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Das IOC greift durch

Fragen und Antworten zum Entscheid über das russische Dopingsystem

  • Von Jirka Grahl
  • Lesedauer: 4 Min.

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Welche Strafen wurde verhängt?
Das Russische Olympische Komitee wird suspendiert und muss 15 Millionen Dollar Strafe zahlen. Russlands Sportler dürfen nur unter neutraler Flagge an den Winterspielen 2018 in Pyeongchang teilnehmen. Nur einzelne Athleten dürfen unter bestimmten Bedingungen starten. Diese vom IOC eingeladenen Sportler werden unter dem Namen »Olympische Athleten aus Russland« antreten - mit Teamkleidung (Kürzel OAR) und unter der Olympischen Flagge. Bei Zeremonien erklingt die Olympische Hymne. Kein russischer Funktionär wird 2018 akkreditiert. Der einstige Sportminister Witali Mutko und sein damaliger stellvertretender Minister Juri Nagornych werden von allen zukünftigen Olympischen Spielen ausgeschlossen. Zudem wird Alexander Schukow als IOC-Mitglied suspendiert.

Was war Grundlage der Beschlüsse?
Die IOC-Exekutive ist vor ihrer Entscheidung vom Schweizer Samuel Schmid über die Ergebnisse der Arbeit seiner Untersuchungskommission informiert worden. Schmid ging der Frage nach, inwieweit russische Behörden in den Dopingskandal eingebunden waren. Positive Proben russischer Athleten hat es in Sotschi nicht gegeben, weshalb Russland auch immer wieder darauf beharrte, dass es keine Beweise gebe. Genau das hatte das Manipulationssystem mit den vertauschten Proben ja bezweckt, weshalb die Weltantidoping-Agentur WADA und das IOC mehrere forensische Untersuchungen in Auftrag gaben. Deren Ergebnisse bestätigten die Aussagen des Kronzeugen Grigori Rodtschenkow. Der ehemalige Leiter des Moskauer Anti-Dopinglabors hatte berichtet, dass Spitzenathleten zunächst saubere Proben abgegeben hatten. Mit diesen wurden dann bei den Winterspielen 2014 dopingbelastete Proben vertauscht. Das IOC folgte Schmids Sanktionsempfehlungen.

Wie begründete IOC-Präsident Thomas Bach die Entscheidung?
Das »systemische« Dopingsystem in Russland sei ein beispielloser Angriff auf die Integrität der olympischen Bewegung und des internationalen Sports gewesen, sagte Bach am Dienstagabend in Lausanne. Das tue ihm vor allem für die sauberen Athleten leid, die unter dieser Manipulation gelitten hätten. Man werde mit der IOC-Athletenkommission nach Möglichkeiten für neue Medaillenübergaben suchen, um die »Momente für die Athleten wieder aufleben zu lassen«, die sie auf der Ziellinie oder auf dem Podium verloren hätten.

Wieso kann Russlands Fahne bei der Abschlussfeier der Winterspiele 2018 unter Umständen schon wieder präsent sein?
Das IOC kann die Suspendierung des Russischen Olympischen Komitees mit »Beginn der Abschlusszeremonie der Olympischen Winterspiele 2018 ganz oder teilweise aufheben«, vorausgesetzt, dass »diese Entscheidungen vom Russischen Olympischen Komitee und eingeladenen Athleten und Offiziellen vollständig respektiert und umgesetzt« werden.

Wie reagieren die Russen?
In den Medien herrscht Empörung, man wähnt sich als Opfer eines westlichen Komplotts. Russlands Staatsmedien wollen die Spiele nicht im TV übertragen, kündigte die Allrussische staatliche Fernseh- und Radiogesellschaft WGRTK an. »Wir werden bestimmt keinen Boykott verkünden«, sagte Präsident Wladimir Putin am Mittwochnachmittag. Er stelle den russischen Sportlern den Start frei. Am 12. Dezember kommen die potenziellen Olympiastarter bei einer »Olympischen Versammlung« zusammen, auf der die weitere Vorgehensweise besprochen werden soll. Einige Athleten haben angekündigt, nicht zu den Spielen zu reisen.

Kann Russland die Entscheidung anfechten?
Das Nationale Olympische Komitee Russlands könnte Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof gegen seinen Ausschluss einlegen. Wird diesem stattgeben, wäre das Team Russland startberechtigt. Die Erfolgsaussichten sind aber eher gering. Schon den Olympiabann der Leichtathleten bei den Spielen von Rio de Janeiro 2016 hatte der CAS nicht revidiert.

Hat die IOC-Entscheidung Auswirkungen auf die Fußball-WM 2018 in Russland?
Vorerst höchstens indirekt: Der nun lebenslang von Olympia ausgeschlossene Ex-Sportminister Witali Mutko ist heute Vizeministerpräsident und zudem der Cheforganisator der WM 2018. Doch der Fußballweltverband FIFA sieht keinen Handlungsbedarf: Präsident Gianni Infantino hält an Mutko trotz seiner nun aktenkundigen maßgeblichen Beteiligung am russischen Doping fest. »Die FIFA hat die Entscheidung des IOC bezüglich der Teilnahme russischer Athleten an den kommenden Olympischen Winterspielen zur Kenntnis genommen«, steht in einer Stellungnahme. Die Entscheidung habe aber »keinen Einfluss auf die Vorbereitungen«.

Wie wird der Ausschluss der Russen international bewertet?
»Ausgewogen - mit drastischen Strafen für alle Strippenzieher« nennt DOSB-Präsident Alfons Hörmann das Verdikt: »Aus meiner Sicht ist das IOC mit dieser Entscheidung in den Grenzbereich dessen vorgestoßen, was juristisch haltbar ist.« Das IOC habe eine wohlüberlegte Entscheidung getroffen, sagte auch Craig Reedie, Präsident der Weltantidoping-Agentur WADA. Es gibt aber auch die Kritik, das Urteil sei zu lasch.

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