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6000 Bewerbungen bei der Polizei

Landtag will die Attraktivität des öffentlichen Dienstes weiter erhöhen

  • Von Wilfried Neiße und Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 4 Min.

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Etwa 6000 Bewerbungen treffen jährlich bei der brandenburgischen Polizei ein. Wie Innenstaatssekretärin Katrin Lange am Mittwoch im Innenausschuss des Landtags mitteilte, werden dann etwa 3000 junge Männer und Frauen zu Bewerbungsgesprächen eingeladen.

Angenommen werden im kommenden Jahr voraussichtlich 400, erläutert auf Anfrage Marion Ratzsch von der Pressestelle der Fachhochschule der Polizei in Oranienburg. Offiziell bestätigt seien zwar erst 350 Ausbildungs- und Studienplätze. Doch im Zuge des Nachtragshaushalts sollen noch die Mittel für 50 zusätzliche Plätze bewilligt werden. Deshalb gehe die Fachhochschule im Moment von 400 Plätzen aus. Auf diesem Niveau solle es dann in den nächsten drei Jahren weitergehen, erläuterte Ratzsch. Insgesamt lernen an der Fachhochschule in Oranienburg derzeit knapp 1000 junge Männer und Frauen den Polizeiberuf.

Schon seit dem 1. November und noch bis 31. März kommenden Jahres können sich Interessenten melden. Die zweieinhalbjährige Ausbildung für den mittleren Dienst und das dreijährige Studium für den gehobenen Dienst beginnen dann im Oktober 2018. »Die Polizei Brandenburg bietet neben attraktiven und abwechslungsreichen Tätigkeiten und der Möglichkeit, anderen Menschen zu helfen, vielfältige Entwicklungs-angebote«, heißt es.

Bewerber müssen demnach in einem zweitägigen Auswahlverfahren ihre Veranlagungen und Fähigkeiten für den Polizeiberuf unter Beweis stellen. Es gibt eine ärztliche Untersuchung, einen psychologischen Test, ein Diktat und eine Sportprüfung. Früher hat es mal geheißen, die größte Hürde für viele junge Männer sei oft die Rechtschreibung.

Da ursprünglich eine drastische Absenkung des Personalbestands bis auf nur noch 7000 Stellen bei der Polizei angepeilt war und das Land die Ausbildungskapazitäten zwischenzeitlich heruntergefahren hatte, gibt es inzwischen ein Problem. Die rot-rote Regierung lenkte zwar ein und vollzog einen Kurswechsel. Doch nun ist es schwierig, schnell genug geeignete Polizisten auszubilden, um jene Kollegen zu ersetzen, die in Pension gehen, und um den Personalbestand wieder leicht anzuheben. Das Innenministerium zog deswegen extra schon einige Feldjäger der Bundeswehr an Land, die nach ihrem Armeedienst bei der Polizei anheuerten.

Dass es aber an Interessenten mangelt, scheint bei 6000 Bewerbern auf 400 Ausbildungs- und Studienplätze nicht der Fall zu sein. Insofern ist es etwas befremdlich, dass sich im Innenausschuss alle im Landtag vertretenen Parteien überzeugt zeigen, dass die Attraktivität des öffentlichen Dienstes erhöht werden muss, wobei es allerdings nicht allein um die Polizisten geht, sondern auch um andere Beamte und Angestellte des Landes.

Gemeint sind beim Stichwort Attraktivität die Erhöhung der Bezüge und weitere Maßnahmen. Staatssekretärin Lange kündigte beispielsweise die »Wiedereinführung der freien Heilfürsorge« an. Es winken demnach auch »weitere Aufstiegsmöglichkeiten« durch ein Fernstudium. Beim Forstbetrieb gibt es einen Personalüberhang, der durch attraktive Vorruhestandsregelungen abgebaut werden soll.

Lange verwies darauf, dass die Bezahlung der Grundschullehrer schrittweise auf das Niveau der Oberschullehrer angehoben werden soll. Es gehe darum, junge Menschen für den Schuldienst zu begeistern. Auch die noch an den Lehrerbildungsinstituten der DDR ausgebildeten Unterstufenlehrer sollen perspektivisch nicht weniger verdienen als die Kollegen mit Hochschulabschluss.

Dem mittleren Dienst in der Justiz winken ab 1. Januar pauschal 60 Euro mehr. Laut Staatssekretärin müsse die Ausbildung allgemein wieder verstärkt werden, »damit wir junge Menschen in die Verwaltungen bekommen«. Sie erinnerte an den Beschluss des Landtags, wonach die Verbesserung der Arbeits- und Lebenssituation des öffentlichen Dienstes weiter vorangetrieben werden soll. »Wir haben verschiedene Arbeitsgruppen eingerichtet, die sich mit der Thematik befassen.«

Keine Rolle spielte in der Ausschussdebatte die Mahnung des Landesrechnungshofes, dass angesichts erheblicher Personalkostenerhöhungen massive Auswirkungen auf künftige Landeshaushalte zu erwarten sind, zum Beispiel auf die Höhe der Pensionslasten.

Das kümmert die CDU-Abgeordnete Barbara Richstein nicht weiter. Sie verwies darauf, dass sich Brandenburg im Vergleich der Bundesländer »nicht in den vorderen Rängen« befindet, was die Besoldung seiner Polizisten betreffe. Die Staatssekretärin entgegnete, es komme ihr weniger darauf an, »wie wir auf den Plätzen hochrutschen«, doch wenn andere Länder »gute Ideen« haben, wie der öffentliche Dienst attraktiver gestaltet werden könnte, sei man dafür immer offen.

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