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Tiefe Einschnitte bei General Electric

Der US-Konzern will die Fertigung in Marienfelde dichtmachen / 500 Arbeitsplätze sind in Gefahr

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Einen umfangreichen Wandel hatte der Konzernchef John Flannery angekündigt. 2018 solle für den US-Konzern General Electric (GE) das Jahr des »Resets« werden, des großen Umbaus, sagte Flannery auf einer Investorenkonferenz. GE, das riesige Firmenkonglomerat, möchte schrumpfen und sich von zahlreichen Sparten trennen - etwa von der Beleuchtung, der Stromnetztechnik oder vom Lokomotivbau. Konzentrieren will GE sich künftig nur noch auf Elektrotechnik, Luftfahrt und Medizintechnik.

Erste konkrete Schritte dieser neuen Strategie kündigte GE am Donnerstag an. Weltweit will der Konzern rund 12 000 Stellen in der Kraftwerkssparte streichen. Davon betroffen ist auch ein Berliner Standort. Beim Werk in Marienfelde, wo Technik zur Stromerzeugung hergestellt wird, steht die komplette Fertigung zur Disposition. Rund 500 der 800 Arbeitsplätze könnten dort wegfallen, vermutet die Gewerkschaft IG Metall. Die beiden anderen GE-Werke in Pankow und Neukölln sollen von den Kürzungen vorerst verschont bleiben.

Die Gründe für den Rückbau bei GE liegen in der sinkenden Nachfrage für konventionelle Kraftwerkstechnik infolge der Energiewende. Vor allem der Markt für Kohle- und Gaskraftwerke ist durch den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien unter Druck geraten. Zudem gibt es Konkurrenz aus Asien. Es ist kein Geheimnis, dass der deutsche Markt als besonders schwierig gilt. In den vergangenen Jahren sei demzufolge auch »kaum ein größeres Projekt« umgesetzt worden, klagte GE schon vor einiger Zeit.

Für den Berliner Industriestandort ist diese Ankündigung ein weiterer herber Schlag. Mitte November erst beschloss Siemens, der große Rivale von General Electric, den Abbau von rund 870 Arbeitsplätzen im Dynamowerk in Spandau und im Gasturbinenwerk in Moabit. In der Woche zuvor wurde bekannt, dass die frühere Osram-Tochter Ledvance die Glühlampenfertigung in Spandau zum Ende des kommenden Jahres einstellen will. Dort verlieren 220 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) richtet angesichts der Pläne von GE das Augenmerk auf die Zukunft der Mitarbeiter in Marienfelde. »Wir stehen bereit, gemeinsam mit Unternehmen und Beschäftigten, über ein zukunftsfestes Gesamtkonzept zum Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze zu sprechen.« Sichere Jobs entstünden dort, wo es Innovationen gebe, glaubt sie. Um das zu erreichen, will sie die Unternehmen noch besser mit Wissenschaftseinrichtungen vernetzen.

Erst vor vier Jahren hatte General Electric rund 1,3 Millionen Euro vom Land Berlin erhalten, um auf dem Standort in Marienfelde ein Trainingszentrum zu errichten. Servicekräfte werden fortgebildet. GE hatte das ehemalige AEG-Werk 2011 von dem französischen Konzern Alstom übernommen.

Nur wenig Verständnis für eine Schließung der Fertigung in Marienfelde hat Klaus Abel, erster Bevollmächtigter der IG Metall in Berlin und Brandenburg. »Der vom Personalabbau am stärksten betroffene Geschäftsbereich Power, zu dem die Berliner Produktion in Marienfelde zählt, trägt erheblich zum positiven Konzernergebnis bei«, sagte Abel dem »neuen deutschland«. Sollte es tatsächlich dazu kommen, sieht er auch die übrigen Arbeitsplätze in dem Werk an dem Standort bedroht. Doch noch hat er Hoffnung, dass es nicht zu einem Kahlschlag kommt. Denn anders als bei Siemens seien die Beschäftigten nicht vor vollendete Tatsachen gestellt worden, sondern das GE-Management habe bislang nur Pläne vorgestellt, über die nun verhandelt werde.

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