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Eine Runde Golf oder eine Partie XiangQi

Deutsch-chinesisches Hamburger Ehepaar setzt sich für Freundschaft und gute Geschäfte ein

Sie sind Botschafter der deutsch-chinesischen Freundschaft: Professor YU-CHIEN KUAN, der 30 Jahre lang Sinologie gelehrt hat an der Universität Hamburg, und seine Frau PETRA HÄRING-KUAN. Sie haben einen »China-Knigge« verfasst, der innerhalb von sechs Monaten nach Veröffentlichung zum dritten Mal aufgelegt worden ist. ND-Autor RENÉ GRALLA hat das Autorenpaar getroffen.
ND: Die Menschen in Europa schauen fasziniert nach Asien, bewundern die chinesische Kultur.
Yu-Chien Kuan: Taoismus, Konfuzianismus und Buddhismus haben unsere Nation geprägt. Wir streben nach Harmonie, akzeptieren andere Kulturen und Religionen. Ein Beispiel: Im 13. Jahrhundert sind jüdische Einwanderer in das Reich der Mitte gekommen, und die Traditionen der Immigranten sind eine perfekte Symbiose eingegangen mit der uralten chinesischen Kultur. In Europa wurde der eine Gott gegen den anderen Gott ins Feld geführt - mit den bekannten schrecklichen Folgen.

Chinas Geschichte ist aber nicht immer harmonisch verlaufen. Bürgerkriege zerrissen das Land.
Yu-Chien Kuan: Auseinandersetzungen waren nicht nach außen gerichtet. Auslöser waren Missernten: Bauern griffen zu Waffen, weil sie nichts mehr zu essen hatten.

China steigt zur Supermacht im dritten Jahrtausend auf. Einige Nachbarn fühlen sich bedroht.
Yu-Chien Kuan: China hat 1,3 Milliarden Menschen, Japan zählt etwas mehr als 100 Millionen. Trotzdem ist Japans Militärbudget höher als das der Chinesen. Und auch die USA geben sieben- bis neun Mal mehr für ihre Streitkräfte aus als China. Ich frage Sie: Wer bedroht hier eigentlich wen?!

Was ist die wichtigste Regel im privaten Umgang mit Chinesen?
Yu-Chien Kuan: Zeigen Sie nie Überheblichkeit! Im Vergleich zu anderen Völkern sind Europäer immer sehr reich gewesen, daraus folgt eine Arroganz, die sich bis heute im Verhalten einiger Touristen niederschlägt. Die Chinesen verbeugen sich gern. Mit Unterwürfigkeit hat das nichts zu tun.

Chinas Wirtschaft boomt. Auf welche Besonderheiten sollten sich Geschäftsbesucher einstellen?
Yu-Chien Kuan: Zu Geschäftsverhandlungen gehört immer ein Essen. Die werden nicht nur nüchtern im Büro abgewickelt, wie das in Deutschland üblich ist.
Petra Häring-Kuan: Jüngere Geschäftsleute laden gerne auch zu einer Runde Golf ein. Chinesen legen Wert darauf, eine persönliche Beziehung zum Geschäftspartner aufzubauen. Sie möchten sich darüber klar werden, ob sie mit dem Gegenüber auch eine vertragliche Bindung eingehen wollen.

Geschäftsreisende aus dem Westen gehen neue Projekte oft zu direkt an?
P. Häring-Kuan: Sofort über Business zu reden, finden Chinesen geradezu unmenschlich.

Die Chinesen nehmen sich offenbar mehr Zeit.
P. Häring-Kuan: Und dazu gehört, seine Besucher aufmerksam zu betreuen. Nach einem Tag voller Meetings wird Sie niemand allein ins Hotel fahren lassen. Chinesen kümmern sich um ihre Gäste.

Chinesen arbeiten hart. Und trotzdem finden sie Muße für eine Partie Schach. Das heißt in China »XiangQi« und hat spezielle Regeln: Runde Steine wandern über ein Gitternetz. Wie ist es möglich, das ein höchst anspruchsvolles Spiel derart beliebt ist?
Yu-Chien Kuan: Nehmen Sie die englische Sprache. Sie weist 26 Buchstaben auf und ist deutlich weniger komplex als das Chinesische. In China lernen die Menschen von Kindesbeinen an komplizierte Schriftzeichen. Schließlich können Sie keine Zeitung lesen, wenn Sie sich nicht wenigstens 3000 Schriftzeichen angeeignet haben. So entwickeln und schulen junge Chinesen ihren Verstand.

Findet ein Tourist, der XiangQi beherrscht, in China leichter Kontakt, trotz aller Sprachbarrieren?
P. Häring-Kuan: Sie werden jeden Chinesen überraschen, wenn Sie chinesisches Schach spielen. Schließlich müssen Sie vorher wenigstens die Schriftzeichen auf den Steinen gelernt haben.

Kann ein ausländischer Geschäftsmann eine persönliche Brücke zu seinen chinesischen Partnern bauen, indem er zu erkennen gibt, dass er ein wenig vertraut ist mit dem XiangQi?
Yu-Chien Kuan: Natürlich, Chinesen freuen sich sehr darüber. Denn damit zeigen Sie, dass Sie etwas wissen über unsere Kultur.

Frau Häring-Kuan, im August 2007 bringen Sie einen Roman heraus, »Chinesisch für Anfänger«. Das Thema?
Eine Liebesgeschichte zwischen einer Deutschen und einem Chinesen. Auch erfahren die Leser viel über das Leben in Schanghai: mit Episoden in der Sprachschule, beim Friseur oder Masseur.

Wie viel Persönliches steckt in dem Buch?
P. Häring-Kuan: Gar nichts. Aber einige meiner Freunde finden sich darin wieder.

Und Ihre nächsten Projekte, Professor Kuan?
Yu-Chien Kuan: Mehrere Publikationen sind in Vorbereitung, abgesehen davon, dass ich regelmäßige Kolumnen für chinesische Zeitungen schreibe. Außerdem bin ich Vorsitzender des neu gegründeten Vereins »Chinesisch-deutscher Kulturaustausch«. Wir wollen helfen, wechselseitige Missverständnisse zwischen beiden Völkern abzubauen. Damit sich Deutsche und Chinesen noch besser kennen lernen.

Petra Häring-Kuan und Yu-Chien Kuan: »Der China-Knigge«; Fischer Verlag, 320 S., 7,95 Euro; Regeln von »XiangQi«: www.chessbase.de/nachrichten.asp?newsid=2676

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