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So mutig wie riskant

Mozarts »Zauberflöte« als Gastspiel im Konzerthaus

  • Von Ulrike Krenzlin
  • Lesedauer: 3 Min.

Gespannt konnte man schon sein auf dieses Gastspiel im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Skeptisch aber auch. Schließlich hat der österreichische Dirigent und Produzent Matthias Georg Kendlinger sich hier mit seinen K&K Philharmonikern, dem Opernchor und Solisten - scheinbar kurzerhand - ein völlig neues Schaffensfeld eröffnet: die konzertante Oper. Das ist so mutig wie riskant, denn gerade »Die Zauberflöte«, diese große Oper von Mozart, läuft in den Berliner Opernhäusern mehrfach - etwa in der phantastischen, offenbar immer noch nicht überbotenen Inszenierung von August Everding aus dem Jahr 1978. Nicht nur im Münchner Nationaltheater hat diese Arbeit sich jahrzehntelang durchsetzen können. Noch im Dezember wird sie erneuten Einzug in die Staatsoper Unter den Linden halten.

Was aber ist nun an Kendlingers konzertanter Aufführung mutig - und was riskant? Zuerst der Mut. Das Libretto wird, ohne Dialoge, als gekürzte Fassung geboten. Das Publikum kommt daher nur in den Genuss der bekannten Arien. Diese Reduktion auf die musikalische Quintessenz bringt dem Kenner das ägyptisierende Märchenspiel von 1791 ganz leicht, wie nebenbei, zu Gehör, ohne dass dieser sich emotional zu sehr auf die mystischen Geschehnisse des Märchenstoffs einlassen muss. Das ist die komplexe Geschichte vom Lichtreich Sarastros und dem Nachtreich der Königin, dem verzauberten Prinzen Tamino und seiner geliebten Pamina, vom geschwätzigen Papageno und dessen aufdringlichen unerfüllten Liebessehnsüchten, von den Prüfungen, die alle erst bestehen müssen, bevor es zum glücklichen Ende kommen kann.

Den Neuling kann diese knappe, theatral entschlackte Form zwar neugierig machen. Dennoch verhält sich die konzertante Fassung zur Oper allzu sehr wie ein Business-Frühstück zum Festmahl. Wäre es nicht vorstellbar, einen Erzähler einzufügen? Die Nacherzählung des rezitativen Handlungsverlaufs der Oper in das Ariengeschehen gestellt, könnte das Volumen der konzertanten Aufführung anfüllen.

Damit zum Risiko: Wenn Solisten am Orchesterrand ohne Verkleidung singen und gestisches Spiel nur andeuten, tritt die sängerische Qualität viel stärker hervor als bei Operninszenierungen. Kendlinger arbeitet mit ukrainischen und galizischen Solisten zusammen, die meisten gehören dem Ensemble der Staatsoper in Lwiw an.

Eine gestylte, vibrierende Tenorstimme, fast in der Nähe von Fritz Wunderlich, öffnete Oleg Lanovy als Tamino. Das Duett mit Anna Shumarina als Pamina wurde so zum Abendhöhepunkt. Aber auch Anna Nosova brillierte in ihren Koloraturen als Königin der Nacht. In ihrem Repertoire, unter anderem als Violetta in »La Traviata«, feiert die junge Sängern internationale Erfolge. Die Sopranstimmen der drei Knaben überzeugten ebenso wie die der drei Damen der Köngin. Andrii Zarytskkyis bot mit souveränem Bass die Rolle des Sarastro.

Aber nicht alle Akteure wussten zu brillieren. Bei der entscheidenden Nebenfigur etwa, dem lustigen Papageno, von Stepan Drobit gesungen, kam Enttäuschung auf, nicht nur, weil er die berühmte Arie vom Vogelfänger vom Blatt ablas und dabei ganz steif blieb. So konnte das Duett mit Papagena (Tetiana Konjukh) seine Wirkung nicht entfalten.

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