa Peschel zu den rund 30 Millionen Menschen in Deutschland, die ein Ehrenamt ausüben. Ob in der Kultur oder im Sport, im sozialen Bereich oder in der Flüchtlingsbetreuung, in der politischen Arbeit, im Umweltschutz oder bei der Aufrechterhaltung des Gemeindelebens in den Kommunen - es gibt wohl keinen Teil der Gesellschaft, in dem Ehrenamtler nicht eine unentbehrliche Hilfe wären.

Weil das so ist, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern überall, hat die UNO vor über 30 Jahren einen Internationalen Tag des Ehrenamts ausgerufen, an dem die Arbeit der vielen Freiwilligen gewürdigt wird. Deshalb werden rund um diesen 5. Dezember auf Festveranstaltungen Orden verliehen und Reden gehalten. Was dabei meist im Hintergrund bleibt: Die Arbeit der Ehrenamtler ist auch deshalb so wichtig, weil sich der Staat mit Berufung auf Sparzwänge immer weiter aus seinen Pflichten zurückzieht. Ehrenamt könne aber immer nur ein Zusatz zur staatlichen Grundversorgung sein, sagt dazu der Flüchtlingsberater Manuel Armbruster im nd-Interview.

Wir gehen solchen Fragen nach und stellen zahlreiche Menschen vor, die wie Algida Peschel einen erheblichen Teil ihrer Freizeit opfern, um anderen zu helfen. Die dabei gleichzeitig etwas für sich selbst tun - Ehrenämter können durchaus auch Spaß machen - und ja: Lücken füllen, die der Staat aufreißt. wh

Anna Müller: Solidarisch gegen Rechts

An den Sommer und Herbst 2015 erinnert sich Anna Müller noch gut . Ob bei Hitze oder Kälte - bei jedem Wetter warteten damals Tausende Geflüchtete vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) stundenlang auf ihre Registrierung. »Als klar wurde, dass auch in Friedrichshain Notaufnahmelager entstehen würden, haben sich einige Leute zusammengetan, um zu helfen«, erzählt die 29-Jährige. Sie war eine von ihnen.

Sie gründete die Initiative »Friedrichshain Hilft« mit. Zusammen mit anderen half sie ehrenamtlich bei der Essensausgabe in zwei Notunterkünften und gründete eine Kleiderkammer im Bezirk. Dort konnten Menschen Bekleidung spenden. Müller sortierte diese in ihrer Freizeit und organisierte die Verteilung in die Flüchtlingsunterkünfte.

Zwei Jahre später ist die Kleiderkammer geschlossen und Müller ist wieder zum Ausgangspunkt ihrer ehrenamtlichen Aktivitäten zurückgekehrt. »Denn nach dem Sommer der Solidarität folgte der Winter der Nationalisten«, sagt sie, die jahrelang gegen Rechts aktiv war, bevor sie begann, Spenden für Geflüchtete zu organisieren. Jetzt ist die studierte Juristin bei »Aufstehen gegen Rassismus« aktiv. Das Bündnis hat 39 Ortsgruppen. Sie ist eine von drei Hauptamtlichen, koordiniert und leitet dort sogenannte Stammtischkämpfer-Seminare. Mittlerweile über 6000 Menschen haben sie und ihre Mitstreiter in diesen Workshops darin geschult, rechte Parolen von Kollegen, Verwandten und Bekannten zu entkräften. Auch hier läuft das meiste ehrenamtlich. Weil sich das Bündnis konsequent gegen die AfD stellt, wird es von staatlichen Stellen nicht gefördert.

Für Müller gehen politischer Aktivismus und Ehrenamt Hand in Hand. Das Eine ist für sie nicht denkbar ohne das Andere. Manch eine hässliche Situation wäre vielleicht schlimmer ausgegangen, hätten sich Antifas nicht schützend vor Flüchtlingsheime gestellt. Und auch heute gebe es wieder genügend gute Gelegenheiten zu spenden - etwa für Obdachlose. Denn Solidarität ist Müllers Antwort auf die AfD. spo

Johanna Neumann: Blick auf Myanmar

»Myanmar-Studien sind für mich kein Orchideenfach«, sagt Johanna Neumann, Mitglied des Vorstandes des Myanmar-Instituts, einem im November 2016 gegründeten Vereins, der das Ziel hat, die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem südostasiatischen Land voranzutreiben. »Wenn man es schafft, sich zu verständigen, dann merkt man, dass Menschen trotz aller Unterschiede doch ähnlich sind.«

Myanmar taucht immer mal wieder im Fokus des Nachrichten auf, um danach genauso schnell wieder zu verschwinden. Als 2007 buddhistische Mönche gegen die damalige Militärregierung protestierten, als 2012 eine zivile Regierung installiert wurde, oder wie dieser Tage, da 600 000 Rohingya ins Nachbarland Bangladesch geflüchtet sind. »Dann heißt es, Myanmar, das sei das Land mit den Mönchen und dem schlimmen Militär; mit der Frau, die Demokratie bringt; wo die Menschen umgebracht werden. Und dann verschwindet die Aufmerksamkeit wieder«, sagt Neumann.

In Deutschland gibt es keine Universität, die Myanmar-Studien anbietet, und generell nur wenige Kurse mit Fokus auf das Land. Der Verein vernetzt diejenigen, die sich mit Myanmar beschäftigen, vermittelt AnsprechpartnerInnen und arbeitet darauf hin, dass es irgendwann wieder Myanmar-Studien gibt.

Die 32-jährige Berlinerin Johanna Neumann promoviert zu Zat Pwe, einer Form von darstellender Kunst, die in Myanmar sehr populär ist. Seitdem sie nach dem Abitur 2005 das Land bereiste, will sie es verstehen lernen. »Dass alles so fremd und anders ist, wäscht sich irgendwann raus, weil man darüber lernt. Aber die Faszination bleibt«, sagt sie.

Wer in Deutschland Myanma, also Burmesisch lernen will, der kann das eigentlich nur am Institut für Asien- und Afrikawissenschaften an der Humboldt-Universität in Berlin. Studierende können sich die Kurse allerdings derzeit nicht anrechnen lassen. Das ändert sich 2018, wenn Neumann, die an der Universität Yangon die Sprache lernte, den Unterricht übernehmen soll. ais

www.myanmar-institut.org

Brigitta Nöthlich: Kiezladen für Senioren

Ehrenamtliche Arbeit: Eine Frage der Ehre

»Ich bin froh, dass ich heute Helfer habe, die für mich den Einkauf erledigen«, sagt Brigitta Nöthlich. Sie kann für einen Moment in der kleinen Sitzecke im NOE-Markt Platz nehmen. Die 40 Quadratmeter in der Dolgenseestraße in Friedrichsfelde sind ihr Reich. Obwohl der plattenbautypische Versorgungswürfel, in dem auch ihr Laden liegt, noch den großspurigen Namen Dolgensee-Center trägt, sind von dem ursprünglichen Angebot nur eine Apotheke und ein Restaurant übrig geblieben.

»Hier gibt es weit und breit keinen Supermarkt, dafür wohnen hier viele ältere Menschen«, sagt Nöthlich. Sie ist 73 Jahre alt. Seit Ende März sichert sie für viele Bewohner im Kiez die Grundversorgung. Montags bis freitags von 9 bis 14 Uhr hat der nach ihr benannte NOE-Markt geöffnet. Es gibt Fertigknödel und Senfgurken im Glas, Taschentücher und Rotkäppchen-Sekt und noch Dutzende andere Dinge.

Formal ist sie eine ganz gewöhnliche Geschäftsfrau. »Tatsächlich gibt es Monate, in denen ich drauflege«, sagt sie. Ein »Engagement für Senioren« sei der Laden. Denn nicht nur in kleinen Dörfern sind fehlende Versorgungsmöglichkeiten ein Riesenproblem für Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, sondern auch hier, mitten in der Großstadt. »Ich bin als Abgeordnete in der Bezirksverordnetenversammlung darauf gestoßen«, sagt die Frau, die seit 1973 in der SPD ist. Norman Wolf, Lichtenberger Mitglied der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus, habe sie auf die Schwierigkeiten im Kiez aufmerksam gemacht.

Seit diesem Jahr ist Nöthlich auch gewähltes Mitglied der Seniorenvertretung im Bezirk Lichtenberg. Zweimal pro Monat bietet sie eine Beratungssprechstunde in ihrem Laden an. Sehr oft geht es da um Probleme mit der Miete. »Ich vermittle die Menschen dann an die richtigen Stellen, gebe ihnen Informationsbroschüren«, sagt Nöthlich. Der Platz reicht nicht, um all ihre Aktivitäten aufzuzählen, seit sie 1992 von Neukölln nach Lichtenberg gezogen ist. Von Tanzabenden in Karlshorst bis zum Selbstverteidigungskurs für Seniorinnen war fast alles dabei. Woher sie die Kraft nimmt? »Mir macht es Spaß, etwas zu tun«, erklärt sie fröhlich. nic

Iris Reetz: Feuerwehrfrau

Das Feuerwehr-Gen. Iris Reetz hat es. Ihre Mutter, ihr Vater, die Geschwister, ihre Neffen, ihr Mann Olaf, ihre Kinder - sie alle waren beziehungsweise sind Feuerwehrleute. Die Frage »Freiwillige Feuerwehr ja/nein« stellte sich ihr nicht.

»Na wie auch«, lacht sie, »wenn man seine Eltern hauptsächlich in Uniform sieht, wenn man neben dem Gerätehaus wohnt, und wenn der Vater bei jedem Anlass mit dem Martinshorn durch das Dorf düst, um die Kameraden zu mobilisieren.« Erst später bekam ihr Geburtsort Trebus eine Sirene.

Helfen in größter Not und Kameradschaft erleben, das bedeutet Feuerwehr für die Mutter von vier Kindern, es sind drei Töchter und ein Sohn. Iris Reetz leidet seit Jahren an Bronchialasthma. Aber wenn sie im Gerätehaus die Tür hinter sich schließt, dann kann sie tief durchatmen. »Feuerwehr ist mein Leben«, sagt sie.

In Trebus, später in Arensdorf und Falkenhagen bei Seelow, überall, wo sie und ihre Angehörigen wirkten, wuchs der Frauenanteil bei den Ortswehren von null auf mehr. Als sie 1992 nach Falkenhagen zog, war die Feuerwehr da noch reine Männersache. Sie überzeugte, wurde Kameradin und 1995 für fünf Jahre Jugendwart. 2010 baten die Kameraden sie, Wehrführerin zu werden. Iris Reetz sagte zu: für zwei Jahre. Die dauern jetzt schon knapp acht Jahre lang. Sie drückte extra noch mal beim Gruppenführerlehrgang die Schulbank.

Heute hat Falkenhagen 27 Feuerwehrleute, darunter sechs Frauen. Sieben Kinder sind in der Jugendwehr. Sie alle sorgten dafür, dass Falkenhagen nunmehr Stützpunktfeuerwehr ist. »Wir haben den Hut auf auch für die Nachbarorte Lietzen und Niederjesar«, erklärt die Wehrführerin.

Was mit ihr passiert, wenn die Sirene ruft? Sie fährt mit der flachen rechten Hand über den linken Oberarm. »Dann kriegt man so eine Bürste«, lacht sie. »Gänsehaut. Aber nicht aus Angst, sondern Ansporn. Man wächst über sich hinaus. Man ist bereit, für andere da zu sein. Da die Balance zu halten und nicht zu vergessen, dass Eigensicherheit vorgeht - das ist immer ein Thema.«

Was sie sich wünscht? »Es gibt kaum noch Berufsfeuerwehren. Also ist die Bevölkerung auf uns Ehrenamtliche angewiesen. Aber an uns wird gespart. Es mangelt an Schulungen, an guter Schutzkleidung, und die Technik ist veraltet.« sgu

Petra Kießling: Gegen den Kahlschlag

»Mein Leipzig lob’ ich mir / Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute …«, heißt es in Goethes »Faust«. Ganz im faustischen Sinne - Wissen mehren und vermitteln, nie befriedigt und zufrieden - ist Petra Kießling, Jahrgang 1962, seit Jahren ehrenamtlich in ihrer Geburts- und Heimatstadt tätig. Nach Wende und Vereinigung, als staatliche Kunstgalerien schlossen und Verlage wegzogen, hat die studierte Grafikerin eine der ersten neuen Galerien in Leipzig eröffnet, die »Galerie GangArt«.

Nein, wehrt sie lachend ab, der Name habe sich nicht explizit auf den aufrechten Gang bezogen, den die Leipziger im Oktober 1989 demonstrierten, »vielmehr auf die stressigen Behördengänge, die nunmehr notwendig waren«. Ihre Galerie gibt es nicht mehr. Petra Kießling hat erfahren müssen, dass in der Marktwirtschaft auch Kunst und Kultur »sich finanzieren müssen«. Die ehemalige Geschäftsführerin des Bundes Bildender Künstler Leipzig ließ sich nicht unterkriegen, wollte den kulturellen Kahlschlag in der Kunst- und Kulturmetropole, Hauptstadt des Buches, nicht hinnehmen. Sie ist stolz, dass es ihr und ihren Mitstreitern in harten Auseinandersetzungen gelungen ist, der Freien Szene fünf Prozent vom städtischen Haushalt zu erkämpfen. Sie engagiert sich in der »Kulturfabrik«, einem der größten soziokulturellen Zentren Sachsens, exakter: im »WERK 2«, dem ehemaligen VEB Werkstoffprüfmaschinen. Hier, unweit der »Karli«, wie die Leipziger liebevoll die Karl-Liebknecht-Straße nennen, einen Boulevard mit Kultstatus, gastierte jüngst die Band »Russkaja« aus Wien mit Balkanbeat. Im »WERK 2« fand auch die Flüchtlingshilfe für Syrer Unterschlupf, für die Petra Kießling ebenfalls tätig ist.

Die Mutter zweier Söhne ist zudem Vorsitzende des Vereins »Art Kapella«. In der zur Galerie umgebauten Kapelle auf dem ehemaligen Alten Friedhof Schkeuditz können sich Bildende Künstler, junge Musiker, Poeten und Schauspieler vor Publikum ausprobieren. Über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist der Chor Art Kapella, berichtet Kießling. Er lädt derzeit zu Adventskonzerten ein. Jährlich werden sieben Ausstellungen gestaltet, von Fotografie und Malerei über Bildhauerei bis zu surrealen Installationen. »Und zwei Mal wöchentlich gibt es Malkurse«, sagt Kießling, blickt auf die Uhr und entschuldigt sich. Der nächste Termin steht an. Ehrenamtliche haben niemals Zeit. ves

Paul Mundstock: Als Trainer mittendrin

Ehrenamtliche Arbeit: Eine Frage der Ehre

Wer donnerstags in der Halle B2 der Berliner Max-Schmeling-Halle vorbeischaut, kann nicht nur ein gutes Dutzend fröhliche Fünf- bis Siebenjährige bei Sport- und Bewegungsspielen erleben, sondern auch einen außergewöhnlichen Trainer: Paul Mundstock.

Der 32-Jährige ist seit seinem fünften Lebensjahr durch einen Unfall behindert. Er spricht langsamer als andere, kann die linke Körperseite weniger gut einsetzen als die rechte. Beim »Ragazzi«-Training genannten Kindersport des Berliner Sportvereins Pfeffersport in Prenzlauer Berg spielt das überhaupt keine Rolle, wie Paul Mundstock sagt: »Es ist den Kindern und meinen Übungsleiterkollegen im Zusammenspiel vollkommen egal.«

Die Kleinen mögen ihren Trainer sehr: seine Ruhe, seine Geduld und seinen Gerechtigkeitssinn. Dem Freizeitläufer ist die wöchentliche Trainingseinheit ebenso wichtig wie den Kids, die bei ihm sportliche Grundfertigkeiten erlernen. »Übungsleiter sein ist ein sehr wichtiger Teil meines Lebens. Erstens macht mir die Interaktion mit den Kindern super viel Spaß. Zweitens bin ich schon lange Mitglied bei Pfeffersport, habe dort sehr gute Freunde gefunden und fühle mich dem Verein sehr verbunden.« Schon mit elf Jahren kam Paul Mundstock 1996 zum Verein, als ein neues Integrationssportangebot namens »Bewegung Integrale« eingeführt worden war.

Seit damals hat er viele Sportarten ausprobiert, heute läuft er und fährt Ski und Rad. Zuletzt hat Paul Mundstock, der als Sachbearbeiter in der Berliner Verwaltung arbeitet, einen Halbmarathon absolviert.

Im Jahr 2010 hat er die Übungsleiterlizenz erworben. Seither engagiert er sich sehr für den Verein, bei dem er als Kind trainierte - bei Helfereinsätzen, bei Vereinsevents, in der Inklusionsarbeit. Und natürlich beim »Ragazzi«-Training, das ihm das Wichtigste ist: »Ich sehe meine Übungsleiterkollegen, die Kinder kommen, wir haben einfach viel Spaß miteinander.«

Die Ragazzi-Kinder aus Prenzlauer Berg kennen den Begriff Inklusion nicht: Sie kennen nur Paul, ihren Trainer. Mit seinen Stärken und Schwächen. Und sie wissen, was sie an ihm haben. jig

Christa Brunow: Stricken für die Kinder

Jedes Jahr Ende November häufen sich im Haus von Christa Brunow selbst gestrickte Mützen, Schals, Socken und Handschuhe in allen Farben, angefertigt von den Frauen der Volkssolidarität in Berlin-Plänterwald. Kurz vor Nikolaus wird die ganze Ladung nach Marzahn gefahren, zu »Bolle«, dem Kinder- und Jugendhaus des Vereins Straßenkinder e.V.

Brunow leitet die Ortsgruppe, aktiv wurde sie in der Volkssolidarität gleich nach ihrer Pensionierung 1996. Die ehemalige Englisch- und Mathematiklehrerin dachte zunächst, dass sie noch Nachhilfestunden geben könnte. Aber dafür blieb gar keine Zeit. Zur wichtigsten Aufgabe der Volkssolidarität - als Mitgliederverein ein Anlaufpunkt für Menschen vor allem im Rentenalter zu sein - sind zwar in den Jahren seit 1989 viele andere Aufgabengebiete hinzugekommen. Aber die Ortsgruppe von Brunow hat noch immer 118 Mitglieder. Das »noch« betont die 81-Jährige mehrmals. Es kommen kaum neue Mitglieder dazu. Mit ihren Mitstreiterinnen organisiert Brunow jedes Jahr vier große Veranstaltungen, sammelt Spenden und gratuliert zu Jubiläen. Man hilft einander, Kranke werden besucht, im Notfall Einkäufe oder Besorgungen erledigt.

Das reichte Brunow nicht. Sie wollte noch etwas für Andere tun, für Kinder am besten. Dann hörte sie von »Bolle« und informierte sich über das Konzept. Begeistert erzählt sie von Toberaum und Musikförderung für Kinder, deren Eltern sich wenig leisten können. »Geld haben wir auch nicht viel, aber wir können etwas tun, zum Beispiel stricken.« So bringt die Rentnerin mit Anderen seit ein paar Jahren regelmäßig Selbstgefertigtes und auch eine Geldspende nach Marzahn. uhe

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