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Wahlverlierer wird Lobbyist für DHL

Schleswig-Holstein: Torsten Albig geht nach Brüssel

  • Von Dieter Hanisch
  • Lesedauer: 3 Min.

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Das darf man wohl als einen klassischen Seitenwechsel bezeichnen: Der im Mai in Schleswig-Holstein abgewählte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) steht ab 1. Januar auf der Gehaltsliste des Paket- und Brief-Expressdienstes DHL - als Unternehmensrepräsentant des Multikonzerns in Brüssel. Der 54-Jährige wird somit Lobbyist auf internationalem Parkett. Auf seiner künftigen Visitenkarte wird die Bezeichnung »Vice President Corporate Representation Brussels« stehen. Derzeit geht der gebürtige Bremer in der belgischen Metropole auf Wohnungssuche.

Nach der Wahlniederlage hatte Albig, der seit 1982 Sozialdemokrat ist, einen kompletten Rückzug aus der Politik vollzogen, auch sein neues Landtagsmandat nahm er nicht an. Sein monatliches Übergangsgeld beläuft sich auf 7000 Euro. In der Öffentlichkeit trat der Steuer-Jurist kaum in Erscheinung, während seine Lebensgefährtin, die in Kiel eine Kommunikations- und Werbeagentur leitet, weiter ihrem Beruf nachgegangen ist.

In den wenigen Interviews, die Albig nach seinem Abtritt gab, hatte er anklingen lassen, dass er in der freien Wirtschaft auf Jobsuche sei. Und wie in einem Bewerbungsschreiben hatte der Ex-Regierungschef, der von 2009 bis 2012 auch Kieler Oberbürgermeister war, sich dabei als teamfähig, kommunikativ und erfahren in Leitung und Moderation beschrieben. Und er kündigte an, dass seine Lebensgefährtin und deren drei Söhne ihm im nächsten Jahr nach Brüssel folgen wollen und 2018 geheiratet wird.

Was wiederum an Albigs Wahlniederlage erinnert. Denn wegen einer »Homestory« in der Illustrierten »Bunte« kurz vor der Landtagswahl mit missverständlichen Formulierungen zum Auseinanderbrechen seiner ersten Ehe hatte er reichlich Kritik über sein dort geäußertes Frauenbild einstecken müssen. Auch innerhalb seiner Partei kreidete man ihm dies als womöglich ausschlaggebend für die Wahlschlappe an. Einen beruflichen Neustart hatte Albig übrigens bereits vor drei Jahren nicht gänzlich ausgeschlossen, als er auf sich bezogen irgendwann einmal »eine Tätigkeit in London, Chicago oder Buenos Aires« für durchaus denkbar hielt.

Der Ministerpräsident a.D. ist nicht der einzige aus seinem Kabinett, der sich umorientiert hat. Eine Seitenwechslerin ist auch die ehemalige Sozial- und Wissenschaftsministerin Kristin Alheit (SPD), die nun als Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Hamburg ihr Geld verdient.

Neue Aufgaben gibt es auch für die Ex-Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) und den Wirtschafts- und Verkehrsminister unter Albig, Reinhard Meyer (SPD). Beide bleiben jedoch auf der politischen Bühne. Die Ehefrau von Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz ist seit Ende September Verantwortliche des Bildungsressorts im rot-rot regierten Brandenburg. Meyer wird ab 2018 an seine alte Wirkungsstätte in Schwerin zurückkehren. Dort soll er die Geschäfte in der Staatskanzlei von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) führen, eine Tätigkeit, die er bereits von 2006 bis 2012 ausübte.

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