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Mit der Rente ins Gefängnis

Vor allem Armut und Einsamkeit treiben Japans Senioren in die Kriminalität

  • Von Susanne Steffen, Tokio
  • Lesedauer: 2 Min.

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Japan ist eines der sichersten Länder der Welt. Kaum woanders ist die Kriminalitätsrate so gering wie hier. 2016 erreichte die Zahl der Verbrechen ein historisches Nachkriegstief, berichtete das Justizministerium in seinem jährlichen Kriminalitätsweißbuch. Doch etwas mehr als 20 Prozent aller Kriminellen waren Rentner über 65 Jahre. Insgesamt wurden im Vorjahr 46 977 Senioren verhaftet.

So viele kriminelle Alte gab es noch nie in der drittgrößten Wirtschaftsnation der Welt. Vor 20 Jahren waren nur knapp vier Prozent aller Straftäter im Rentenalter. Die kriminellen Senioren gehören zu den negativen Nebeneffekten des rapiden Bevölkerungswandels in der am schnellsten alternden Gesellschaft der Welt, in der bereits heute fast ein Drittel der Bevölkerung im Rentenalter ist.

Während Verbrechen in den meisten Altersgruppen rückläufig waren, steigt die Kriminalität bei den über 65-Jährigen seit Jahren kontinuierlich an. Schwerverbrecher finden sich dabei eher selten in der Rentnergruppe. Gut 70 Prozent der Seniorenverbrechen sind Diebstähle. Nur zehn Prozent begingen Gewaltverbrechen.

Knapp 2500 Senioren waren 2016 in Gefängnissen eingesperrt. In einigen Städten gibt es spezielle Seniorenhaftanstalten, die auf den ersten Blick wie Pflegeheime anmuten. Wegen der stetig steigenden Zahl betagter Insassen hat die Regierung nun beschlossen, künftig landesweit die Hälfte ihrer Gefängnisse mit Pflegepersonal auszurüsten. In keiner Altersgruppe gab es darüber hinaus eine höhere Rückfallquote. Beinahe jeder vierte Rentner wird rückfällig und landet innerhalb von zwei Jahren nach seiner Freilassung erneut hinter Gittern.

Als Gründe für die steigende Kriminalität unter Senioren machte das Justizministerium vor allem Armut und soziale Vereinsamung aus. In Umfragen gaben betagte Gefangene immer wieder an, sie hätten ihre Verbrechen absichtlich begangen, um ins Gefängnis zu kommen, damit sie Einsamkeit und Armut entfliehen können. Das Ministerium fordert angesichts der Rückfälligkeitsrate mehr Maßnahmen, um Ex-Häftlinge besser wieder in die Gesellschaft zu integrieren. In Städten wie dem westjapanischen Akashi kooperieren Gefängnisse eng mit Altenheimen und Sozialdiensten, die sich nach der Entlassung um betagte Ex-Straftäter kümmern sollen, damit sie nicht in ihr einsames und oft ärmliches Leben zurück müssen.

Erst vor wenigen Wochen hatte der Fall eines 74-jährigen Serieneinbrechers landesweit Schlagzeilen gemacht. Der betagte »Ninja«, wie er wegen seiner schwarzen Arbeitskleidung in Polizeikreisen genannt wurde, hatte die Polizei acht Jahre in Schach gehalten und soll für rund 200 nächtliche Einbrüche verantwortlich sein.

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