Anti-Schäuble

Personalie

Zeitenwende in der Eurogruppe: Neuer Chef des informellen Gremiums der Finanzminister der Staaten mit dem Euro wird Mário Centeno, den man Bezwinger von Ex-Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nennen könnte. Seit zwei Jahren macht der Sozialist in Portugal eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik, gerade weil er Schäubles Druck standhielt und die Austeritätspolitik schrittweise zurückfuhr. So konnte der Finanzminister in der linken Minderheitsregierung von Antonío Costa das Defizit deutlich unter die EU-Stabilitätsmarke drücken, während die Arbeitslosigkeit sinkt und die Wirtschaft des einstigen Krisenlandes nachhaltig wächst.

Das war kein Hexenwerk. Der Ökonom und Mathematiker, der aus dem Distrikt Faro an der Algarve stammt, hat solche Konzepte unter anderem beim Studium in Harvard gelernt. Nicht zuletzt die US-Nobelpreisträger Paul Krugman und Joseph E. Stiglitz bezeichneten in der Krise den Austeritätskurs als »verrückt« und sagten richtig »katastrophale« Folgen wie in Griechenland auch für Portugal vorher.

Wenn der bekennende Fan von Benfica Lissabon am Donnerstag seinen 51. Geburtstag feiert, kann er nun auch begießen, dass er Nachfolger des glücklosen Sozialdemokraten Jeroen Dijsselbloem auf dem Posten des Eurogruppenchefs wird. Man kann hoffen, dass der Gastprofessor an der Neuen Universität von Lissabon und verheiratete Vater von drei Kindern hier ähnliche Akzente setzen kann, wie er es in Portugal geschafft hat.

Schäuble wollte den konservativen Spanier Luis de Guindos, der eisern am Austeritätskurs festhält, zum Eurogruppenchef küren. Doch Spanien hat mit knapp 18 Prozent eine doppelt so hohe Arbeitslosenrate wie der kleine iberische Nachbar und bekommt auch das Defizit nicht in den Griff. Selbst Schäuble, mit dem sich Centeno immer wieder anlegte, musste letztlich seine Erfolge anerkennen und bezeichnete ihn als den »Ronaldo der Eurogruppe«. Der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold, der zur Ernennung gratulierte, hatte einen anderen Titel parat: »Anti-Schäuble«.

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