Werbung

Der Drehtürtrick der Lehrer

Einige Pädagogen pendeln nach Brandenburg, um als Beamte nach Berlin zurückzukehren

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

»Jedes Land muss sich um sich selbst kümmern«, sagte Brandenburgs Bildungsstaatssekretär Thomas Drescher unmissverständlich. Bei einer gemeinsamen Sitzung verständigten sich die Bildungsausschüsse des Landtags und des Berliner Abgeordnetenhauses am Donnerstagnachmittag, wie die Bildungssysteme beider Länder aufeinander wirken und welche Strategien zur Behebung von Defiziten eingeleitet worden sind.

Es gibt seit Jahren Lehrer aus Berlin, die nach Brandenburg pendeln, sich dort verbeamten lassen, nur um dann schnellstmöglich als Beamte nach Berlin zu wechseln. Der Grund dafür: Berlin beschäftigt neue Lehrer schon lange in aller Regel nur noch als Angestellte, macht aber eine Ausnahme bei Lehrern, die bereits verbeamtet sind. Dieser Trick wird mit dem Begriff »Drehtürverbeamtung« umschrieben.

Wie ist damit umzugehen? Staatssekretär Drescher antwortete auf diese Frage ausweichend. Es sollte schon so sein, dass ein Lehrer, der in Brandenburg verbeamtet wurde, seiner Dienstpflicht gegenüber dem Bundesland einige Jahre nachkommt, sagte er, ohne zu erklären, wie er das durchsetzen wolle. Aber: »Der Markt ist dicht.« Das will heißen: Fast alle Bundesländer suchen hängeringend junge Lehrer, um jene Pädagogen, die in den Ruhestand treten, ersetzen zu können. Dennoch dürfe es nicht zu einer »Kannibalisierung« kommen, bei der sich die Länder gegenseitig die Lehrer abwerben, meinte Drescher. Das Problem sei in der Kultusministerkonferenz besprochen worden. Doch habe die Diskussion ergeben, dass es schwierig sei, eine gemeinsame Strategie zu entwickeln. Überall seien die Lehrer knapp. Das erschwere eine Koordinierung.

Wer sich in Brandenburg weit entfernt von Berlin als Lehrer niederlässt, den erwartet laut Staatssekretär ein »Vollkasko-Paket«. Klipp und klar haben Interessenten für solche Stellen ihm ihm gesagt: »Alles muss stimmen.« Das Land hilft dann, bei der Suche nach Kitaplätzen und einer Wohnung. Es gibt eine »Willkommenskultur« für Lehrer.

»Wenn ich höre, dass Brandenburg bei der Wohnungssuche hilft, müssen wir wohl ein Mofa drauflegen«, sagte der Berliner Bildungsstaatssekretär Mark Rackles. Zur Drehtürverbeamtung erklärte er, Berlin vertrete die Auffassung, dass ein Beamter nur dann in den Schuldienst der Bundeshauptstadt aufgenommen werde, wenn er mindestens fünf Jahre auswärts als Beamter gearbeitet habe. Das habe dazu geführt, dass es nicht außerordentlich viele Anfragen von verbeamteten Lehrern aus Brandenburg gebe.

Staatssekretär Drescher verwies auf die Erhöhung der Zahl der Studienplätze an der Universität Potsdam. Im März 2016 habe es 800 Absolventen gegeben, was eine »sehr erfreuliche Tendenz« sei. Doch rechne er damit, dass nur 500 bis 600 davon in Brandenburgs Schulen anfangen, denn »die Migrationsfreudigkeit der jungen Leute ist sehr hoch«. Sie ziehen in andere Bundesländer. Die Zahl der Verbliebenen reiche also wieder nicht. Die messbare Steigerung der Zahl junger Leute, die ein Lehramtsstudium beginnen, sei erfreulich, gleichwohl wenig interessant, denn angesichts einer nach wie vor hohen Abbrecherquote sei entscheidend, wie viele Absolventen es gebe, unterstrich Drescher. Hinzu komme, »dass am liebsten jeder Gymnasiallehrer werden« wolle. Das habe mit der bislang besseren Bezahlung zu tun.

Allerdings hat Brandenburg inzwischen entschieden, die Besoldung aller Grundschullehrer auf die Stufe A 13 anzuheben, sie also künftig nicht mehr schlechter zu bezahlen als die Oberstufenlehrer. Drescher verwies darauf, dass es erforderlich sei, für mehr Studierende Ausbildungskapazitäten aus den Schulen abzuziehen, die dann dort fehlen.

Tatsache sei, dass »wir im Moment ohne Seiteneinsteiger nicht auskommen«, erklärte Drescher. Inzwischen melden sich Hochschulabsolventen aus einer Vielzahl von Fachgebieten bei den Schulämtern. Es sei aber schwierig, beispielsweise für ausgebildete Architekten und Juristen »die geeigneten Fächer zu finden«. Zur besseren Besoldung der Grundschullehrer sagte Drescher: »Auch für Seiteneinsteiger muss mehr gemacht werden, das ist richtig.« In Berlin erweisen sich Seiteneinsteiger als leistungsfähig und kompetent, lobte der Berliner Staatssekretär Mark Rackles. Die Abbrecherquote in diesem Bereich sei nicht höher als bei den Referendaren.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen